Jung, motiviert und tätowiert! – Körperschmuck oder Karrierefalle?

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Montag, 24. Oktober 2011 um 11:48

Für den einen Jugendsünde, für den anderen Körperschmuck. In konservativen Berufen oft noch verpönt und – zumindest hinter vorgehaltener Hand ein Karrierekiller. In kreativen Bereichen Self-Expression. Tattoos polarisieren! Sowohl im Privatleben aber vor allem im Berufsleben. Welche Chancen haben Tätowierte bei der Jobsuche und was sagen Arbeitgeber und HR-Profis zum Thema Tattoos? Gastautorin Michaela Ferschmann hat sich für karriere.at umgehört.

Ein Gastartikel von Michaela Ferschmann

Noch vor einigen Jahren waren es zumeist Heavy-Metal-Musiker, Ex-Häftlinge oder Hafenarbeiter, die ihre bunten Tattoos stolz zeigten. So mancher Banker und so manche Sekretärin hatten wohl auch schon ein kleines Röschen, ein Herz mit dem Namen des oder der Liebsten oder ein kleines sogenanntes Tribal an einer versteckten Körperstelle getragen. Meist am Knöchel oder am Schulterblatt. Viele bereuen mittlerweile ihr „Arschgeweih“ am Steiß aus den 90er-Jahren und haben es weglasern lassen.

Außen pfui, innen hui?

In den letzten paar Jahren hat sich aber ein gewisser Trend zum Tattoo entwickelt. Am Strand hat man sich diesen Sommer als Nicht-Tätowierter doch schon ein wenig „spießig“, nicht mehr mit der Mode gehend gefühlt. Doch wie schaut das im Berufsleben aus? Sind all die Menschen, die man am Strand mit Tattoos vom Halsansatz bis über die Waden hinunter sieht, Bauarbeiter, Ex-Häftlinge oder Musiker?

Die Akzeptanz von tätowierten Menschen in der Berufswelt hat sich zumindest in vielen Branchen gebessert. Vom Gesetz her darf man in Österreich Körperschmuck jeder Art tragen, das schließt auch Tattoos ein. Daher ist ein Tattoo auch nicht als Kündigungsgrund erlaubt.

Soll ich oder soll ich nicht?

Auffällig in letzter Zeit ist die Tatsache, dass sehr viele junge Menschen, die noch in der Ausbildung stehen, bereits auffällig tätowiert sind. In dem Alter denkt man noch nicht an mögliche Konsequenzen. In Internetforen zu diesem Thema fragen immer wieder Schüler und Lehrlinge nach den Meinungen und Erfahrungen anderen Tätowierter, die bereits im Berufsleben stehen.

Ein Beispiel aus dem Forum von gofeminin.de. Ein Mädchen mit dem Nick babylinlin schreibt:
Hallo zusammen!
 In mir hat sich der Wunsch aufgetan, mir eine Lotusblume am unteren Rücken seitlich stechen zu lassen. Ich muss es mir aber noch reichlich überlegen, und ich frage mich, ob ich später im Beruf damit Probleme kriegen werde? Ich besuche das letzte Jahr das Gymnasium, mache diesen Sommer meinen Abschluss.

Die Antworten darauf sind meist vorsichtig formuliert. Zum einen ist die Akzeptanz von Tattoos bei Personalchefs doch gestiegen, dennoch gibt es einfach bestimmte Berufe, wo es gar nicht geht, offen Tattoos oder auch Piercings zu zeigen. Das sind neben den immer als konservativ geltenden Banken und Versicherungen auch alle Berufe, wo man mit („seriösem“) Kunden zu tun hat.

So empfiehlt beispielsweise Irma Brazda, von der IVENTA Austria Personalberatung GmbH, sich genau vorher zu erkundigen, für welchen Job man sich WIE zeigen kann: „Bei einem Softwareentwickler in einer IT-Firma wird das in vielen Fällen kein Thema sein, beim IT-Consultant, der mit Kunden und unterschiedlichen Ansprechpartner zu tun hat, nach unserer Erfahrung eher schon. Es zeichnet einen guten Bewerber aus, sich über das Unternehmen vorab möglichst gut zu informieren und sich auf das Gespräch vorzubereiten. Generell gilt, dass man in einem Bewerbungsgespräch entsprechend der Position gekleidet sein soll. Ich würde im Zweifel ein Piercing eher entfernen, oftmals sieht es ein Personalchef kritisch, während der Fachbereich kein Problem hat. Professionelle Vorbereitung und gepflegtes Auftreten sowie Authentizität sind immer Teil des Erfolges im Bewerbungsprozess.“

Natürlich gibt es auch Jobs, wo Tattoos und auch Piercings überhaupt kein Problem sind. Reinhold Klinger von der TRESCON Betriebsberatungsges.m.b.H. weiß dazu zu berichten: „Jede Führungskraft, die Personalauswahlgespräche führt, hat ihr eigenes Wertemuster. Wenn der Interviewende selbst Tattoo-Träger ist oder Piercings trägt, dann wird er dies auch beim Bewerber akzeptieren. Somit ist auch das Tragen von Tattoos und Piercings von der Unternehmenskultur und von der geschäftlichen Ausrichtung des Unternehmens abhängig.“

Mit Ehrlichkeit punkten!

Generell ist es für den Arbeitgeber wichtig, dass der Bewerber mit offenen Karten spielt. Wenn er sein Tattoo oder auch ein Piercing im Beruf offen zeigen will, muss er diese auch im Vorstellungsgespräch offen zeigen – so sie mit Bekleidung sichtbar sind. Diese Ansicht unterstreicht Sabine Steiner von ePunkt: „Wenn Sie Tattoos und Piercings auch im Job tragen wollen, sollten sie diese nicht verstecken.“ Auch Dominik Hussak von der Dr. Hussak Personalberatung ist dieser Ansicht: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Bewerber mit offenen Karten spielen sollten. Nicht nur, aber auch bezogen auf Tattoos. Denn man läuft Gefahr, dass – wenn sich die Tattoos im Arbeitsalltag dann zeigen – man als nicht ganz ehrlich gesehen wird. Generell gilt im Vorstellungsgespräch authentisch zu sein – sich so zu zeigen und zu geben, wie man ist, und dazu gehören auch etwaige Tattoos, Piercings, etc.“

Walter Kofler vom AMS Oberösterreich bringt es schließlich auf den Punkt: „Sind Tattoos bei ’normaler‘ Arbeitskleidung zu sehen, macht es wenig Sinn, sie beim Bewerbungsgespräch zu verstecken. Gibt es einen bestimmten Dresscode oder Sicherheitsvorschriften, sollte man Piercings nur in der Freizeit tragen. Letztlich sollte die man auch bei Bewerbungsgesprächen authentisch rüberkommen und übertriebene Versteckspiele vermeiden.“

Wenn Vorgesetzte Tätowierungen akzeptieren, muss das aber nicht gleichzeitig bedeuten, dass sie Tätowierten Karrierechancen zubilligen. Da wird dann vielleicht doch ein Kollege eher zum Abteilungsleiter befördert, der nach Ansicht der Führungskraft eher „vorzeigbar“ist. Denn je höher der Posten angesiedelt ist, desto wichtiger oft auch der Kontakt nach außen: Zu anderen höher gestellten Kollegen, zum Geschäftsführer, zu Geschäftspartnern und Kunden.

Im Forum von www.webpla.net schreibt ein Mann namens El Sparco darüber aus Erfahrung: „Es KANN immer zu Problemen führen, nicht nur beim Kundenkontakt. Wenn der Abteilungsleiter dich konstant für einen Penner hält und du somit wenig Aufstiegschancen hast, dann hilft alle Kompetenz und interne Arbeit nichts. Wenn du wirklich, auch später im Leben(!), immer eine reine Weste und die maximalen Chancen haben möchtest, dann ist Tattoo und Piercing ein Tabu, genauso wie gefärbte oder längere Haare.“

Wer noch nicht weiß, ob er beruflich einmal Probleme haben könnte mit Tattoos, kann ja auf Nummer sicher gehen, indem er täuschend echt aussehende aufklebbare Tattoos verwendet. In Summe kosten die in der Zeit, in der sie immer wieder neu gekauft und aufgeklebt werden, wahrscheinlich weitaus weniger als die Tattoos und die Laser-Entfernung danach. Denn ein Durchschnitts-Tattoo kostet um die 500 Euro, die Entfernung eines Tattoos mit Laser, kann bis zu 3000 Euro kosten! Und die erfolgt zudem in mehreren schmerzhaften Sitzungen.

Diskutieren Sie mit!

Welche Erfahrung haben Sie mit Tattoos im Joballtag gemacht? Sind tätowierte Kollegen automatisch ungepflegt? Oder halten Tattoos nun auch schon im Kundenkontakt und in der Führungsebene Einzug? Wir freuen uns auf Ihren Input!

Redaktion

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