Erstellt am 10. Februar 2021 · Bewerbung · von

Bewerbung für Lehrstelle: In 5 Schritten zur Zusage

Lesezeit: 6 Minuten

Nach der Unterstufe stehen junge Menschen vor einer schwierigen Entscheidung: Geht es weiter in eine höhere Schule oder doch direkt ins Berufsleben? Fällt die Wahl auf eine Lehre, wartet schon die nächste Frage. Wie bewerbe ich mich erfolgreich? Um dich bei deiner Suche zu unterstützen, haben wir in fünf Punkten zusammengefasst, was es bei deiner Bewerbung für eine Lehrstelle zu beachten gilt. Zum besseren Verständnis gibts ein Beispiel mit dazu!

Die Corona-Krise ist zwar noch immer nicht überstanden. Aber einen Nachteil für deinen Start in die Lehre bedeutet das nicht! Ganz im Gegenteil: Unternehmen suchen nämlich gerade händeringend nach jungen Menschen, die bei ihnen eine Ausbildung beginnen möchten.

Lehre als klarer Vorteil am Arbeitsmarkt

Vor allem in Handwerksberufen fehlt es an Nachwuchs. Das ist gar nicht gut, denn das bedeutet, dass der aktuelle Fachkräftemangel in diesem Bereich noch weiter verschärft wird. Denn qualifizierte Arbeitskräfte sind am Arbeitsmarkt eine Rarität.

Auch eine Studie der Intiative zukunft.lehre.österreich zeigt, dass Unternehmen darauf brennen, Fachkräfte auszubilden: Kurz- und mittelfristig stehen in Österreichs Betrieben 18.000 Lehrstellen frei, die besetzt werden wollen. Alleine in Oberösterreich kommen auf 593 Lehrstellensuchende ganze 1.385 offene Lehrstellen. Aktuell stehen deine Chancen also richtig gut!

1. Wer bist du, was willst du?

Bereits mit dem Halbjahreszeugnis der 4. Klasse der Unterstufe ist es möglich, sich bei einem Unternehmen um eine Lehrstelle zu bewerben. Da du zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ziemlich jung und unerfahren bist, kann es schwierig sein, dich für einen Beruf zu entscheiden. Um herauszufinden, was für dich das Richtige ist, können folgende Fragen helfen:

  • Was kannst du gut?
  • Was sind deine Stärken und Schwächen?
  • Wofür interessierst du dich besonders?
  • Welcher Beruf hat dich schon immer fasziniert?
  • Welche Tätigkeiten kannst du dir vorstellen, auszuführen?
  • Hast du gern Kontakt zu anderen Menschen?
  • Konntest du bereits Arbeitserfahrungen sammeln, zum Beispiel während Schnuppertagen?

Wichtig ist, dass du diese Fragen ehrlich beantwortest, weil du sonst Gefahr läufst, in einem Beruf zu landen, der eigentlich gar nichts für dich ist. Gleichzeitig solltest du dich nicht zu sehr sorgen. Wenn du merkst, dass deine Vorstellung vom jeweiligen Job und die Realität so gar nicht zueinander passen, kannst du immer noch umschwenken und dich nach etwas Passenderem umsehen.

2. Den richtigen Lehrbetrieb finden

Sobald du Gewissheit darüber hast, was du machen möchtest, musst du einen Lehrbetrieb finden, in dem du diese Wünsche verwirklichen kannst. Zur Recherche kannst du Berufsinformationszentren nutzen, Berufsmessen besuchen oder dich von zu Hause aus im Internet schlau machen. Auf Jobportalen wie karriere.at präsentieren sich unzählige Unternehmen mittels Arbeitgeberprofilen. Fotos und Videos geben Eindrücke, wie der Arbeitsalltag dort so aussieht.

Hat ein Unternehmen, für das du dich interessierst, offiziell keine Lehrstellen ausgeschrieben, kannst du telefonisch nachfragen, ob du trotzdem deine Bewerbungsunterlagen einreichen darfst.

An vielen Schulen werden zudem berufspraktische Tage angeboten, während derer du dir einen Eindruck von einem Unternehmen machen kannst. Nutze diese bewusst, um nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch den Beruf näher kennenzulernen.

3. Eine aussagekräftige Bewerbung schreiben

Vollständige Bewerbungsunterlagen enthalten neben dem Bewerbungsschreiben deinen Lebenslauf, ein Foto von dir sowie deine Zeugnisse. Wichtig ist, dass du dem Unternehmen sämtliche Informationen übermittelst, die es braucht, um ein Bild von dir zu bekommen. Bei der Gestaltung deiner Bewerbungsunterlagen darfst du ruhig ein bisschen Kreativität zeigen, sofern dir das liegt. Beispielsweise kannst du die Unterlagen farblich auf das Logo des Unternehmens abstimmen. Solche Kleinigkeiten mögen zwar unscheinbar wirken, aber sie sind effektiv!

Das Bewerbungsschreiben

Wer glaubt, sich beim Bewerbungsschreiben mit aus dem Internet kopierten Standardsätzen durchmogeln zu können, irrt. Das Bewerbungsschreiben ist das vielleicht wichtigste Element deiner Unterlagen, denn sein Inhalt verrät dem Unternehmen einiges über dich als Person. Doch wie gelingt ein überzeugendes Bewerbungsschreiben? Gehen wir das ganze doch einfach Schritt für Schritt durch.

Der erste Satz

Ein packender Einleitungssatz macht ein Bewerbungsschreiben erst richtig interessant. Aber was tun, wenn eine spontane, zündende Idee ausbleibt? Nicht verzagen, sondern einen Blick auf unsere Anregungen werfen:

  • Fundort der Stellenanzeige nennen
  • Bereits geführtes Telefonat erwähnen
  • Auf ein Praktikum verweisen
  • Aktuelle Neuigkeiten aus dem Unternehmen aufgreifen (recherchiere auf der Unternehmenswebsite oder google)

Hier ein Beispiel für einen guten Einleitungssatz:

„Sehr geehrte/r Herr/Frau, erst im letzten Jahr wurde Ihr Betrieb zum erfolgreichsten Lehrbetrieb des Jahres in der österreichischen Gastronomie gewählt. Meinen Wunschberuf will ich daher bei den Besten lernen.“

Kleiner Tipp am Rande: Versuche, einen konkreten Ansprechpartner ausfindig zu machen, anstatt die allgemeine Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu verwenden.

Warum dieser Lehrberuf?

Anschließend musst du deine Berufswahl argumentieren. Da du dich ja bereits intensiv mit der Branche auseinandergesetzt hast und weißt, dass sie zu dir passt, sollte dir das nicht allzu schwer fallen.

Hier ein Beispiel:

„Der Beruf des Kochs begeistert mich, weil er mir erlaubt, kreativ zu arbeiten. Außerdem finde ich den Gedanken toll, andere Menschen mit schmackhaftem Essen begeistern zu können.“

Warum soll das Unternehmen dich wählen?

Im Bewerbungsschreiben geht es außerdem darum, dich selbst zu vermarkten. Beschreibe zuerst, welche Schulstufe du aktuell besuchst und wann du deine Schulausbildung beendest. Hast du das bereits getan, erklärst du stattdessen, was du derzeit beruflich oder ehrenamtlich machst. Das kann ein Zivildienst oder ein Praktikum sein, vielleicht bist du aber auch als Au-Pair unterwegs?

So könntest du diesen Abschnitt formulieren:

„Derzeit befinde ich mich als Au-Pair in England und werde im Sommer nach Österreich zurückkehren. Meine Gastmutter unterstütze ich momentan tatkräftig beim Kochen und möchte meine bisherigen Kenntnisse während meiner Lehre zum Koch noch mehr vertiefen und erweitern.“

Eine individuelle Note gibt deinem Bewerbungsschreiben das gewisse Etwas. Hebe hervor, was du besonders gut kannst und was deine Stärken sind.

Zur Veranschaulichung:

„Auch zu Hause habe ich meine Eltern in der Küche unterstützt, wo es nur ging und daher schon früh gemerkt, dass mich das Kochen begeistert. Ich arbeite gerne im Team und kann auch mit Stress gut umgehen, weshalb ich der Meinung bin, dass der Beruf des Kochs das richtige für mich ist.“

Warum wählst du dieses Unternehmen?

Dein potenzieller Lehrbetrieb ist natürlich neugierig darauf, zu erfahren, warum du dich gerade bei ihm bewirbst. Das kann an Preisen oder Auszeichnungen liegen, die der Betrieb einheimsen konnte, oder vielleicht kennst du Personen, die dort arbeiten und dir davon vorgeschwärmt haben.

Wähle ein oder zwei Argumente und baue sie in dein Bewerbungsschreiben ein, zum Beispiel so:

„Die Tatsache, dass in Ihrem Unternehmen mit biologischen und regionalen Produkten gearbeitet wird, hat mich darin bestärkt, meine Lehre bei Ihnen zu machen. Mir gefällt auch, dass Ihre Lehrlinge die Möglichkeit haben, bei Koch-Meisterschaften mitzumachen.“

Auf der Suche nach Argumenten kannst du die Unternehmenswebsite nutzen oder nach dem Betrieb googlen. Oftmals finden sich auf Facebook, Youtube oder auch Instagram hilfreiche Infos.

Um Vorstellungsgespräch bitten

Abschließend gibst du dem Leser zu verstehen, dass du dich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freust. Achtung: Finger weg vom Konjunktiv! Statt dem passiven „… würde ich mich freuen“ wählst du das aktive „freue ich mich.“ Das sieht im Fließtext dann so aus:

„Gerne stelle ich mich bei Ihnen persönlich vor und freue mich auf eine Einladung zu einem Gespräch.“

Verabschiedung

Mit den Worten „Mit freundlichen Grüßen“ verabschiedest du dich und setzt deinen Namen darunter. Eine Unterschrift brauchst du nicht extra einfügen, die ist heute nicht mehr üblich.

Form und Layout

Prinzipiell kannst du deine Bewerbung so gestalten, wie du möchtest. Für eine optimale Lesbarkeit empfehlen wir dir, auf folgende Punkte zu achten:

  1. Schrift: Wähle eine gut lesbare Schriftart wie Arial oder Calibri. Als Schriftgröße legst du am besten 12pt fest. Geh sicher, dass du in allen Unterlagen dieselbe Schriftart und -größe verwendest!
  2. Seitenränder: Oben und unten stellst du einen Seitenabstand von 2 cm ein, links 2,5 cm und rechts 1,5 cm.
  3. Gliederung: Baue sinnvolle Absätze ein. Eine übersichtliche Gliederung erleichtert das Lesen.

4. Der Lebenslauf

Dein zukünftiger Ausbildner möchte natürlich wissen, was du bisher gemacht hast. Deswegen ist es wichtig, im Lebenslauf alles Relevante festzuhalten. In diesem Artikel findest du detaillierte Infos rund ums Thema Lebenslauf.

Die wichtigsten Inhalte siehst du hier im Überblick:

  • Name und Kontaktdaten (Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse)
  • Geburtsdatum
  • Staatsbürgerschaft
  • Schulbildung
  • Schnupper- und Praktikumserfahrungen
  • Besondere Kenntnisse (Fremdsprachen, Computer etc.)
  • Persönliche Stärken
  • Interessen
  • Ort und Datum

Der Lebenslauf sollte von der Länge her eine Seite nicht überschreiten. Deine bisherigen Stationen führst du so an, dass die aktuellste zuerst genannt wird – also chronologisch.

5. Bewerbungsfoto

Ein seröses, sympathisches Bewerbungsfoto darf nicht fehlen, immerhin will das Unternehmen wissen, wie du aussiehst. Dieses wird im oberen Bereich des Lebenslaufs platziert. Verwende auf keinen Fall einen Freizeitschnappschuss, sondern lass dich von einem Profi fotografieren. Achte darauf, ordentlich gekleidet zu sein und einen gepflegten Eindruck zu hinterlassen. Umfangreiche Infos zum Bewerbungsfoto findest du in diesem Artikel, den wir dir sehr ans Herz legen.

Beispiel für ein gelungenes Anschreiben

Das alles mag vielleicht ein bisschen theoretisch klingen. Damit du dir besser vorstellen kannst, wie ein ansprechendes Anschreiben in der Umsetzung aussieht, haben wir hier ein kleines Beispiel für dich vorbereitet:

 

Beispiel Lehrstelle Vorlage

Du willst mehr Infos zum Thema Bewerbung?

Dieser Sammelartikel enthält alles, was du brauchst:

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, ganz klar. Bis ihr erster Roman beim Buchhändler deines Vertrauens aufliegt, schreibt sie für karriere.at unter anderem auch Blogbeiträge.