Erstellt am 27. Juli 2021 · Arbeitsleben · von

Kinderbetreuung im Sommer: Herausforderung für viele Eltern

Lesezeit: 4 Minuten

Abwechselnd Urlaub nehmen, am besten mit ein paar Tagen Überschneidung, damit zumindest ein bisschen Zeit gemeinsam verbracht werden kann … Viele Eltern kennen die Herausforderung, in den Sommermonaten nicht nur die Kinder versorgt zu wissen, sondern sich auch vom Job Erholung zu verschaffen.

25 Urlaubstage stehen österreichischen Arbeitnehmer*innen in der Regel zur Verfügung. Schulkinder haben im Vergleich viel mehr freie Tage. Wie manövriert man sich durch diese Zeiten bzw. den langen Sommer, in denen der Nachwuchs betreut werden muss? Je jünger die Kinder, desto schwieriger wird das Thema.

Kinderbetreuung bleibt oft an Großeltern hängen

2019 hat eine AK-Umfrage unter 800 Wiener Familien mit Volksschulkindern ergeben, dass 22 Prozent der Eltern es sehr schwer hatten, eine Betreuung für die Sommerferien zu organisieren. Für 26 Prozent war es immerhin eher schwer. Zwei Drittel der Teilnehmer*innen greifen daher laut Umfrage auf externe Betreuungsmöglichkeiten zurück – Großeltern und Bekannte sind mit 41 Prozent dabei die klaren Favoriten.

Aber nicht alle haben das Glück, dass die Großeltern in der Nähe wohnen. Und nicht alle Omas und Opas sind rüstig und agil genug, um die Enkelkinder zu beschäftigen. Sich mit befreundeten Eltern zusammenzutun, ist eine weitere Möglichkeit, den Nachwuchs in guten Händen zu wissen. Bei dieser Lösung ist aber einiges an Flexibilität gefragt. Außerdem kann es immer passieren, dass jemand krank wird und die Betreuung dann nicht mehr gewährleistet ist.

Kinderbetreuung ist zudem eine Kostenfrage. Im Schnitt geben Wiener Eltern für die Sommerbetreuung 450 Euro aus. Für zwei Drittel ist das eine sehr oder ziemlich große finanzielle Belastung. Als Entlastung würden sich Arbeitnehmer*innen mehr Urlaub (49 Prozent), günstigere Betreuungsangebote (46 Prozent) sowie ausgebaute Ferienbetreuung an Schulen selbst (31 Prozent) wünschen.

Gerade für Alleinerziehende wäre es ohne private Angebote nicht möglich, die Betreuung ihrer Kinder zu stemmen. Frauen, die den Löwenanteil an Care Arbeit erledigen, werden durch diese Rahmenbedingungen oft in Teilzeitbeschäftigungen verdrängt. Das hat nicht nur ein niedrigeres Gehalt zur Folge, sondern führt langfristig viele Frauen in die Altersarmut.

Kinderbetreuung während Corona

Am 18. März 2020 wurden in Österreich Kindergärten, Kinderbetreuungsstätten sowie Schulen geschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Nur in Ausnahmefällen sollten die Kinder zur Betreuung abgegeben werden. Der Kontakt zu Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sollte vermieden werden.

Das stellte Österreichs Eltern vor eine große Herausforderung – denn damit brachen wesentliche Unterstützungsquellen wie beispielsweise die Großeltern weg. Viele Arbeitnehmer*innen wechselten ins Homeoffice und mussten Job und Kinder plötzlich gleichzeitig und innerhalb der gleichen Räumlichkeiten auf die Reihe bekommen.

Umfragen der Universität Wien zeigen, dass lediglich 18 Prozent der Eltern während der ersten Phase des Lockdowns Probleme bei der Kinderbetreuung hatten. Mit der schrittweisen Eröffnung der Geschäfte ab dem 14. April verschärfte sich die Situation allerdings, weil Arbeitnehmer*innen ihre Tätigkeiten wieder aufnehmen konnten. Mitte Mai taten sich 26 Prozent der befragten Eltern schwer – der Höchststand. Alleinerziehende und andere vulnerable Gruppen, die bereits vor Corona Schwierigkeiten hatten, über die Runden zu kommen, erlebten die Krise verständlicherweise noch bewusster.

Betreuung in Sommerferien bleibt schwierig

Die Ergebnisse der Uni Wien zeigen, dass rund 42 Prozent der Österreicher*innen während der Sommerferien nicht auf Verwandte und Bekannte zurückgreifen können. Auch der*die Partner*in ist oft nur eingeschränkt verfügbar (rund 35 Prozent). Ein Drittel der Befragten leiden darunter, dass öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen nicht im benötigten Ausmaß verfügbar sind – ein knappes Viertel kann sich diese nicht einmal leisten.

In ländlichen Gegenden ist die Situation besonders prekär – vor allem dort fehlt es an hochwertigen Kinderbetreuungsplätzen. Einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose Kinderbetreuung gibt es nicht – dabei sollte jedes Kind unabhängig vom Wohnort und dem Einkommen der Eltern die Chance haben, gut betreut und gefördert zu werden. Betriebliche Kinderbetreuung wäre eine Möglichkeit, wird jedoch aus wirtschaftlichen Gründen meist erst ab einer gewissen Unternehmensgröße realisiert.

Private Ferienprogramme boomen

Mittlerweile gibt es in ganz Österreich private Anbieter*innen, die eine sinnvolle Ferienbeschäftigung von Kindern ermöglichen. Während Ferienlager mit abwechslungsreichen und aufregenden Programmen bestechen, bieten Sommer-Workshops die idealen Umstände, um bestehende Talente von Kindern zu vertiefen oder sie neugierig auf Neues zu machen. Einige Anbieter im Überblick:

Hilfswerk

Das Hilfswerk ist österreichweit tätig. Das Angebot hinsichtlich Betreuungsmöglichkeiten ist dabei von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Auch die Kosten variieren abhängig vom Standort und orientieren sich teilweise am Einkommen der Eltern – in manchen Gemeinden werden die Beträge vollständig übernommen.

Die Kinderfreunde

Ein weiteres umfangreiches Programm für die Ferien wird von den Kinderfreunden bereitgestellt. Auch diese sind in weiten Teilen Österreichs aktiv und bieten Beschäftigung für die Kleinen in unterschiedlichen Preisklassen an.

feriencamps.at

Reitferien, Computer Workshops, Englischkurse, Parkour oder Schach … Auf feriencamps.at können Eltern aus einer Vielzahl an unterschiedlichen Sommercamps wählen. Von sportlich bis kreativ ist alles dabei, was das Kinderherz begehrt. Die Kosten bewegen sich zwischen 55 und 389 Euro.

Hilfreiche Übersicht über Feriencamp-Anbieter

Einen sehr guten Überblick über österreichische Feriencamp-Anbieter kannst du dir auf der Seite ferien4kids verschaffen. Dort werdet ihr nicht nur für die Sommerferien fündig, sondern könnt euren Nachwuchs auch während den Semester-, Weihnachts- und Osterferien beschäftigen. Ganzjahresprogramme werden ebenfalls angeführt.

Ein paar Tipps zum Schluss

  • Bespreche die Urlaubsplanung rechtzeitig mit deinem*deiner Partner*in.
  • Lass den Urlaub von deiner Führungskraft ehestmöglich bewilligen und stimme dich mit deinen Kolleg*innen ab, um Urlaubskollisionen zu vermeiden.
  • Buche Kinderbetreuungsmöglichkeiten wie Ferienlager usw. möglichst früh!
  • Eruiere früh genug, wann und ob Großeltern/Verwandte/Bekannte dich mit deinen Kindern unterstützen können.
Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, ganz klar. Bis ihr erster Roman beim Buchhändler deines Vertrauens aufliegt, schreibt sie für karriere.at unter anderem auch Blogbeiträge.