3. Juli 2018 · Arbeitsleben · von

Wie aus Frustration Ideen entstehen können

Wer kennt es nicht? Dieses brodelnde Gefühl in uns, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben und unsere unter Anstrengung ausgearbeiteten Pläne einfach über den Haufen geworfen werden. Frustration ist eine Emotion, der wir uns nur ungern aussetzen und deswegen zu umgehen versuchen. Tim Harford, ein britischer Ökonomist und Journalist, erklärt in seinem TedTalk, wie Frustration – wenn sie in die richtigen Bahnen gelenkt wird – in einen Katalysator für kreative Gedanken umgewandelt werden kann.

Frust, Frust, nichts als Frust!

Doch warum sind wir überhaupt frustriert, wenn wir scheitern? Weil wir wissen, dass etwas auf dem Spiel steht. Oft haben wir ein konkretes Ziel vor Augen, das wir unbedingt erreichen möchten und sind enttäuscht, wenn die Umsetzung komplizierter ist als gedacht. Frustration deutet außerdem darauf hin, dass wir unsere gewohnten, ausgetretenen Pfade verlassen und unbekanntes Terrain betreten, wo unsere überholten Automatismen nicht mehr funktionieren. Doch warum einen Fehlschlag nicht als Anreiz sehen? Und unbekannte Situationen als Chance wahrnehmen, Neues zu entdecken, zu lernen und den eigenen Horizont zu erweitern?

Frustration als kreatives Werkzeug

Ein stressfreies, glückliches und vor allem ruhiges Leben – das ist die Art von Wunschdenken, in das wir uns gerne flüchten, wenn es im Alltag gerade drunter und drüber geht. Unvorhersehbare Komplikationen lauern hinter jeder Ecke und unser ursprünglichster Instinkt, (scheinbar) unnötigen Hindernissen aus dem Weg zu gehen, behält oft die Oberhand. Dabei sind es gerade das Chaos, Probleme und Herausforderungen, die unerwartete Vorteile mit sich bringen und als Kreativitätsquelle genutzt werden können.

„Nur weil man etwas nicht mag, heißt das nicht, dass es nicht hilft.“

Die Forschung der Kognitionspsychologie hat bereits gezeigt, dass unser Leistungsvermögen sich verbessert, wenn wir uns schwierigen Aufgaben stellen. Denn wer gezwungen ist, sich mit einem komplexen Problem auseinanderzusetzen, der muss einen Gang zurückschalten und konzentriert über die Angelegenheit nachdenken. Durch diesen langwierigen Prozess der Lösungsfindung verbessern sich die eigenen Fähigkeiten merklich.

Und auch die Komplexitätsforschung zeigt: Die Welt ist voll von komplizierten Problemen, die nicht auf einen Schlag gelöst werden können. Nun kann man sich Schritt für Schritt vorarbeiten und Gefahr laufen, letztlich in einer Sackgasse zu enden. Oder aber man fügt dem Ganzen eine Prise Chaos hinzu. Manchmal kann es helfen, verrückte oder gar dumme Ideen auszuprobieren, die absurd erscheinen und von denen man denkt, dass sie unmöglich funktionieren können. Doch gerade wenn man beginnt, sich einem leidigen Problem von einer unkonventionellen Seite zu nähern, stößt man vielleicht auf neue Ideen und Möglichkeiten, an die man zuvor gar nicht gedacht hat – und wandelt dadurch Frustration in Kreativität um.

Frustration als Teil des Prozesses akzeptieren

Ob Beethoven, Brian Eno oder Keith Jarrett – alle drei haben aus der Quelle ihrer Frustration geschöpft und ihre Kunst damit auf eine neue Ebene gehoben. Auch Elizabeth Gilbert, die Autorin des Buches „Big Magic: Creative Living Beyond Fear“ weiß: Frustration ist nicht die Unterbrechung eines Arbeitsprozesses, sondern ein wesentlicher Teil davon. Nur, wenn wir an unsere Grenzen gedrängt werden, um mit Problemen fertig zu werden, können wir an den Herausforderungen wachsen und uns weiterentwickeln.

Bildquelle: Shutterstock/Piyapong89

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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