Erreichbarkeit im Sommerurlaub: Muss das denn wirklich sein?

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Montag, 4. Juli 2016 um 10:29

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: ganz sicher nicht das Diensthandy. Realität oder Wunschtraum? Kurz vor dem Urlaub stellt sich oft die Frage, wie man mit dem Thema Erreichbarkeit umgehen soll. Bei vielen Arbeitgebern gibt es nämlich keine klaren Richtlinien zu E-Mail, Telefon & Co. während der wohlverdienten Auszeit.

Im Urlaub erreichbar – oder auch nicht erreichbar – zu sein, das ist eine Sache. Eine andere, ob allen Beteiligten klar ist, wie das Thema überhaupt gehandhabt wird. Denn klare Regeln gibt es dazu nicht immer, so das Ergebnis einer Umfrage. Durchgeführt wurde sie vom Projekt „MASTER“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit.

Muss ich meine E-Mails auch im Urlaub checken?

Und darf ich Kollegen während der Freizeit anrufen, wenn ich etwas brauche? Werden solche Fragen vor Urlaubsantritt nicht geklärt, sorgt das für Stress auf beiden Seiten. Für die Umfrage wollte MASTER von 260 Beschäftigten in der IT-Branche wissen, ob in ihrem Arbeitsumfeld über dieses Thema gesprochen wird. Dabei gab nur ein Fünftel an, dass es dafür klare Regeln im Unternehmen gibt. Bei jedem Dritten herrscht zumindest teilweise Unsicherheit: Soll, darf, muss ich abheben, wenn mich der Chef im Urlaub anruft? Psychologin Nina Pauls vom Projekt MASTER rät dazu, bereits vor dem Urlaub abzuklären, ob und wie man erreichbar sein sollte. Das gilt auch für jene, die keinen Chef haben, weil sie selbstständig sind.

Das sagt das Arbeitsrecht

Aus arbeitsrechtlicher Sicht müssen Arbeitnehmer während ihrer Abwesenheit nicht dafür sorgen, dass sie für Chef oder Kollegen erreichbar sind. Auch über den Urlaubsort müssen sie keine Auskunft geben. Wer eine wichtige Schlüsselposition innehat, sollte allerdings schon dafür sorgen, dass er in absoluten Notfällen erreichbar ist.

Tipps für Erreichbarkeit und Urlaubszeit

  • Klare Absprachen treffen
    Hier sind die Führungskräfte gefragt: Klar festgelegte Regeln zu Erreichbarkeit im Urlaub oder am Wochenende helfen Arbeitnehmern dabei, abzuschalten und sich zu erholen. Bereits vor der Urlaubszeit verschiedene Szenarien durchsprechen und festlegen, ob es Notfälle gibt, in denen der betroffene Mitarbeiter auch im Urlaub kontaktiert werden kann.
  • Der Chef als gutes Beispiel
    Wie bei allen Bereichen der Unternehmenskultur müssen auch hier Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen. Auch sie müssen nicht immer und überall erreichbar sein oder E-Mails noch spät nach Feierabend verschicken. Abgesehen von der schlechten Work-Life-Balance senden Chefs damit auch ein klares Signal an ihre Mitarbeiter aus: Ich bearbeite meinen Posteingang auch noch um 22 Uhr – und du?
  • Vertretungen regeln
    Mit einer klar geregelten Urlaubsvertretung ist es kaum notwendig, Arbeitnehmer in ihrem Urlaub zu kontaktieren. Im Idealfall regelt die Vertretung in Abwesenheit eines Kollegen alles Notwendige. Solche Tandems machen auch außerhalb der Urlaubszeit Sinn und wappnen für spontane Ausfälle.

Bildnachweis: I am Kulz / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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