Candidate Experience: Guter Eindruck beim Bewerbungsgespräch ist zu wenig

von in HR am Mittwoch, 21. Januar 2015 um 11:24

Pünktlich, sympathisch und gut vorbereitet. Solche Bewerber wünscht man sich als Recruiter beim Jobinterview. Verhaltensregeln für Jobsuchende gibt es wie Sand am Meer. Aber wie sieht es mit den Gastgeberfähigkeiten des Arbeitgebers aus? Positiv auffallen darf man nicht erst beim Bewerbungsgespräch. Denn der Eindruck, den ein Arbeitgeber vor und nach einem Jobinterview hinterlässt, ist genauso wichtig, wie das Gespräch selbst.

Candidate Experience?

Was man als Bewerber so alles erleben kann! Genau damit beschäftigt sich Candidate Experience. Darunter fallen alle Eindrücke, die Bewerber bei jedem Kontakt mit Arbeitgebern sammeln. Und diese Erfahrungen sind im Idealfall möglichst positiv. Die Kontaktpunkte, an denen potenzielle Arbeitnehmer mit Unternehmen zusammentreffen, können zahlreich und sehr unterschiedlich sein: Karrieremessen, Social Media Kanäle, Mundpropaganda oder auch das Bewerbungsgespräch und alle Kontakte davor und danach sind mögliche Touchpoints mit zukünftigen Mitarbeitern. Eine negative Erfahrung kann dazu führen, dass der Bewerber das Interesse am Job oder dem Unternehmen verliert. Das beginnt bei umständlichen Online-Formularen für die Bewerbung und endet mit Personalverantwortlichen, die vor, nach oder während des Bewerbungsgesprächs einen schlechten Eindruck hinterlassen.

Der erste Eindruck zählt – und kann nicht wiederholt werden

eMailSchnelle Reaktion auf die Bewerbung, genug Vorlaufzeit bis zum Bewerbungsgespräch, Wegbeschreibung zum Firmensitz, pünktliches Erscheinen zum Gespräch etc – klingt alles nach Selbstverständlichkeiten, trotzdem hapert es oft an solchen Kleinigkeiten. Klar ist, dass man als HR-Manager nach dem Erhalt von Bewerbungen nicht sofort mit Terminen dienen kann. Den Empfang der Unterlagen kann man trotzdem kurz bestätigen und angeben, in welcher Zeitspanne der Absender mit einer Reaktion rechnen darf. Treffen Bewerbungen bei einer eigens eingerichteten E-Mail-Adresse ein, können die Benachrichtigungen automatisch verschickt werden. Die Einladungen zum Bewerbungsgespräch erledigt man als HR-Verantwortlicher entweder selbst oder legt sie in vertrauensvolle Hände.

Infos zum Termin vorab schicken

Nach telefonischen Terminvereinbarungen freuen sich Bewerber über eine kurze Bestätigung per E-Mail. Nicht alle Kandidaten sind ortskundig, eine Wegbeschreibung zum Firmengebäude für die Anreise mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine nette Geste. Stehen Parkplätze zur Verfügung, darf man die Bewerber auch mit dieser Info versorgen. Und wem wird man beim Bewerbungsgespräch gegenüber sitzen – nur dem HR-Verantwortlichen oder der gesamten Führungsriege? Auch diese Information kann in die Terminbestätigung. Immerhin hat der Kandidat in seiner Bewerbung auch von sich einiges preisgegeben.

Die ersten Schritte

Ankunft beim potenziellen Arbeitgeber. Wie ist der erste Eindruck? Im Idealfall ein positiver: Der Weg zu den Büros ist gut beschildert, der Aschenbecher am Raucherplatz vor dem Eingang quillt nicht über, als Bewerber scheitert man nicht an der Gegensprechanlage und das Empfangspersonal weiß über den Termin Bescheid.

Angenehmes Umfeld schaffen

KaffeeWohlfühlatmosphäre herrscht bei Jobinterviews selten, trotzdem kann man für ein angenehmes Gesprächsklima sorgen. Wasser, Kaffee oder Tee bieten gute Gastgeber natürlich an, der Raum für das Bewerbungsgespräch ist angenehm hell und gut temperiert. Sollte nicht passieren, geschieht in der Realität aber doch: Der Recruiter bzw. die Person, die das Jobinterview führen wird, verspätet sich ein paar Minuten. Kein Problem, wenn man dem wartenden Bewerber Bescheid gibt und – je nach Verzögerung – vielleicht auch mit etwas Lesestoff versorgt, um die Nervosität wegzublättern.

Leider nein…

Der ideale Kandidat ist gefunden, den anderen Bewerbern muss leider abgesagt werden.  Allen Bewerbern, die man im Jobinterview bereits face to face kennen gelernt hat, sollte man auch persönlich absagen – im Idealfall telefonisch und mit ehrlichem Feedback, warum es nicht geklappt hat. Standardisierte E-Mails voller nichtssagender Floskeln sind keine nette Geste für jene, die viel  Zeit und Energie in ihre Bewerbung und ein Gespräch investiert haben. Aussichtsreichen Bewerbern kann man anbieten, sie in Evidenz zu halten. Alle Absageschreiben sollten zeitnah verschickt werden, Bewerbungen monatelang „warm zu halten“, während Jobsuchende auf eine Antwort warten, macht kein gutes Bild. Auch jene Kandidaten, die eine Absage erhalten, sollen das Unternehmen möglichst positiv in Erinnerung behalten. Denn man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

Bildnachweis: Ryan Jorgensen – Jorgo / Shutterstock; Lisa S. / Shutterstock; Tomophafan / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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