10. Juli 2018 · Arbeitsleben · von

Jammern im Job: „Wer sich immer nur beklagt, der muss nichts ändern“

Eh klar, dass die ganze Sache wieder nicht funktioniert. Sie hat das schon wieder zu spät gemacht. Von ihm ist echt nichts zu erwarten. Wenn solche Sätze öfter fallen, dann ist klar, hier ist ein „Berufssuderant“ am Werk. Was dauerhaftes Gejammere mit Mitarbeitern machen kann und was Teams und Führungskräfte dagegen tun müssen:

Christa Schirl

Christa Schirl

Sich ab und zu mal zu beklagen, das gehört zur Psychohygiene einfach dazu. Ärger, Wut und Unmut bahnen sich ihren Weg, es wird geschimpft und auf Erleichterung gehofft. Bei manchen Mitmenschen scheint die Fähigkeit für ausdauerndes Jammern jedoch fix im Lebenslauf verankert zu sein. Nicht dein Problem? Doch, denn das Sudern der anderen kann dein eigenes Glück in Job und Privatleben erheblich beeinträchtigen. „Sudern, das ist Klagen ohne Ziel. Im Gegensatz zur konstruktiven Kritik stelle ich beim Jammern gar nicht fest, welchen Anteil ich daran habe und wie eine Lösung aussehen könnte“, erklärt Psychologin Christa Schirl.

Die Kollegenschaft im Jammertal

„Eine vorherrschende Suderkultur kann in einem Unternehmen extrem viel zerstören“, sagt sie. Klar, wer täglich acht Stunden oder noch mehr mit pessimistischen Kollegen verbringt, landet irgendwann selbst im Jammertal mit herabgezogenen Mundwinkeln und hängenden Schultern. Wo Suderanten am Werk sind, ist gut an der Sprache zu erkennen, erklärt die Psychologin: „Eine problemfördernde Sprache zeichnet sich z.B. durch folgende Äußerungen aus: Warum hat das schon wieder nicht geklappt? Warum hält der Termin schon wieder nicht? Das funktioniert sicher wieder nicht! Von dieser problembezogenen Sprache muss man in eine lösungsorientierte Sprache kommen: Was benötigen wir, damit es klappen kann? Was ist mein eigener Beitrag, den ich leisten kann?“

Was man gegen ständiges Beklagen tun kann

Vor dieser Arbeit muss jedoch im ersten Schritt die Diagnose erfolgen: „Als Team kann man die Situation zuerst einmal wahrnehmen: Wir jammern alle zuviel, das drückt auf die Stimmung. Worauf sollten wir uns eigentlich konzentrieren? Auf mögliche Lösungen. Was machen wir, um dorthin zu gelangen? Die Entscheidung (Wir hören uns ab sofort keine Probleme mehr an, sondern suchen Lösungen) trifft im Idealfall das gesamte Team“, erklärt die Psychologin.

Warum wird überhaupt so gerne gejammert? „Wer sich immer nur beklagt, der muss nichts ändern – vor allem dann nicht, wenn er die Verantwortung an andere delegiert: Jetzt hat er schon wieder nicht dies und jenes gemacht! Jeder hat sein Leben selbst zu verantworten und muss schauen, welche Möglichkeiten er hat: Jammern, flüchten, etwas dagegen tun. Welche Optionen habe ich? Unser Ich hat verschiedene Seiten bzw. Aspekte: Was sagt meine beste Seite zur Situation? Was kommt aus meiner ‚dunklen Seite‘?„, gibt die Psychologin zu bedenken.

Ein Auskommen mit Dauersuderanten ist laut Psychologin möglich. „Eine Möglichkeit ist es, klare Grenzen zu setzen. Wenn ein Kollege jammert, kann man z.B. entgegnen: Ich merke, dein Tag ist nicht gut. Meiner soll es allerdings werden, deshalb höre ich mir keine Klagen an. Wenn im Umfeld wieder mächtig viel gejammert wird, auch an diesen Spruch denken: Die Zukunft ist immer offen. Also, was könnte für mich Interessantes drinsein?“

Und noch ein Ratschlag für Führungskräfte: „Dauerhaftes Klagen kann bei Mitarbeitern zu toxischem Verhalten führen. Hier müssen Führungskräfte nachfragen: Willst du überhaupt noch? Was brauchst du, damit du eine Lösung findest? Woher kommt deine Kränkung? Notfalls sollte man eine Supervision beantragen und externe Hilfe holen. Hinter manchen Formen des Jammerns können in seltenen Fällen auch Erkrankungen stecken, die in Teams zu gefährlichen Dynamiken führen können“, sagt Schirl.

Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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