Erstellt am 17. Mai 2019 · Arbeitsleben · von

Mit dem Fahrrad in die Arbeit – Echte Alternative oder Gelegenheitsgefährt?

Lesezeit: 3 Minuten

Für viele Menschen ist der Drahtesel als Fortbewegungsmittel nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Auch den Weg zur Arbeit bestreiten viele damit. Aber ist das Fahrrad tatsächlich die bessere Alternative zu Autos und Öffis? Pro und Contra erfährst du hier:

Das Auto ist immer noch der Liebling der Österreich, wenn es darum geht, den Arbeitsweg zu bewältigen. Das zeigt eine karriere.at Umfrage, bei der sich 53 Prozent der 527 Teilnehmer für diese Option ausgesprochen haben. Jeder Dritte setzt auf Öffis und weit abgeschlagen – mit nur 7 Prozent – finden sich jene Schlusslichter, die per Rad oder E-Scooter in die Arbeit kommen. Doch ist es nun Scheu, Bequemlichkeit oder einfach nur banale Logik, den Drahtesel zu verschmähen?

Von Wetter, Schweiß und Packeseln – die Nachteile

  • Fahrrad fahren hat ja einen fast schon romantischen Aspekt. Zumindest solange, bis es wie aus Kübeln schüttet oder dir die pralle Sonne mit gefühlten 1000 Grad den Nacken verbrennt. Wer sich dem Drahtesel verschreibt, ist unweigerlich von der Witterung abhängig. Der Winter fällt ohnedies flach (Glatteis lässt grüßen!) und Monate wie der April warten mit heimtückischen Wetterumschwüngen auf. Und ganz ehrlich: Wer will schon als begossener Pudel in die Arbeit kommen?
  • Wir alle hassen ihn: diesen süßlichen Schweißgeruch. Bei körperlicher Betätigung lässt sich dieser – Deos zum Trotz – nur schwer vermeiden, insbesondere im Sommer, wenn die kleinste Bewegung zur größten Anstrengung wird. Kommst du mit dem Fahrrad in die Arbeit, musst du gegebenenfalls mit unangenehmen Schweißflecken – Geruch inklusive – rechnen. Das bedeutet, dass du dir ein zweites Hemd/T-Shirt einpacken und, wenn möglich, im Büro nochmal unter die Dusche hüpfen musst.
  • Apropos zweites Hemd: Abhängig vom Dresscode, der an deinem Arbeitsplatz gefordert wird, musst du möglicherweise deine seriöse Kleidung separat mitnehmen (in High-Heels fährt es sich nämlich nicht so gut) und dich vor Ort umziehen. Wenn du dann auch noch dein vorbereitetes Mittagessen, dein Notebook und andere Kleinigkeiten mitnehmen musst, läufst du schnell Gefahr, zum Packesel zu werden. Ein weiteres Manko: Ein kurzer Abstecher zum Supermarkt, um nach Feierabend den Wocheneinkauf zu erledigen, ist ebenfalls schwer möglich.
  • Manche Menschen sind halt ein wenig, wie soll ich sagen, „potschat“. Die Kurve zu schnell genommen, die Neigung unterschätzt oder eine vor Schock erstarrte Katze, der man mit einem wahnwitzigen Manöver ausweichen muss (das ist dann eher ein Unglück). Unfälle passieren – leider, aber doch. Und als Radfahrer gehört man da zu denjenigen, die bei einer Kollision den Kürzeren ziehen. Also bitte nicht auf den Helm vergessen!
  • Achtung, Langfinger! Fahrräder sind wesentlich einfacher zu entwenden als beispielsweise ein Auto. Und da viele im Herzen noch ans Gute im Menschen glauben, lässt der eine oder andere seinen Drahtesel gern einmal unbeaufsichtigt und ungesichert zurück. Um einem frühzeitigen Abschied von deinem Gefährt vorzubeugen, solltest du daher in ein gutes Bügelschloss investieren (wenn nicht sogar zwei), um es zu schützen.

Schnell, billig, umweltschonend – die Vorteile

  • Stau adè: Vorbei ist die Zeit des präzise kalkulierten, frühen Aufstehens, Schluss mit dem Vorwärtskommen im Schneckentempo! Ist die Distanz zum Arbeitsplatz nicht allzu groß, ist man mit dem Drahtesel während der morgendlichen Rush Hour sicherlich besser beraten. Die Zeit, die man mit der Vermeidung des Frühverkehrs spart, lässt sich entweder für eine weitere halbe Stunde dösen oder einen früheren Start in den (Arbeits-)Tag nutzen.
  • Öffis sind klasse – sofern die Infrastruktur stimmt – aber unter billig verstehen wir etwas anderes. Bis zu 360 Euro kann ein Jahresticket kosten. Besitzt man ein Auto, so blättert man für Versicherung, Steuer und Tanken um ein Vielfaches mehr hin. Ein Fahrrad hingegen ist sowohl in der Anschaffung als auch in der Wartung vergleichsweise mit sehr niedrigen Kosten verbunden.
  • Seien wir doch mal ehrlich: Der Klimawandel schreitet ohnehin schon schnell genug voran, da müssen wir auf dem Weg in die Arbeit nicht zusätzlich CO2 in die Luft pumpen. Das Fahrrad ist ohne Zweifel eine der saubersten Möglichkeiten der Fortbewegung, da es überhaupt keine Schadstoffe ausstößt und unser Klima durch seine Nutzung in keiner Weise beeinflusst.
  • Sport ist Mord, meinen viele Zyniker. Natürlich kann man es übertreiben. Wer sich in gesundem Ausmaß körperlich betätigt, bleibt jedoch bewiesenermaßen fitter und aktiver. Der Weg in die Arbeit – bzw. Fahrrad fahren generell – trägt also in positivem Sinne zu deiner Gesundheit bei. Und frische Luft hat noch niemandem geschadet!
  • Wer kennt es nicht? Die nervige Parkplatzsuche mit dem Auto. Nicht jedes Unternehmen verfügt über einen eigenen Abstellplatz und wenn doch, so ist die Anzahl an Plätzen meist begrenzt. Da ist die Anreise mit dem Drahtesel schon wesentlich bequemer.

Ist das Fahrrad nun die bessere Option?

Jein. Wie so oft im Leben lässt sich auch hier kein klares Urteil fällen. An sonnigen Tagen und unter den richtigen Umständen (nicht viel Gepäck zu schleppen, keine allzu hohen Temperaturen und zumutbare Distanzen) ist das Fahrrad definitiv eine gute Möglichkeit, sportliche Betätigung in deinen Alltag zu integrieren und die Umwelt zu entlasten. Aber auch an Schlechtwettertagen muss es nicht zwingend das Auto sein: Hier kannst du immer noch auf die Öffis zurückgreifen.

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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