7. November 2017 · Arbeitsleben · von

Psycho-Hack: Wie dich der Halo-Effekt sympathischer machen kann

Was macht gute Menschenkenntnis eigentlich aus? Zu einem Teil ist es sicher die Fähigkeit, objektiv über andere zu urteilen. Das funktioniert allerdings nur begrenzt, denn der sogenannte Halo-Effekt macht uns und unserem Gehirn dabei einen Strich durch die Rechnung. Wieso manche Menschen einen Heiligenschein bekommen und andere leer ausgehen, obwohl sie ebenfalls viel leisten:

Gut sitzender Anzug, exzellente Umgangsformen, Manschettenknöpfe mit Monogramm – dabei handelt es sich wohl um einen erfolgreichen Geschäftsmann.
Kapuzenpulli, alter Rucksack, meidet Blickkontakt – wahrscheinlich eine Aushilfskraft oder jemand, der es im Job noch nicht weit gebracht hat.

Schublade auf – Person hinein. Der Halo-Effekt bezeichnet eine Wahrnehmungsverzerrung, vor der niemand gefeit ist. Dieses Schubladendenken ist im Grunde sehr praktisch, denn es erleichtert unserem Gehirn den Umgang mit den vielen Reizen, die täglich auf uns einprasseln. Allerdings kommen wir auf diesem Weg auch zu vielen Entschlüssen, die so gar nicht stimmen. Der vermeintlich erfolgreiche Geschäftsmann ist zwar gut gekleidet und brilliert im Small-Talk, muss deshalb aber nicht zwingend auf der Karriereleiter ganz oben stehen. Und im Umkehrschluss: Die junge Frau mit Kapuzenpulli und abgewetztem Rucksack ist vielleicht alles andere als schlecht bezahlt und in ihrem Fach eine der besten.

Wie funktioniert der Halo-Effekt?

Bei jeder Begegnung mit anderen Menschen bilden wir uns eine Meinung. Der Halo- oder auch Heiligenschein-Effekt kann dafür sorgen, dass ein einziges Merkmal die Wahrnehmung einer ganzen Person und ihrer Persönlichkeit beeinflusst: Wir bilden uns ein Urteil, obwohl wir unser Gegenüber noch gar nicht richtig kennen. Das funktioniert mit positiven wie mit negativen Eigenschaften gleichermaßen. So werden attraktive Personen oft auch als erfolgreich und sympathisch eingestuft und übergewichtige Menschen kämpfen mit dem Vorurteil, faul oder maßlos zu sein. Besonders attraktive Mitmenschen werden im Arbeitsleben oft sogar bevorzugt.

Der Halo-Effekt kommt jeden Tag in unzähligen Situationen zum Tragen. Im besten Fall kann er dir nützen, im schlimmsten Fall auch schaden. Wenn du weißt, wie dieser Beurteilungsfehler zustande kommt, kannst du ihn dir aber auch zu Nutze machen. Hier ein paar Tipps für den Umgang mit dem Halo-Effekt:

  • Achte auf das Gesamtpaket
    Wer dich sympathisch findet, schätzt auch deine professionellen Leistungen besser ein. Das mag vielleicht unfair erscheinen, aber Leistung alleine zählt nicht immer. Sei dir deshalb bewusst, dass dein gesamtes Verhalten Einfluss darauf hat, wie du und deine Leistungen von jemandem wahrgenommen werden. Vielleicht hast du diese Tatsache bereits einmal bei anderen Personen beobachtet: Kommen die Ideen des charmanten Kollegen vielleicht immer gleich besonders gut beim Chef an?
  • Der erste Eindruck zählt
    Jene Dinge, die du über eine Person als erstes erfährst, prägen deinen Eindruck nachhaltig (für alle, die das besonders interessiert – hier gibt es noch mehr Infos zum sogenannten Priming). Alle Informationen, die danach kommen, sind buchstäblich zweitrangig. Deshalb ist ein schlechter erster Eindruck auch kaum wieder wettzumachen. Beim ersten Aufeinandertreffen mit Personalverantwortlichen, Kunden oder anderen wichtigen Kontakten, kannst du dir das zu Nutze machen. Greife beim ersten Gespräch positive Themen auf und präsentiere dich von deiner besten Seite. Du solltest natürlich nicht zu dick auftragen, aber kannst z.B. dafür sorgen, dass du im Jobinterview deine Stärken und Erfolge zuerst präsentierst und erst dann über deine Schwächen und Defizite sprichst.
  • Mach dich sympathisch
    Sympathiepunkte kannst du auch sammeln, wenn du weißt, welche Persönlichkeitsmerkmale dein Gesprächspartner besonders schätzt. Sitzt du einem Sportfreak gegenüber, bring doch dieses Thema zur Sprache. Schätzt deine Führungskraft Querdenker und Menschen mit neuen Ideen, kannst du dein Augenmerk darauf legen und dich als Ideengeber positionieren. Probier es aus, aber verstell dich dabei nicht – der Arbeitsalltag soll schließlich nicht in Psychospielchen ausarten.
  • Sei selbstreflektiert
    Den Halo-Effekt kannst du zwar nicht verhindern, aber du kannst einen bewussten Umgang mit ihm pflegen. Sei selbstkritisch und hinterfrage deine Sichtweise aktiv, sobald du dir ein Urteil über jemanden bildest. Lernst du z.B. jemanden kennen und die Person ist dir in dieser Situation nicht sympathisch, gib ihr eine zweite Chance.
Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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