Erstellt am 24. März 2020 · Arbeitsleben · von

Work-Life-Separation zuhause: So trennst du Arbeits- und Freizeit im Homeoffice

Lesezeit: 3 Minuten

Fällt es dir schwer, zuhause Arbeit und Freizeit zu trennen? Die berühmte Work-Life-Balance im Homeoffice zu halten, kann ganz schön knifflig sein. Strikte Work-Life-Separation ist für viele die bessere Strategie. Arbeitspsychologin Christa Schirl erklärt, wie das klappt:

Da will man in der Früh nur einen letzten Kaffee trinken, bevor man ins virtuelle Büro startet, und schon streift der Blick den Arbeitslaptop. Zack, sofort läuft das Gehirn wieder auf Hochtouren und der sanfte Start in den Tag ist dahin … Kennst du das?

Vielleicht gibts für dich aber auch gar keine Pause mehr, seit du von zuhause aus arbeitest, da du ständig das Gefühl hast, in der Arbeit zu sein? Richtig abschalten kann im Homeoffice schon mal zur Herausforderung werden – vor allem, wenn das Büro plötzlich mitten im Wohnbereich aufgebaut ist.

Arbeit und Freizeit trennen: Im Homeoffice eine Challenge

Die aktuelle Situation stellt viele vor große Herausforderungen: Plötzlich arbeiten mitunter ganze Familien von zuhause aus – in Wohnungen, die ganz und gar nicht dafür konzipiert sind. Ein eigenes Arbeitszimmer ist nun ein wahrer Segen! Wenn beide Partner Homeoffice machen, ist aber auch das nicht genug. Arbeitspsychologin Christa Schirl erklärt, wie man es schafft, trotz dieser schwierigen Zeit gut abzuschalten – und warum wir uns eine Kiste organisieren sollten.

Der folgende Artikel fasst die wichtigsten Aussagen aus dem Interview zusammen. Weiter unten kannst du dir das gesamte Gespräch als Video ansehen.

Von zuhause aus arbeiten und trotzdem abschalten: So gelingts

„Die aktuelle Situation erfordert eine völlig neue Tagesstruktur.“

Momentan befinden wir uns in einer kollektiven Stresssituation. Dadurch werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die uns wacher, aber auch fahriger machen. Wir sind nicht so tiefenentspannt wie sonst. Unsere bewährten Tagesabläufe funktionieren nicht mehr so wie früher, denn die aktuelle Situation erfordert eine völlig neue Tagesstruktur. Da wir erst lernen müssen, wie wir mit der Situation umgehen, sind wir auch etwas unkonzentrierter. Das ist normal, wir müssen daher im Moment auch ein bisschen nachsichtiger mit uns sein.

freiräume zum auftanken schaffen

Pausen und Rückzugsmöglichkeiten sind momentan sehr wichtig.

Neue Rituale für eine bessere Work-Life-Separation

Der Arbeitsweg fällt weg, unsere morgendlichen Rituale fehlen. Das ist für alle extrem ungewohnt. Manche reagieren darauf mit Schlafstörungen – auch das ist leider normal. Wir müssen geduldig sein und positiv bleiben. Es gilt, jetzt neue Rituale zu finden, die uns in der aktuellen Situation die nötige Sicherheit geben. Damit etwas zum Ritual wird, brauchen wir viele Wiederholungen. Daher immer wieder reflektieren, ob der neue Tagesablauf für einen selbst passt.

„Geduldig sein und positiv bleiben!“

Arbeit ist eine gute Ablenkung von diesem kollektiven Stress – die Seele macht sozusagen einen kleinen Sidestep und sagt: Arbeite, arbeite, arbeite, dann musst du dich nicht mit deinen Sorgen beschäftigen. Das kann hilfreich sein, darf aber nicht Überhand nehmen.

Das mobile Büro und innerliches Einstempeln im Homeoffice

Wer das Wohnzimmer als Arbeitszimmer nützt, sollte in der Früh seinen Arbeitsplatz aufbauen und nach Arbeitsschluss alles in eine Kiste packen. Sobald sie weggeräumt ist, ist das Wohnzimmer wieder Wohnzimmer und die Freizeit beginnt. Als mentale Übung kann man auch „innerlich einstempeln“. Visualisiere eine Stempelkarte, stell dir vor, du steckst sie ein: „Ab jetzt bin ich in der Arbeit.“ Zu Mittag wird der Laptop zugeklappt, damit stemple ich quasi aus. Wer ein Arbeitszimmer hat, tut sich hier leichter: Einfach die Tür zumachen!

„Wer ein Arbeitszimmer hat: Zumachen!“

Den Arbeitsbereich sollte man sich zudem so einrichten, wie man den Schreibtisch im Büro gestalten würde. Auch da sollte man nachsichtig sein und immer wieder adaptieren, bis man zufrieden damit ist.

Für die Pausen kann man sich eine eigene Ecke im Wohnzimmer einrichten oder den Raum wechseln, um zum Beispiel zu Mittag zu essen. Der Blick sollte in dieser Zeit nicht unbedingt zum Laptop gehen, sondern eher nach draußen, am besten in die Natur.

Fixe Arbeitszeiten definieren, auch für Schulkinder

„Nicht ständig mit einem Ohr in den Nachrichten hängen!“

Will man Arbeit und Privatleben im Homeoffice gut abgrenzen, sollte man zudem fixe Arbeitszeiten definieren, in denen auch bewusst Radio, Handy und andere Störfaktoren abgeschaltet bleiben. Mit einem Ohr ständig in den Nachrichten zu hängen, stresst nur zusätzlich und lenkt vom Wesentlichen ab.

Die definierten Arbeitszeiten sollten auch mit schulpflichtigen Kindern vereinbart werden. Das hilft, die Autonomie der Kinder zu fördern: Mithilfe einer Sand- oder Stoppuhr werden Arbeitsphasen definiert – 25 Minuten oder eine Dreiviertelstunde, je nach Alter der Kinder. In dieser Zeit erledigen sowohl Eltern als auch Kinder ihre jeweiligen Aufgaben. Ein Gong oder eine Klingel läutet dann die Pause ein, die zum Spielen, Jausnen oder einfach zum Entspannen genützt wird.

Privates und Berufliches trennen im Homeoffice: Das ganze Gespräch als Video

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Bildnachweis: shutterstock/Kinga, Alena Ozerova

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.