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Gehaltstransparenz & EU-Entgelttransparenzrichtlinie

EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Was Gehaltstransparenz für Arbeitgeber in Österreich bedeutet

Arbeitsmarkt Aktualisiert am: 05. Januar 2026 11 Min.

Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie kommen neue Anforderungen auf Unternehmen zu. Ziel ist es, Gehaltsunterschiede sichtbarer zu machen und faire Bezahlung besser überprüfbar zu gestalten. Was bedeutet das für Arbeitgeber in Österreich und welche Entwicklungen zeichnen sich bereits ab?

karriere.at liefert Informationen zur Umsetzung in Österreich, aktuelle Zahlen zur Gehaltstransparenz in Stelleninseraten und einen Ausblick.

Das Wichtigste auf einen Blick #

💡Key-Facts-Box

Thema Was Unternehmen wissen sollten
Ziel der Richtlinie Mehr Transparenz bei Gehältern und weniger geschlechtsspezifische Lohnunterschiede
Bewerbungsprozess Arbeitgeber müssen Einstiegsgehalt oder Gehaltsspanne bereits in Stellenausschreibungen angeben
Beschäftigte Arbeitnehmer*innen haben Anspruch auf Informationen über durchschnittliche Entgelthöhen nach Geschlecht aufgeschlüsselt
Verschwiegenheitsklauseln Vertragliche Klauseln, die Arbeitnehmer*innen daran hindern, ihr eigenes Gehalt offenzulegen, sind künftig unzulässig
Reporting Berichtspflicht für Unternehmen ab 100 Mitarbeiter*innen
Pay Gap Bei ≥5% muss eine gemeinsame Entgeltbewertung mit Arbeitnehmervertretern durchgeführt werden
Umsetzung in Österreich Details hängen von der nationalen Umsetzung ab

EU-Richtlinie soll Gender Pay Gap schließen #

Gender Pay Gap

Gehaltstransparenz rückt zunehmend ins Zentrum arbeitsmarktpolitischer Debatten – nicht zuletzt deshalb, weil Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern weiterhin bestehen. In Österreich liegt der sogenannte Gender Pay Gap nach wie vor bei rund 18 Prozent, was auch im europäischen Vergleich ein überdurchschnittlich hoher Wert ist (EU: elf Prozent).

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Union die Entgelttransparenzrichtlinie beschlossen. Ihr Ziel ist es, bestehende Ungleichheiten am Arbeitsmarkt zu reduzieren, indem Gehaltsstrukturen transparenter und damit überprüfbarer werden. Die Grundannahme dahinter: Fehlende Informationen über Gehälter erschweren es, mögliche Ungleichbehandlungen zu erkennen und dagegen vorzugehen.

Was die Entgelttransparenzrichtlinie regelt #

Konkret verpflichtet die EU-Richtlinie Unternehmen dazu:

  • Gehalt im Bewerbungsprozess: 
    Bewerber*innen sollen frühzeitig mehr Klarheit über die Entlohnung erhalten
  • Auskunftsrechte:
    Beschäftigte sollen Informationen zu Vergleichsgehältern erhalten können
  • Berichtspflichten:
    Unternehmen ab 100 Beschäftigten müssen regelmäßig über geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede berichten
  • Maßnahmen bei Lohngefälle:
    Bei nicht erklärbaren Unterschieden von mehr als fünf Prozent muss eine gemeinsame Entgeltbewertung durchgeführt werden

Was auf den ersten Blick klar klingt, ist in der Umsetzung komplex, da die Richtlinie tief in bestehende Vergütungssysteme eingreift.

Entgelttransparenz: Was jetzt auf Unternehmen in Österreich zukommt

11. Mai 2026 4 Min.

Mit der neuen Entgelttransparenzrichtlinie kommt Bewegung ins Thema Gehalt. Ziel ist mehr Fairness bei der Bezahlung. Konkret heißt das: gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit.

Was bei der Umsetzung in Österreich noch offen ist #

💡Noch offen:

  • konkrete Berichtspflichten
  • mögliche Verwaltungsstrafen
  • praktische Anforderungen an Gehaltssysteme
  • Fristen und Übergangsregelungen

Aber: Ab dem 7. Juni 2026 können sich Arbeitnehmer*innen in bestimmten Fällen direkt auf die Richtlinie berufen, insbesondere gegenüber staatlichen Arbeitgebern.

Die konkrete Umsetzung in Österreich ist noch nicht abgeschlossen. Zuständig ist das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, die eine Gesetzesvorlage präsentieren muss. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) ist in enger Abstimmung mit der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund. Der Zeitpunkt einer Einigung ist derzeit noch offen.

Offen sind vor allem Fragen zur praktischen Ausgestaltung, zu Berichtspflichten und möglichen Sanktionen.

Uneinigkeiten bei Sozialpartnern verzögern die Umsetzung #

Entsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen der Sozialpartner in Österreich aus:

Arbeitnehmer*innenvertretungen Arbeitgebervertretungen
sehen mehr Transparenz als wichtiges Instrument gegen Lohndiskriminierung warnen vor zusätzlichem administrativem Aufwand
betonen Auskunftsrechte und bessere Datenbasis sehen mögliche Rechtsunsicherheiten
erwarten mehr Fairness bei der Bezahlung verweisen auf bestehende Kollektivvertragssysteme

Die unterschiedlichen Positionen zeigen sich auch im politischen Prozess: Kurz vor Ablauf der Umsetzungsfrist gab es in Österreich noch keine Einigung zwischen den Sozialpartnern. Während Arbeitnehmervertretungen auf eine rasche Umsetzung drängen, sieht die Arbeitgeberseite großen Klärungsbedarf – etwa bei konkreten Berichtspflichten oder der praktischen Ausgestaltung.

Gehaltstransparenz beginnt bereits im Stelleninserat #

Österreich hat bereits seit 2011 eine Pflicht zur Gehaltsangabe in Stelleninseraten. Trotzdem zeigt die Auswertung für den karriere.at Arbeitsmarktreport 2026, dass die Angabe nicht in allen Inseraten vorhanden ist.

  • 78 Prozent der Stellenangebote enthalten ein Mindestgehalt
  • 14 Prozent der Inserate nennen eine Gehaltsspanne
  • 8 Prozent der Inserate enthalten keine Gehaltsangabe

Warum transparente Gehaltsangaben ein Vorteil im Recruiting sind

💡 Umfrage zu Gehaltsangabe

In einer repräsentativen Umfrage von karriere.at unter über 1.000 Erwerbsfähigen gaben 9 von 10 an, dass das Gehalt für sie eine wesentliche Information im Stelleninserat ist. 

Für Jobsuchende ist das Gehalt eine der wichtigsten Informationen im Stelleninserat. Unternehmen, die klare und faire Angaben machen, schaffen Vertrauen und erhöhen ihre Chancen im Wettbewerb um passende Talente. Bietet ein Arbeitgeber kein konkurrenzfähiges, faires Gehalt bzw. stellt gar keine Information zur Entlohnung bereit, so wenden sich viele Jobsuchende ab.

„Eine transparente Gehaltsangabe im Stelleninserat ist für Arbeitgeber ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Talente und entspricht dem Trend. Die Formulierung ‚marktkonforme Bezahlung‘ oder ‚Mindestgehalt laut Kollektivvertrag‘ reicht da nicht.“

Georg Konjovic, CEO bei karriere.at
Georg Konjovic

Gehaltsangabe im Stelleninserat: So geht es richtig

22. April 2021 6 Min.

Die Gehaltsangabe in der Stellenausschreibung ist in Österreich Pflicht. Wie diese auszusehen hat, ist nicht ganz eindeutig geregelt. Oder anders gesagt: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. In diesem Artikel erklären wir sie anhand von vier Beispielen.

Fazit: Unternehmen sollten Gehaltstransparenz strategisch vorbereiten #

Die Entgelttransparenzrichtlinie ist mehr als eine rechtliche Vorgabe. Sie betrifft Vergütungssysteme, Recruiting, interne Kommunikation und Arbeitgeberattraktivität. Auch wenn Details zur Umsetzung in Österreich noch offen sind, sollten Unternehmen frühzeitig prüfen, wie transparent und nachvollziehbar ihre Gehaltsstrukturen bereits heute sind.

So können sich Unternehmen bereits vorbereiten: 

  • Analyse der Gehaltsstrukturen auf geschlechtsspezifische Unterschiede
  • Dokumentation der Kriterien für Gehaltsfestlegung
  • Prüfung geschlechtsneutraler Arbeitsbewertungssysteme
  • Vorbereitung auf Berichtspflichten

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Redaktion
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