Kreativkarriere: „Nur das machen, wofür das Herz schlägt“

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 15. Juni 2016 um 10:31

Sigrid Rauchdobler arbeitet als Fotografin – Hochzeitsbilder, Familienportraits oder Babyfotos wird man in ihrem Portfolio aber vergeblich suchen. Die Linzerin hat sich auf Architektur- und Industriefotografie spezialisiert und arbeitet intensiv an ihrer Karriere. Derzeit stellt sie auf der Architektur Biennale in Venedig Fotografien aus. Wir haben uns mit Sigrid Rauchdobler unterhalten über die Arbeit als Kreative, notwendige Eigenwerbung und das Quäntchen Glück für die Karriere.

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Sigrid Rauchdobler

Sigrid Rauchdobler

Kein Lebenslauf aus dem Bilderbuch

Wie bei vielen Kreativen verlief der Werdegang von Sigrid Rauchdobler nicht ganz ohne Ecken und Kanten. „Den geradlinigsten Lebenslauf kann ich sicher nicht vorweisen. Ich habe eine Lehre als Fotografin absolviert und hatte damals Riesenglück, dass ich die Ausbildungsstelle bekommen habe. Danach habe ich eine Zeit lang im Gastgewerbe gearbeitet, weil es als Mutter sehr schwierig war, als Fotografin einen Job zu bekommen. Die Fotografie hat mich aber nie losgelassen – also habe ich die Meisterprüfung abgelegt und mich danach selbstständig gemacht“, erzählt Rauchdobler.

Finde deine Leidenschaft

Für die Linzer Fotografin war schon immer klar, dass Architekturfotografie ihre Leidenschaft ist. „Man muss das machen, wofür das Herz schlägt – davon bin ich ganz fest überzeugt. Nur dann kann man es auch wirklich gut machen“, ist Rauchdobler überzeugt. Auch ein Grund, warum sie z.B. keine Hochzeiten fotografiert: „Da hätte niemand etwas davon.“ Heute fotografiert sie laufend Architekturprojekte, macht Baubegleitungen oder fotografiert im industriellen Umfeld. Und sie profitiert von einem großen Vorteil in der Architekturfotografie: Dieses Feld läßt sich nicht mit fertigen Stockfotos abdecken, denn jedes Bauprojekt ist ein Unikat – und Architekten oder Tischler benötigen davon einzigartige Fotos.

Sigrid Rauchdobler Musiktheater Linz

Zeige, wer du bist und was du kannst

Nicht lange, nachdem Rauchdobler ihre Meisterprüfung abgelegt hat, beginnt in Linz der Bau des Musiktheaters – für Rauchdoblers ein wichtiger Aspekt in ihrer Karriere. „Ich hatte zwar davor schon Kontakte aber mit dem Bau des Musiktheaters hat man es mir in meiner Fotografenkarriere dann relativ einfach gemacht“, blickt Rauchdobler zurück. Während der gesamten Bauphase ist sie regelmäßig vor Ort, fotografiert und dokumentiert. Die Bilder erscheinen unter anderem in der Zeitschrift „Applaus“, die über den Baufortschritt informiert. „Anfangs habe ich die Baustelle nur fotografiert, weil sie mir persönlich gut gefallen hat. Baustellen sind für mich eigentlich schöner als die fertigen Gebäude. Wenn etwas entsteht, hat das eine ganz eigene Kraft. Nach und nach wurden dann immer mehr Menschen auf meine Bilder vom Musiktheater aufmerksam“ erzählt die Fotografin.

Viel harte Arbeit und ein bisschen Glück

Zeig deine Arbeit! Ein Ratschlag, den Kreativarbeiter unbedingt beherzigen sollten. „Das Musiktheater hat mir sicher dabei geholfen, neue Aufträge zu generieren: Jemand sieht deine Arbeit und beauftragt dich. Ein professioneller Onlineauftritt ist hier unheimlich wichtig. Gerade als Fotograf – die Website ist DIE Referenz schlechthin“, erzählt Rauchdobler. Neben guter Arbeit braucht es manchmal auch ein bisschen Glück, um der Karriere Schub zu verleihen. Für Rauchdobler war das die Einladung zur Biennale nach Venedig. „Das kam sehr überraschend für mich und ich freue mich sehr über diese Gelegenheit. Hätte ich andere Arbeiten online, wäre es vielleicht nicht so weit gekommen. Dem Glück muss man also auch etwas nachhelfen“, gibt die Fotografin zu bedenken.

„Was die Zukunft noch bringt, wird sich zeigen.“

Zum Biennale-Thema „Time, Space, Existence“ zeigt die Fotografin zwölf Bilder, die im ehemaligen Postverteilerzentrum in Linz entstanden. „Im Zuge verschiedener Arbeiten kam ich immer wieder zu Räumen, die sich in einem Zwischenstadium befanden. Auf mich üben sie große Faszination aus – es ist so, als würden sie warten“, erzählt sie. Die Teilnahme an der Kunstschau in Venedig ist für Rauchdobler eine großartige Referenz. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. „Mache ich eine weitere Ausstellung mit diesen Bildern oder etwas ganz anderes? Das wird sich mit der Zeit noch zeigen“, meint Rauchdobler.

Auf eine Portion Glück kann man als kreativer Selbstständiger hoffen, die Arbeit muss man selbst erledigen. Für alle, die ihre kreative Leidenschaft in einen Beruf verwandeln möchten, hat Rauchdobler neben der eigenen Sichtbarkeit und der Liebe zur Tätigkeit noch einen weiteren Rat: Ausdauer. „Einfach ist die Selbstständigkeit nicht, gerade die Fotografiebranche ist momentan im Umbruch. Viele Fotografen können von ihrer Arbeit gar nicht leben. Aber je mehr Erfahrung man sammelt, desto leichter wird es. Bis es so weit ist und man wirklich gut ist, braucht es natürlich seine Zeit.“

Bildnachweis: g-stockstudio/Shutterstock; Sigrid Rauchdobler (2)

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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