5. Dezember 2018 · Arbeitsleben · von

Traumjob Computerspielentwickler: Game Design braucht Mut

Doodle Jump oder GTA: Dass Computerspiele zu Kassenschlagern werden, dafür sorgen gut ausgebildete Game Designer. Was kaum jemand weiß: Auch in Österreich kann man diesen Beruf ausüben – mit genügend Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Wir haben nachgefragt, welche Hürden angehende Computerspiel-Entwickler zu meistern haben.

Tetris, Mario Kart oder Tomb Raider – Etliche Stunden unserer Kindheit und Jugend haben wir gebannt vor Konsole oder Computer verbracht, abgetaucht in die Welten unserer Lieblingshelden und -missionen. Zocken is Life. Und viele zählen Computer- und Videospiele auch im Erwachsenenalter noch zu ihren liebsten Hobbys. Aber wer entwickelt die eigentlich und wo? Das verrät uns Jeremiah Diephuis, Professor für Medientechnik und Design an der FH Oberösterreich. Seine Studenten designen Computerspiele – und verdienen in vielen Fällen damit sogar Geld. Bis dahin liegt aber ein steiniger Weg vor ihnen.

Game Design ist ein hartes Pflaster

Herr Diephuis, Sie bilden angehende Computerspiel-Entwickler aus. Gibt es dafür in Österreich überhaupt Jobs?
Ja, es stimmt, an der FH OÖ in Hagenberg bilden wir Leute für die Spieleindustrie aus, auch wenn viele schlussendlich doch in anderen Bereichen arbeiten. Es gibt zwar einige namhafte Entwicklungsstudios in Österreich, und in einigen davon sitzen unsere Absolventinnen und Absolventen, aber es kann eine harte, arbeitsintensive Industrie sein – wie fast überall im Unterhaltungsbereich.

Was spricht dennoch für eine Ausbildung mit Schwerpunkt auf Games?
Computerspiele sind großartig für die Ausbildung, auch wenn man nicht zwingend im Gamingsektor berufstätig wird. Wir sehen Spieleentwicklung daher eher als didaktisches Modell, weil man dafür sehr viele Kompetenzfelder braucht: Softwareentwicklung, Assetproduktion (2D/3D-Grafik), Interaktionsdesign, Sound, und vieles mehr. Dabei wird intensiv in interdisziplinären Teams zusammengearbeitet, und davon profitieren die Studierenden. Dass am Ende ein Referenzprojekt entsteht, das man tatsächlich herunterladen und ausprobieren kann, ist dann natürlich ein Pluspunkt, wenn Studierende sich bei Unternehmen bewerben. Das ist übrigens ähnlich im Bereich Computeranimation: Einige Studierende kommen zu uns, weil sie Animationsfilme lieben, und dieser Anspruch von Pixar und Co. sie motiviert, ihre Fertigkeiten zu entwickeln. Aber die Animationsindustrie ist in Österreich überschaubar, auch wenn es durchaus tolle Projekte gibt.

Mit welchen Problemen hat man in der Spieleindustrie zu kämpfen?
In der Öffentlichkeit wird sie gar nicht als ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor wahrgenommen. Dabei ist die Computerspieleindustrie weltweit größer als die Filmindustrie. Projekte wie der GameSpace in der Linzer Tabakfabrik, die Messe Play-Austria oder die GameStage-Expo versuchen, mehr Bewusstsein für die Computerspielkultur und -industrie zu schaffen. Dazu kommt: In manchen Industrien reicht ein Business Plan, um Förderungen zu erhalten; in der Games Industry nicht. Da braucht es schon einen recht weit entwickelten Spiele-Prototypen zum Business Plan dazu, und darum schaffen es die meisten erst gar nicht, ihre Projekte so weit zu entwickeln, dass sie veröffentlicht werden können.

Nur was für Nerds: Game Designer brennen für ihren Job

Gibt es bestimmte Persönlichkeitszüge, die man als Spielentwickler braucht?
Es gibt eine Eigenschaft, die alle Entwickler haben: Sie mögen Probleme. Das gilt übrigens nicht nur für die Entwickler, sondern auch für die Gamer: Es gibt eine Hürde und die will ich überwinden; wenn ich die überwunden habe, komme ich ins nächste Level und da gibt’s die nächste Hürde und so weiter. Da gibt’s sicher einen Konnex, denn oft sind diejenigen, die etwas programmieren auch diejenigen, die sehr gern spielen. Beim Problemlösen sind Gamer und Programmierer sehr enthusiastisch, das zeigen Hackathons oder Game Jams. Entwickler nehmen sich dafür ein Wochenende frei und entwickeln innerhalb von 36 Stunden ein fertiges, spielbares Spiel. Solche Veranstaltungen sind auch für die Arbeit sehr wesentlich, denn man lernt dabei, die Zeit maximal effizient zu nutzen. Wenn man in 36 Stunden ein Spiel entwickeln kann, kann man andere Probleme genauso lösen.

In welchen Bereichen arbeiten Spielentwickler und Game Designer nach ihrem Studium?
Viele Entwickler bekommen tolle Jobs in Web-Unternehmen, die natürlich ein sicheres Gehalt und gute Arbeitszeiten bieten können, im Vergleich zur Spieleindustrie oder der Selbstständigkeit. Sie arbeiten dann als Software-Entwickler, als 3D-Artists für Industrie-Animationen und Visualisierungen oder in der Post-Produktion. Natürlich arbeiten sie auch bei österreichischen Spielefirmen, gehen ins Ausland oder machen sich selbstständig.

„Was viele aber nicht bedenken, ist, dass Spieleentwicklung etwas ist, das eigentlich fast jeder machen kann.“

Das möchte ich gern betonen. So wie manche gern malen oder gern in einer Band spielen, obwohl sie kein Geld damit verdienen. Es ist eine kreative Art, sich auszudrücken, und das gilt für Spieleentwicklung genauso. Ob das jetzt ein Brettspiel ist oder ein Computerspiel, es gibt schon so viele Tools, mit denen jeder in der Lage ist, ein kleines Spiel zu erstellen. Im GameSpace wollen wir mit Vorträgen und Workshops mehr Menschen dazu ermutigen, sich mit der Spieleentwicklung auseinanderzusetzen und eigene Spiele zu entwickeln.

Wenn trotzdem jemand unbedingt in der Spieleindustrie arbeiten möchte, was würden Sie raten?
Wichtig ist einerseits, seine eigene Nische zu finden, und andererseits die Ziele klein genug zu stecken, damit man nachher ein wirklich spielbares Spiel hat. Man wird nicht gleich im zweiten Studienjahr eine Multiplayer Online-Battle Arena machen können, sondern kleine, abgeschlossene Projekte erstellen. Wichtig ist immer, zeigen zu können: Ich habe das schon mal gemacht, ich habe ein Projekt von A bis Z mitentwickelt und weiß, worauf es ankommt. Dann wird man auch eher angestellt.

Berufsbild Game Designer

Was macht ein Game Designer genau? Auf www.karriere.at/beruf/game-designer findest du alle wichtigen Infos rund um die typischen Tätigkeiten und Anforderungen.

Über die PersonFH-Prof. Jeremiah Diephuis
Jeremiah Diephuis ist Professor an der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien am Campus Hagenberg der FH Oberösterreich, wo er in den Studiengängen Medientechnik und -design und Interaktive Medien unterrichtet. In der Forschungsgruppe „Playful Interactive Environments“ beschäftigt er sich mit Serious Games und neuen Anwendungsgebieten von spielerischen Interaktionsformen in Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheit, Kunst und Werbung. Der gebürtige Amerikaner ist zudem im Vorstand von GameStage, dem Linzer Verein zur Förderung der Computerspielkultur, tätig.

Bildnachweis: Romaset/shutterstock; FH Oberösterreich

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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