Präsentismus: Jeder Dritte geht auch krank zur Arbeit

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 4. Februar 2016 um 11:10

Wer krank ist, sollte sich eigentlich Ruhe gönnen. Oft schleppen sich Arbeitnehmer aber mit starkem Schnupfen oder grippalem Infekt in die Arbeit. Eine neue Studie aus Deutschland zeigt, warum oft auch mit Krankheit ein Arbeitstag auf dem Programm steht. Aktuelle Daten gibt es auch zum gegenteiligen Phänomen: Aus welchen Gründen machen Mitarbeiter einen Tag blau?

Krank ins Büro

Schreibtisch und Meetings statt Bettruhe und warme Suppe. Eine neue Studie im Auftrag von Glassdoor zeigt, dass fast jeder dritte deutsche Arbeitnehmer auch krank arbeiten geht. Grund dafür sei die Sorge um den Job. Eine Erkältung ist für nicht einmal jeden Zweiten Grund genug für eine Pause von der Arbeit. Nicht viel anders die Situation in Österreich: Laut Arbeitsgesundheitsmonitor der Arbeiterkammer OÖ aus dem Jahr 2014 gehen etwa 35 Prozent der Arbeitnehmer in Österreich auch dann zur Arbeit, wenn sie krank sind. Laut dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger nahm jeder Erwerbstätige im Jahr 2014 durchschnittlich 12,3 Krankenstandstage pro Jahr.

Junge Arbeitnehmer melden sich eher krank

Weitere Fakten aus dem Glassdoor-Report: Bei Beschwerden gönnen sich junge Arbeitnehmer am ehesten eine Pause. 49 Prozent der Generation Y und 41 Prozent der Generation Z bleiben bei Krankheit der Arbeit fern. Ältere Arbeitnehmer sind weniger strikt. Nur 29,7 Prozent der 55- bis 64-Jährigen bleiben mit einer Erkältung zu Hause. Männer nehmen sich übrigens häufiger einen Erholungstag als Frauen. Während 43 Prozent der Männer ihrer Arbeit fern bleiben, wenn sie sich nicht fit fühlen, greifen nur 35 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer auf eine Pause zurück.

Das Phänomen des „Präsentismus“ – also krank zur Arbeit zu gehen – ist zwar weit verbreitet, aber dennoch weitgehend unerforscht. Arbeitnehmer kommen krank ins Büro, weil sie Angst um den Job haben, niemand in Vertretung die anfallende Arbeit erledigen könnte oder die liegengebliebene Arbeit nach dem Krankenstand nicht zu bewältigen wäre. Betroffene tun mit diesem Verhalten weder sich selbst, noch ihren Kollegen Gutes: Von der Ansteckungsgefahr für die Teamkollegen bis zum eigenen, Burn-out-bedingten Ausfall reichen die Auswirkungen von Präsentismus. Mit den Ursachen und Folgen dieses Phänomens hat sich eine Diplomarbeit an der JKU Linz auseinandergesetzt.

Morgen mache ich blau!

Während sich kranke Mitarbeiter ins Büro schleppen, gibt es auch jene, die eine Erkältung nur vorschieben, um nicht zur Arbeit zu müssen. Im Rahmen der Befragung für Glassdoor gab jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer an, im kommenden Monat einmal vorzugeben, krank zu sein. Das sind die Motive dafür:

  • 61 Prozent möchten einfach eine Pause vom Job machen.
  • 39 Prozent rechtfertigen Krankfeiern mit ihrer harten Arbeit und sagen, sie hätten einen extra Ruhetag verdient.
  • 11 Prozent möchten den freien Tag zum Shoppen nutzen.
  • 18 Prozent möchten „krank“ Freunde oder Familie besuchen.

Bildnachweis: Wolfgang Zwanzger / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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