Die Fra­ge der Arbeits­zeit ist meist zu Unrecht nur ein Rand­the­ma bei Ein­stel­lungs­ge­sprä­chen, da sowohl der Arbeits­pro­zess als auch das Pri­vat­le­ben mas­siv davon beein­flusst wer­den. Sowohl das Beschäf­ti­gungs­aus­maß als auch die Lage der täg­li­chen Nor­mal­ar­beits­zeit sind zwi­schen Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber zu ver­ein­ba­ren. Nun zu den Details:

Rechtsgrundlage

Für den Groß­teil der Pri­vat­be­trie­be fin­den sich die Arbeits­zeit­be­stim­mun­gen im Arbeitszeitgesetz.

Normalarbeitszeit

  • Die gesetzliche Normalarbeitszeit beträgt wöchentlich 40 Stunden, täglich 8 Stunden. Es bestehen jedoch zahlreiche Möglichkeiten, durch Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung die tägliche Normalarbeitszeit durch Betriebsvereinbarung auf bis zu 9 Stunden und durch Kollektivvertrag auf bis zu 10 Stunden auszudehnen. Im Falle von Gleitzeit kann auch eine tägliche Normalarbeitszeit von bis zu 10 Stunden vereinbart werden.

  • Die konkrete Lage der täglichen Arbeitszeit sowie der Pausen sind jedoch – sofern keine Betriebsvereinbarung besteht – durch Einzelvereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber festzulegen. Eine Veränderung ist für den Arbeitgeber nur aus betrieblichen Gründen zulässig, wenn er dies mindestens 2 Wochen vorher ankündigt und dem keine wichtigen Gründe des Arbeitnehmers (z. B. Betreuung von Kleinkindern) entgegenstehen.

  • Hinzuweisen ist noch darauf, dass es zahlreiche Kollektivverträge gibt, welche die wöchentliche Normalarbeitszeit auf 38,5 Stunden und darunter verkürzen.

Überstunden

Über­stun­den kön­nen bei Über­schrei­tung der täg­li­chen oder wöchent­li­chen Nor­mal­ar­beits­zeit ent­ste­hen. Die jewei­li­gen Gren­zen erge­ben sich aus den kon­kre­ten betrieb­li­chen Arbeits­zeit­mo­del­len. Für Über­stun­den gebührt grund­sätz­lich ein Zuschlag von 50 Pro­zent. Meist sehen Kol­lek­tiv­ver­trä­ge für Über­stun­den am Abend bzw. wäh­rend der Nacht oder am Wochen­en­de einen Zuschlag von 100 Pro­zent vor.

Mehrarbeit

  • Mehrarbeit liegt meist bei Teilzeitbeschäftigten vor, wenn die vereinbarte Normalarbeitszeit überschritten wird. Aber auch die Differenz zwischen der gesetzlichen Normalarbeitszeit von 40 Stunden und der kollektivvertraglich verkürzten Normalarbeitszeit stellt Mehrarbeit dar. Bei Letzterer hängt es vom Kollektivvertrag ab, ob dafür ein Zuschlag gebührt. Bei Mehrarbeitsstunden von Teilzeitbeschäftigten sieht hingegen § 19d Abs. 3a Arbeitszeitgesetz einen Zuschlag von 25 Prozent vor.

  • Wird jedoch diese Mehrarbeit innerhalb eines Kalendervierteljahres bzw. sonst festgelegter 3 Monate oder innerhalb einer Gleitzeitperiode wieder ausgeglichen, entfällt der Zuschlag. Der Zuschlag kann außerdem durch Kollektivvertrag verändert, ja sogar reduziert werden.

  • Hinzuweisen ist noch darauf, dass Mehrarbeitsstunden bei der Bezahlung von Sonderzahlungen (Urlaubszuschuss, Weihnachtsremuneration) zu berücksichtigen sind.

Hin­weis: Im Arbeits­pro­gramm der öster­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung sind fol­gen­de Punk­te zum The­ma Arbeits­zeit vorgesehen:

  • Arbeitszeiten mit einem Anteil an aktiver Reisezeit bis zu 12 Stunden unter Berücksichtigung der für Lenker geltenden Vorschriften;

  • Gleitzeit bis zu 12 Stunden (Gleit- oder Überstunden) unter Einhaltung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 Stunden zur Erreichung größerer Freizeitblöcke;

  • Ermöglichung von 10 Stunden Arbeit durch passive Reisezeiten im Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz (KJBG) ab 16 Jahren;

  • Evaluierung von existierenden Modellen und Prüfung der Einführung freiwilliger Zeitwertkonten ab 2014;

  • Informationsrecht für Teilzeitbeschäftigte, bei Ausschreibung einer Stelle mit höherem Arbeitszeitausmaß;

  • Im Krankenstand weder Konsum noch Anspruchserwerb von Zeitausgleich.

Arbeits­zei­ten mit einem Anteil an akti­ver Rei­se­zeit bis zu 12 Stun­den unter Berück­sich­ti­gung der für Len­ker gel­ten­den Vor­schrif­ten und der Ermög­li­chung von 10 Stun­den Arbeit durch pas­si­ve Rei­se­zei­ten im Kin­der- und Jugend­be­schäf­ti­gungs­ge­setz (KJBG) ab 16 Jah­ren sind seit 1.1.2016 zulässig.

Stand: Mai 2018

Autor: Mag. Dr. Klaus Mayr LL.M. ist Refe­rent in der Kam­mer für Arbei­ter und Ange­stell­te (Abt. Kom­pe­tenz­zen­trum Betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung), Mit­glied der Selbst­ver­wal­tung der GKK, Lek­tor der Uni­ver­si­tä­ten Linz & Wien, Fach­kun­di­ger Lai­en­rich­ter beim OGH.

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