Erstellt am 2. März 2021 · Arbeitsleben, Podcast · von

Podcast: Wie gehe ich mit Burnout im Job um?

Lesezeit: 4 Minuten

Burnout ist seit 2019 eine anerkannte Krankheit, dennoch gilt es vor allem im Beruf nach wie vor als Tabu-Thema. Wir finden, das sollte sich ändern! Doch wie geht man am besten damit um? Autorin Carola Kleinschmidt hat mit uns im Podcast darüber gesprochen.

Gilt man als „zu schwach“, wenn man bei der Bewerbung von Burnout-Erfahrungen spricht? Oder greifen einen die Kolleg*innen mit Samthandschuhen an, wenn man nach der Genesung wieder in den alten Job zurückkehrt? Fragen wie diesen beschäftigen viele Betroffene und eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Carola Kleinschmidt, die seit gut 20 Jahren Sachbücher über mentale Gesundheit schreibt, hat mit sehr vielen Burnout-Erkrankten gesprochen und uns im Podcast erzählt, welche Bewältigungsstrategien sie dabei kennengelernt hat.

Im Job über Burnout sprechen: Wie bricht man das Tabu?

Offener über Burnout-Erfahrungen sprechen zu können, das wünschen sich viele Betroffene. Damit das gelingt, braucht es ein verständnisvolles Umfeld, in dem mentale Gesundheit als ebenso wichtig gilt wie Produktivität, Leistung oder die körperliche Fitness. So eine Kultur kann geschaffen werden, indem Gespräche über die aktuelle mentale Verfassung im Job so selbstverständlich geführt werden wie Erzählungen übers Wochenende bei der Kaffeepause. Die Rolle der Führungskräfte ist dabei essenziell, schildert Carola: „Indem die Führungskraft transparent ist, zeigt, dass sie menschliche Bedürfnisse hat und dass auch sie sich manchmal übernimmt und eine Pause braucht, kann das Tabu gebrochen werden. Wir sollten im Job nicht alles dem glatten „Performance-Ich“ unterordnen.“

Burnout als Schutzmantel: Achtung bei der Rückkehr in den Job!

Gleichzeitig darf das erlittene Burnout aber nicht zum dauerhaften Schutzschild werden, so Carola: „Der Wunsch von Psychiater*innen oder Psycholog*innen ist, dass sich Erkrankte zu Beginn der Genesung die Diagnose „Burnout“ wie einen Schutzmantel umlegen: Ich war gerade schwer krank, ich brauche noch Erholung. Wenn man aber wieder in den Beruf einsteigt oder einen neuen Job sucht, dann sollte man eine gesunde neue Balance entwickelt haben und braucht den Schutzmantel „Burnout“ nicht mehr.“

Raus aus der Opferrolle lautet also die Devise, auch bei einer anderen, sehr natürlichen Gefühlsregung: „Wenn man im Job zurück ist, möchte man dem Chef vielleicht erst mal so richtig die Meinung geigen: Du bist mit Schuld, dass es mir so schlecht gegangen ist! Aber das ist immer noch die Opferhaltung. Worum es eigentlich geht, ist, eine neue Vereinbarung zu treffen, mit der man gut und gesund arbeiten kann. Es wäre wünschenswert, dass man bei der Rückkehr in den Beruf weiß, wer man ist und was man braucht: bessere Unterstützung regelmäßige Feedbackgespräche, klarere Ziele oder eine Zeitreduktion … Das sollte mit dem Arbeitgeber ganz selbstbewusst besprochen werden.“

Burnout im Bewerbungsgespräch thematisieren oder nicht?

Dasselbe gilt auch im Bewerbungsprozess: Je besser Genesene wissen, was ihnen guttut und was nicht, umso selbstbewusster können sie das auch im Bewerbungsgespräch kommunizieren – sei es eine Vier-Tage-Woche, eine Führungsposition in einem kleinen Team oder einen Arbeitgeber, dem die Gesundheit der Mitarbeiter wirklich wichtig ist. Woher diese Erkenntnis stammt, so Carola, muss man nicht verraten: „Das würde man bei anderen Krankheiten ja auch nicht tun. Man muss das also nicht mit dem Burnout in Verbindung bringen, man kann es aber in einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre.“

Auch die krankheitsbedingte Lücke im Lebenslauf muss nicht genauer erklärt werden: „Ich musste aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nehmen.“ Oder „Ich habe mich von einer schweren Krankheit erholt.“ reichen als Erklärung völlig aus.

Burnout als Asset? Was man in der Genesung lernen kann

Eine unserer Podcast-Hörerinnen, die selbst von Burnout betroffen war, hat uns im Vorfeld der Aufnahme ihren Umgang mit Burnout im Job geschildert. Auch sie hat Sorge, dass ihre neuen Kolleg*innen sie aufgrund ihrer Erkrankung mit Samthandschuhen anfassen. Dazu gibt es ihrer Einschätzung nach keinen Grund, denn: „Es ist mein Asset, denn die Erfahrung und Heilung hat mir viel beigebracht: Was ich will, warum ich etwas will, wie ich Nein sage, meine Zeit einteile, Prioritäten und Grenzen setze und auf mich achte.“ Eine sehr reife Sichtweise.

Verständnisloses Umfeld: Anklingen lassen, ohne zu viel zu verraten

Das Problem, so Carola, ist, dass diese Einschätzung nicht immer vom Arbeitgeber geteilt wird. „Wenn man ein weniger verständnisvolles Umfeld im Job hat, dann sollte man einfach nur sagen: ‚Ich bin gut im Zeitmanagement und kann gut Grenzen setzen.‘ Dass ich das in einer Burnout-Genesung gelernt habe, muss ich nicht hinzufügen. Ich höre leider nur selten, dass das in Unternehmen tatsächlich als Benefit anerkannt wird.“ Aufmerksame, enge Kolleg*innen würden vermutlich ohnehin irgendwann fragen, woher man das so gut kann. Hier plädiert Carola dafür, kein Tabu aus dem Burnout zu machen, sofern man in einem Unternehmen arbeitet, in dem das kein Nachteil ist.

Das zu justieren, ist ein sehr schwieriges Unterfangen, man kann sich aber langsam herantasten: „ ‚Ich war stressbedingt länger krank‘ reicht als Erklärung zunächst völlig aus. Man kann den Kolleg*innen aber für Rückfragen zur Verfügung stehen. Ich finde zum Beispiel sehr toll, wie die Podcast-Hörerin damit umgeht. Das ist die moderne Zukunft, die ich mir wünsche, in der man ganz selbstverständlich über Erfahrungen spricht, die einen geprägt haben. Bei dem einen wars vielleicht die Weltreise, beim anderen eben das Burnout.“

Die ganze Folge zum Anhören

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.