Gehalt 2014: „Mit 30 Jahren entscheidet sich, wer Karriere macht“

von in Gehalt am Montag, 21. Juli 2014 um 10:47

Beim Gehalt trennt sich bekanntlich die Spreu vom Weizen. Welche Branche zahlt gut? Wer verdient was? Und verdienen wir mehr als wir bekommen? Fragen wie diese beantwortet ab heute Conrad Pramböck, Experte für Gehaltsfragen, in der neuen Serie „Gehalt 2014“. In zwei Wochen geht es weiter mit der ersten Branchenanalyse. So viel sei verraten: Es wird ein heißer Sommer.

Deutlich höhere Erwartungen an Absolventen bei gleichem Gehalt

Wie haben sich die Gehälter entwickelt?

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck: Man muss hier unterscheiden zwischen den Einkommen von Absolventen und der allgemeinen Entwicklung. Die Einstiegsgehälter der Absolventen sind in den letzten 10 bis 15 Jahren relativ stabil geblieben. Auf der anderen Seite haben sich die Preise deutlich erhöht. Weiters haben sich die Anforderungen der Unternehmen relativ stark nach oben entwickelt. Ich bin jetzt seit 16 Jahren im Berufsleben und zu meiner Zeit hatte recht bald jeder Studienabgänger einen Job. Heute wird von den Absolventen nicht nur erwartet, dass sie einen Masterabschluss haben, sondern auch noch mehrere Praktika berufsbegleitend, dass sie Berufs- und Auslandserfahrung haben und Englisch perfekt sprechen. All das macht es viel schwieriger für junge Leute ins Berufsleben einzusteigen.

„Junge können heute viel schneller Karriere machen“

Gibt es auch einen Lichtblick für heutige Absolventen?

Karrierechancen Gehalt 2014Conrad Pramböck: Ja, den gibt es. Und zwar sind die Gehaltssteigerungen für Top-Leute deutlich höher als noch zu meiner Zeit. Das heißt, dass junge Leute heute sehr viel schneller Karriere machen können. Wenn ich in einer Altersgruppe um die 30 Jahre alt und gut bin, verdiene ich auch schon zwischen 40.000 und 50.000 Euro brutto im Jahr. Da sind also sehr interessante Gehaltssteigerungen und Karriereentwicklungen möglich.

In welchen Branchen verdienen Absolventen am meisten?

Conrad Pramböck: Es gibt sehr große Gehaltsunterschiede zwischen aber auch innerhalb der Branchen. Besonders gut zahlen zum Beispiel Pharmaunternehmen oder die Erdölindustrie, auf der anderen Seite stehen soziale Unternehmen, der Einzelhandel oder die Bauindustrie. Sehr schlecht zahlt auch der Tourismus. Um das ganze mit Zahlen zu belegen: Einstiegsgehälter für Akademiker liegen im sozialen Bereich bei etwa 25.000 Euro brutto pro Jahr, auf der anderen Seite zahlen große Unternehmensberater wie Boston Consulting Group oder McKinsey über 60.000 Euro für Masterabsolventen. Hier gibt es also gewaltige Branchenunterschiede.

Masterabsolvent verdient zwischen 30.000 und 40.000 Euro

Der Top-Absolvent, der am meisten verdient: Wie sieht der aus?

Conrad Pramböck: Das sind die genannten Unternehmensberater sowie Investmentbanker. Sie liegen bei Einstiegsgehältern von bis zu 60.000 Euro brutto pro Jahr. Das ist weit entfernt vom Durchschnitt – der liegt bei Masterabsolventen zwischen 30. 000 und 35.000 Euro. Jeder, der über 40.000 Euro verdient, ist schon sehr gut bezahlt, wenn er keine Berufserfahrung mitbringt. Die dritte Variante, um langfristig viel zu verdienen, ist in der Technik-Branche. Top-Leute verdienen hier beim Karriereeinstieg zwischen 40.000 und 50.000 Euro.

„In den ersten zwei bis fünf Berufsjahren verlaufen Karrieren meist ähnlich“

Wie reagieren die Absolventen auf diese Situation?

Familienplanung KarriereConrad Pramböck: Es dauert einfach ein paar Jahre, bis man als Absolvent zu seinem theoretischen Wissen auch ausreichend praktische Erfahrung gesammelt hat. Anfang 30 entscheidet sich bei vielen, wie sich die Karriere entwickelt. Manche sagen, das Berufsleben interessiert mich ohnehin nicht so, da habe ich lieber mehr Freizeit und gebe mich damit zufrieden, ein bisschen weniger zu verdienen. Auch die Kinderfrage spielt hier eine Rolle. Dann gibt es die Gruppe, die Freude und Erfüllung im Beruf findet und dann Karriere als hochbezahlter Spezialist oder als Führungskraft macht. In den ersten zwei bis fünf Berufsjahren verlaufen Karrieren meist sehr ähnlich und in geregelten Bahnen, ab dem Alter 30 geht die Schere dann auseinander.

„Es geht uns gut, aber nicht super“

Wie geht es den Gehältern allgemein?

Conrad Pramböck: Generell entwickeln sich die Gehälter durchschnittlich um drei bis vier Prozent pro Jahr nach oben. Das ist im mittleren Bereich. In den Boomjahren zwischen 2006 und 2008 lagen die durchschnittlichen Steigerungen bei über fünf Prozent, andererseits in den Krisenjahren von 2009 konnte man froh sein, überhaupt eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Unsere Erhebungen haben ergeben, dass in diesem Jahr 80 Prozent gar keine Gehaltserhöhung bekommen haben, sondern glücklich damit waren, einen Job zu haben. Wir sind also in einer Phase in der es gut geht, aber nicht super.

Wie sieht ihre Prognose für die Zukunft der Gehälter aus?

Conrad Pramböck: Ich bin derzeit positiv eingestellt. Wenn ich mich umhöre, wie es den Unternehmen geht, gibt es mehrere Entwicklungen. Auf der einen Seite ist natürlich der Kostendruck quer über alle Branchen hinweg ganz extrem. In den meisten Unternehmen sind die Personalkosten der größte Block, der besonders im Blickfeld von Kostensenkungen steht. Auf der anderen Seite sind die besten Leute zu jeder Zeit gefragt: Ob in Krisenzeiten oder in Zeiten, in denen es der Wirtschaft gut geht.

Welchen Branchen geht es gut, welchen weniger?

Gibt es Branchen, die sich in den vergangenen Jahren besonders entwickelt haben?

Gehalt 2014 Gewinner und VerliererConrad Pramböck: Besonders schwierig ist es bei Banken geworden. Auch Versicherungen werden meiner Meinung nach in den kommenden Jahren eher von Abbau geprägt sein, auch wenn sie jetzt davon noch weniger spüren. Bei Industrieunternehmen kommt es sehr stark auf das jeweilige Unternehmen an. Generell schwierig ist es im Medienbereich, da die Branche derzeit komplett im Umbruch ist. Gut läuft es etwa für Unternehmensberater aber auch die Erdölbranche.

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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