Gehalt 2016 – Schwere Zeiten für Assistenz & Office Management

von in Gehalt am Montag, 8. August 2016 um 10:20

„Der Beruf der klassischen Assistentin verschwindet“, sagt Conrad Pramböck. Wie gelingt es Angehörigen dieser Berufsgruppe, die eigene Position und ein gutes Einkommen trotzdem zu sichern? Gemeinsam mit dem Gehaltsexperten sehen wir uns an, welche Karriere- und Gehaltsschancen es im schwierigen Umfeld Office Management und Assistenz noch gibt.

Wie steht es um Karriere- und Gehaltschancen für Assistenten, Sekretariatskräfte und Office Manager? Gehaltsexperte Conrad Pramböck analysiert die Branche heute im Rahmen unserer Serie „Gehalt 2016“ für uns. Bevor wir uns den Chancen und Risiken im Assistenzbereich widmen, hier die Gehälter der Branche im Überblick:

Gehalt Assistenz 2016

Wie ist Ihre Prognose für die Branche, wo liegen die Chancen und Risiken?

Pramböck: Die Situation für Assistenten war und bleibt schwierig. Grundsätzlich stellt sich bei Assistenten bzw. Assistentinnen, denn viele in diesem Job sind weiblich, die Frage, was sich hinter der Position wirklich verbirgt: Der Beruf der klassischen Assistentin, wie es ihn früher einmal gab, ist längst am Verschwinden. Assistentinnen müssen daran arbeiten, für sich selbst bzw. ihre Karriere ein Upgrade zu erreichen. Die klassischen Tätigkeiten wie Schriftverkehr oder Reisebuchungen erledigen heute entweder die Manager selbst, eine eigene Abteilung oder ein externer Dienstleister – oft im günstigeren Ausland. Von der Karriere her wird von einer Assistentin immer öfter verlangt, dass sie mehr und mehr komplexe Geschäftsfälle erledigt.

Welche Rolle spielen Aus- und Weiterbildung für die Karriere von Assistenten?

Pramböck: Eine formelle Ausbildung für den Assistenzposten gibt es de facto nicht. Wer einen akademischen Abschluss mitbringt, erledigt in der Regel mehr als  Assistenzarbeiten. Weiterbildungsbedarf wird meist über interne Schulungen abgedeckt, um für fachliche Themen und bestimmte Prozesse gerüstet zu sein. Am Ende der Karriereleiter gibt es natürlich noch Chefsekretärinnen, Vorstandsassistenten oder Assistentinnen der Geschäftsleitung. Sie sind besondere Vertrauenspersonen mit dementsprechend hohen Gehältern.

Einkommen weit jenseits der 50.000 Euro brutto jährlich stehen für diese Personengruppe an der Tagesordnung. Dafür besteht auch ein besonderes Vertrauen zwischen ihnen und dem Vorstand oder der Geschäftsführung. Loyalität und eine lange Betriebszugehörigkeit sind meist ausschlaggebend dafür, um solche Posten zu erlangen. Manche Assistentinnen begleiten ihren Vorstand sogar von einem Unternehmen zum nächsten. Mein Tipp für alle, die diesen Karriereweg einschlagen möchten: Auf ein hundertprozentiges Vertrauensverhältnis zur Führungskraft zu achten.

Entwickeln sich Karrieren in diesem Bereich schnell oder eher langsam?

Pramböck: Es kann durchaus schnell gehen, manche Chefsekretärinnen sind Anfang oder Mitte 30. Für sie stellt sich die Frage, ob sie in dieser Position bleiben möchten. Viele schätzen jedoch das Umfeld, in dem sie sich im Rahmen ihres Jobs bewegen und dass sie mit vertraulichen Angelegenheiten betraut werden. Dieser Umstand ist für sie wichtiger als der Wechsel in einen Beruf, der vielleicht mehr Geld bringen würde. Ich kann durchaus auch als Assistentin schnell Karriere machen, dabei aber niemals die Langfristigkeit aus den Augen verlieren.

Ihre Tipps für mehr Gehalt in dieser Branche?

Pramböck: Im Wesentlichen geht es darum, immer komplexere Themen zu übernehmen. Einfache Tätigkeiten können auch leicht ausgelagert werden in Länder, in denen die Kosten viel niedriger sind als in Österreich. Die gläserne Decke im Assistenzbereich liegt bei rund 50.000 Euro brutto pro Jahr – möchte ich mehr, muss ich aus der Sachbearbeitung oder Assistenz weg und hin zu Tätigkeiten, die jedoch oft Akademikern vorbehalten sind. Weitere Karriereschritte nach oben für Chefassistentinnen gibt es im Grunde nicht, manchmal besteht die Möglichkeit, den eigenen Aufgabenbereich zu erweitern – z.B. das Officemanagement zu übernehmen. Immer komplexere oder spannendere Aufgaben vom Vorstand übertragen zu bekommen ist auch ein Weg, die eigene Karriere anzukurbeln. Weitere Gehaltssteigerungen hängen dann von der eigenen Leistung ab und wie verlässlich und vertrauensvoll die Arbeit erledigt wird. Wenn alles passt, habe ich in der Gehaltsverhandlung gute Karten und mit dem Vorstand einen starken Fürsprecher.

Zur Person

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des neuen Buchs „Karrierewege“.

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Bildnachweis: everything possible / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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