22. Mai 2018 · HR · von

Probezeit gilt auch für Arbeitgeber: Das wünschen sich Jobneulinge

Der richtige Kandidat für den Job ist gefunden, sagt zu und unterschreibt seinen Arbeitsvertrag. Zeit zum Aufatmen? Noch lange nicht! Eine Studie zeigt, dass auch Arbeitgeber es erst durch eine Probezeit schaffen müssen.

„Niemand wusste Bescheid. Ich meldete mich pünktlich zum 1. Arbeitstag bei der Dame an der Rezeption, aber diese wusste nichts von mir. Ich landete schließlich nach einer Stunde und vielen Telefonaten an meinem Arbeitsplatz, aber auch die Kollegen wussten nicht, dass ich ihr neuer Kollege bin. Der Einzige, der scheinbar von mir wusste, war der Geschäftsführer persönlich, aber der hatte es leider versäumt, dies in der Firma bekannt zu machen. Leider war der Geschäftsführer die nächsten zwei Wochen auf Dienstreise, sodass ich erst einmal zwei Wochen lang acht Stunden täglich Prospekte studieren und Kaffee kochen durfte, bis neue Anweisungen kamen.“

Diest ist ein Kommentar eines Arbeitnehmers aus einer aktuellen Studie, die sich mit idealem Onboarding und der ersten Zeit im neuen Job beschäftigt. Wie reagieren Arbeitnehmer, wenn im neuen Job Versprochenes nicht mit der Realität übereinstimmt und was wünschen sie sich von der ersten Zeit im neuen Job? Die Antworten darauf liefert die Studie durch Softgarden – mehr als 2.700 Teilnehmer in Deutschland wurden dafür befragt.

Hop oder drop: 100 Tage im neuen Job

Besonders für die ersten 100 Tage im neuen Job gilt: Nix ist fix!

  • Rund jeder zehnte Arbeitnehmer hat innerhalb der 100 Tage eine neue Stelle wieder gekündigt.
  • 16 Prozent haben diesen Schritt innerhalb von 100 Tagen zwar nicht gewagt, standen aber kurz davor – ein Teil dieser Personen hat später dann doch gekündigt.

Die häufigsten Gründe für den raschen Abschied vom neuen Arbeitgeber: Schlechte Einarbeitung, unprofessionelles Verhalten der Vorgesetzten, falsche Versprechungen bzw. Angaben zum Job oder auch, weil es zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter einfach nicht gepasst hat.

Mission abbrechen! Aber warum?

Statt euphorischer Honeymoonphase stellt sich am neuen Arbeitsplatz mitunter Frust ein. Aber was bringt Arbeitnehmer dazu, einen neuen Job binnen kurzer Zeit wieder zu verlassen? Diese Faktoren spielen laut Studie eine Rolle:

Die Arbeitsatmosphäre und das Verhalten der Vorgesetzten sind für Jobneulinge die kritischsten Faktoren in der Einarbeitungsphase. Weniger wichtig aber dennoch ausschlaggebend sind Dinge wie Arbeitsinhalte oder das Verhältnis von Jobrealität zu den eigenen Erwartungen. Letzteres wurde im Rahmen der Untersuchung genauer analysiert: Über ein Drittel der Bewerber gibt an, dass ein Job in der Bewerbungsphase besser verkauft wird, als die Realität danach zeigt. Allerdings gibt es auch Arbeitgeber, die sich bzw. ihre Jobs unter Wert verkaufen: Die Erwartungen von 11 Prozent der befragten Bewerber wurde nämlich sogar übertroffen.

Hier gefällts mir: Warum Mitarbeiter bleiben

Gut zu wissen! Mehr als 1.600 der Befragten haben auch Auskunft gegeben über die Gründe, warum sie gerne in einem Job und bei einem Unternehmen bleiben:

  1. Nette Kollegen, freundlicher Umgang miteinander, gute Arbeitsatmosphäre
  2. Wertschätzung, Vertrauen, Respekt, Gerechtigkeit
  3. Umfassende Einarbeitung, Feedback und Zugestehen von Anfängerfehlern und Fragen
  4. Transparente, fundierte Kommunikation mit ausreichend Feedback und wertschätzendem Tonfall
  5. Interessante Arbeitsaufgaben, Abwechslung im Job
  6. Weiterbildung, Aufstiegsmöglichkeiten, Weiterentwicklung

Kritisch: Zeit zwischen Zusage und erstem Arbeitstag

Mit der Zusage eines Bewerbers ist es für Arbeitgeber noch nicht getan: Liegt zwischen Jobzusage und dem tatsächlichen Arbeitsbeginn ein längerer Zeitraum, besteht die Gefahr , dass Arbeitnehmer doch noch abspringen und ein anderes Angebot annehmen. Gegensteuern können Unternehmen mit Maßnahmen, die eine Bindung zwischen Neuankömmling und dem Team frühzeitig fördern. Diese Dinge schätzen Bewerber besonders: Rasches Vorliegen des Arbeitsvertrags nach Zusage, eine zentrale Veranstaltung zur Orientierung für neue Mitarbeiter bereits vor Arbeitsbeginn, Kontaktaufnahme durch den Vorgesetzten mit Neuigkeiten oder zusätzlichen Infos.

Soweit die Wünsche der Arbeitnehmer. Das bieten Unternehmen in der Realität wirklich: Schnelles Vorliegen des Arbeitsvertrags (86 Prozent), Kontakt durch den Vorgesetzten (46 Prozent), Infos durch Mitarbeiterzeitschrift oder Newsletter (19 Prozent), Orientierungsveranstaltung vorab (19 Prozent), Einladung zum Teammeeting (19 Prozent), Unterstützung bei Alltagsfragen wie der Wohnungssuche (13 Prozent), Einladung zu Teamaktivitäten in der Freizeit (12 Prozent).

  • Das rasche Vorliegen des Vertrags ist Bewerbern demnach am wichtigsten – und die Mehrheit der Arbeitgeber erfüllt diesen Wunsch auch. Trotzdem: 14 Prozent müssen nach einer Jobzusage auf das Schriftstück länger warten.
  • Potenzial besteht noch bei der Kontaktaufnahme durch den Vorgesetzten und der Einladung zu Orientierungsveranstaltungen. Ein kurzer Anruf zwischen Vertragsunterzeichnung und erstem Arbeitstag oder die formlose Einladung zum Kaffee oder Teammeeting kosten nicht viel Zeit, können einem Arbeitgeber jedoch ordentlich Pluspunkte verschaffen.

Was bieten Arbeitgeber im Onboarding-Prozess?

Was die Erfahrungen der ersten Zeit im neuen Job betrifft, haben Unternehmen offensichtlich noch Nachholbedarf. Für die Studie haben die Befragten Auskunft darüber gegeben, welche Maßnahmen sie im neuen Job kennenlernen durften:

  • Eine offizielle Vorstellrunde zum Kennenlernen der Kollegen wurde nur 75 Prozent der Befragten geboten.
  • Mit einem Paten an der Seite die erste Zeit im neuen Unternehmen bewältigen: Einen Onboarding-Buddy gabs nur für 57 Prozent.
  • Über einen vollständig eingerichteten Arbeitsplatz konnten sich nur 43 Prozent freuen.
  • 38 Prozent wussten, wer in der Personalabteilung persönlicher Ansprechpartner für Fragen und Anliegen war.
  • Einen konkreten Einarbeitungsplan bekamen nur 32 Prozent der Jobneulinge.

Zum Weiterlesen: Onboarding-Checkliste

 

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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