Erstellt am 27. März 2020 · Arbeitsleben, Inside · von

Homeoffice mit Kindern: Eltern sprechen aus Erfahrung

Lesezeit: 8 Minuten

Wer im Moment Homeoffice mit Kindern macht, kennt es: Die Situation ist fordernd! Wie soll man produktiv arbeiten und gleichzeitig den Nachwuchs betreuen? In diesem Artikel sprechen Eltern über ihre Erfahrungen:

Wenn plötzlich die ganze Familie zuhause ist, entstehen spannende Situationen, um es mal positiv zu formulieren. Wie schafft man es, konzentriert zu arbeiten? Wie beschäftigt man die Kinder? Wir haben bei einigen Eltern nachgefragt, welche Strategien sie anwenden und wie es ihnen beim Homeoffice mit Kindern geht.

Homeoffice mit Kindern: Erfahrungsberichte und Strategien

Alleine im Homeoffice mit Kleinkind

Marketing Managerin Leonarda erzählt Folgendes:

Ich bin die meiste Zeit alleine mit Kind, da mein Mann arbeiten muss. Er ist selbststständig im Transportwesen und er kann die Arbeit nicht so einfach ruhen lassen. Meine Tochter Lara ist zwei Jahre alt. Also mittendrin im Kleinkindalter. Wer Kinder hat, versteht jetzt schon, was das heißt.

Wenn man Glück hat, steht das Kind später auf als die Mama. Dann hat man noch schnell Zeit für sich selbst, um sich die Zähne zu putzen, sich anzuziehen etc. Die erste Hürde ist dann, das Kind zum Zähneputzen zu bewegen und sich die Windel wechseln zu lassen … Das dauert schon mal eine Weile. Der Vorteil im Homeoffice ist, dass man sich den Arbeitsweg und Stau erspart. Man muss nicht zu einer bestimmten Zeit in der Krabbelstube sein oder in der Arbeit. Das nimmt mir den Wind aus den Segeln.

Frühstücken tut man meist schon mit Kind, nebenbei ist der Laptop offen, um die ersten Mails zu checken. Mein Kind kann keine Minute ruhig sitzen bleiben. Somit muss man als Mama schon kreativ werden, um überhaupt arbeiten zu können. Ich bin aber der Typ Mama, der sehr tolerant ist. Sie darf so gut wie alles.

Zu Hause habe ich eine kinderfreundliche Ja-Umgebung geschaffen, das macht das Arbeiten neben dem Kind schon einmal leichter. Lara kann sich zum Glück schon mal alleine beschäftigen, ich muss also nicht ständig mit ihr spielen.

„Was Mama macht, will sie auch.“

Vormittags lässt es sich gut arbeiten. Zugegeben, sie sitzt dabei meist neben mir und darf „mitarbeiten“. Was Mama macht, will sie auch. Diese Methode funktioniert für eine Weile, dann ist aber Schluss. Nebenbei passiert viel Blödsinn: Klopapierrollen im WC verteilen, Wasser in einen Behälter zum anderen schütten (dann ist meist der Boden nass), mit Reis spielen und diesen im Haus verteilen (Boden gehört gesaugt), Frühstücksbrot-Brösel verteilen für die Spinne (weil die hat auch Hunger) und vieles mehr.

„Kuscheln muss drin sein, wenn Mama schon von zu Hause arbeitet.“

Wenn das Kind noch Mittagschlaf braucht, dann muss man die Arbeit unterbrechen und sich auch darum kümmern, vorher muss natürlich gekocht werden. Danach gehts dann weiter mit Arbeiten. Manchmal mit Kind am Schoß. Liebe und Kuscheln muss drin sein, wenn Mama schon von zu Hause arbeitet.

Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich sagen, dass durchgängig am Stück zu arbeiten neben einem Kind nicht möglich ist, außer man hat ein sehr ruhiges Kind. Wenn es bei mir ganz ruhig ist, ist das aber sehr verdächtig. Dann hat das Kind wieder Blödsinn im Kopf. Wenn durchgängig Geräusche zu hören sind, dann ist alles easy.

Wenn beide Elternteile zuhause arbeiten

UX-Designerin Tatjana schildert ihre Erfahrungen so:

Homeoffice und Kind, das ist schon sehr viel stressiger als ohne. Unser Kind ist zwei Jahre alt. Das ist genau die Zeit, wo Kinder die Welt selber entdecken wollen und dabei noch Hilfe benötigen. Die Selbstbeschäftigung funktioniert nicht allzu lange und alleine darf man sie nicht lassen, wenn man will, dass sowohl das Kind als auch die Wohnung heil bleiben. Obwohl mein Mann und ich beide zuhause sind, kommt jeder nur sehr zerrissen zu seiner Arbeit. Leider haben wir auch keinen absperrbaren Rückzugsort. Da dürfte man wahrscheinlich aber auch kein einziges Mal rausgehen. Sobald das Kind nämlich mitbekommt, dass einer von uns beiden in diesem Zimmer wäre, wärs mit der Ruhe vorbei.

„Die ganze Zeit auf 300 Prozent.“

Ich war nach der ersten Woche so richtig erledigt, da ich die Arbeitspausen genutzt habe, um Essen zu kochen, zu trösten, zu spielen oder Windeln zu wechseln, und so den ganzen Tag eigentlich auf 300 Prozent war. Und obwohl wir zu zweit sind, unterschätzt man oft, wie viel Zuwendung Kinder brauchen. Und es fällt ihnen sofort auf, wenn man nicht mit voller Aufmerksamkeit dabei ist. Ich sehe kleine Kinder immer als Wesen, die mit einer unheimlich großen Festplatte auf die Welt kommen, die bespielt werden will. Sie sind soziale Geschöpfe, die Abwechslung brauchen, um in einem harmonischen Gleichgewicht zu bleiben.

„Man braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen.“

Der jetzige Umstand erlaubt es leider nicht, dass Kinder Zeit bei den Großeltern verbringen. So bricht ein wertvoller Beschäftigungspart schon mal weg. Nicht umsonst gibt es einen alten Spruch, der sagt, dass man für die Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf braucht. Wir sind nicht ausgelegt dafür, alleine auf die Kinder aufzupassen, und Kinder brauchen mehr Gesellschaft als nur ihre Eltern. Von Zuhause zu arbeiten und Kinderbetreuung zu meistern, erfordert also momentan sehr viel Kraft und muss mit großen Qualitätsabstrichen auf beiden Seiten bezahlt werden, da man eine Arbeitsaufgabe nie an einem Stück bewältigen kann. Wie Alleinerziehende den Alltag bewältigen, ist für mich ein Rätsel. Hut ab!

Homeoffice mit Kindergartenkindern

arbeitsplatz mit kindern teilen

Sales Analystin Susanne erzählt uns aus ihrem Alltag:

Wenn mich vor einigen Wochen jemand gefragt hätte, ob ich von daheim arbeiten kann neben den zwei Damen, hätte ich wahrscheinlich gelacht. Aber in Summe klappts besser als gedacht. Meine Mäuse sind drei und fünf Jahre alt und seit kurzem nicht mehr im Kindergarten. Mein Mann und ich arbeiten beiden von zu Hause aus. Mein Mann sitzt vor Laptop und zwei Bildschirmen im Büro und meine Bildschirme teilen sich den Esstisch mit Bastel- und Schreibsachen. Eine bunte Mischung.

„Es ist schwierig, nicht auf jeden Kommentar der zwei Quatschlieseln zu reagieren.“

Ich arbeite Teilzeit, das ist natürlich etwas anderes als Vollzeit. Am schwierigsten ist für mich dennoch, mich gedanklich abzukapseln und nicht auf jeden Kommentar der beiden Quatschlieseln zu reagieren, wie ich es sonst gewöhnt bin. Außerdem ist es schwierig, den Damen zu erklären, dass sie nicht ins Büro dürfen, weil Papa arbeitet.

Meine Mäuse spielen zum Glück recht eigenständig, oft auch im oberen Stock, also ich darf mich wirklich nicht beschweren, da gibts sicher schwierigere Fälle!

„Basteln für Ostern ist jetzt der Renner!“

Mein Tipp ist, wie sonst auch, Pinterest mit seinen Bastelvorschlägen, besonders in Hinblick auf Ostern. Transparente Buchfolie, beklebt mit Seidenpapier-Stücken in Blumen-, Schmetterlings-, Ei-und Hasenform ist derzeit der Renner. Oder gemeinsames Kochen und Backen, Spielen und Erde Schaufeln im Garten oder ganz altmodisch gemeinsame (Brett-)Spiele.

Sich Freiraum verschaffen: Kreative Ideen für ungestörtes Arbeiten

Sales Manager Klaus setzt in seinem neuen Alltag auf nonverbale Kommunikation:

Ich sehe es als Herausforderung, die Priorität während meiner Arbeitszeit auf mein Aufgabengebiet zu setzen, weil ich permanent sehe, dass meine Partnerin Hilfe bei unserem Neugeborenen brauchen könnte. Es spielen da wohl auch Instinkte mit, dass wenn das Baby schreit, ich lieber aufspringen und das Kind beruhigen möchte, als an meinen offenen To-dos weiterzuarbeiten.

Unser Moritz ist 14 Wochen alt. Homeoffice mit Kind wäre für mich als Vater eines Neugeborenen alleine nicht zu schaffen. Ich denke aber, dass es auch in Zukunft, wenn das Kind schon etwas herangewachsen ist, besser ist, wenn man sich als Eltern gegenseitig unterstützen kann.

Einen richtigen Rückzugsort habe ich nicht. Ich habe mich in unserer Küche einquartiert, wir haben eine offene Küche ohne Türe, muss man dazu sagen. Da ist es selbstverständlich, dass meine Partnerin mit Nachwuchs auch manchmal den Raum betreten muss. Wir haben uns ein Zeichen vereinbart, mit dem ich einfach signalisieren kann, wenn ich gerade dringend Ruhe brauche, weil ich mich konzentrieren muss oder ein Telefonat führe.

Sobald sie den Raum betritt, zeige ich ihr die „Telefon“-Geste, eine Faust mit ausgestrecktem Daumen und kleinem Finger. Dann dreht sie entweder gleich wieder um oder holt sich ganz schnell, was sie aus der Küche holen wollte. Das Positive daran, dass wir ein Neugeborenes haben, ist, dass er nicht groß beschäftigt werden muss. Zwischendurch bringe ich den Kleinen zum Lachen, indem ich den Affen mache.

Bitte nicht stören: Türschilder für ruhiges Arbeiten

Markus von unseren Kollegen von jobs.at hatte eine kreative Idee, um sich ruhige Arbeitsphasen zu verschaffen:

Ich habe von meinen Kindern Türschilder gebastelt bekommen. Rot heißt „Nicht stören“, grün heißt, die Kinder dürfen rein. Im Prinzip dasselbe System wie im Hotel. Bisher funktioniert es super. Meine Tochter ist vier Jahre alt, mein Sohn zwölf. Er versteht Homeoffice auch ohne Schild. Für meine Tochter ist diese Lösung aber super.

signal für kinder im homeoffice

Profitipps: Bloggerinnen über ihre Erfahrungen

„Homeoffice mit (kleinen) Kindern kann zur echten Zerreißprobe werden, wenn man nicht für Struktur sorgt!“

Daniela Gaigg, bekannt für ihr Blog „die kleine Botin“, erzählt aus ihrem Alltag:

Homeoffice mit (kleinen) Kindern kann zur echten Zerreißprobe werden, wenn man nicht für Struktur sorgt! Ich arbeite seit Jahren immer wieder auch neben/mit den Kindern und ich finde es am wichtigsten, klare Zeit-Fenster zu definieren. Zuerst zusammen essen, dann folgt eine Arbeits- bzw. Konzentrationsphase, die bei Kleinkindern auch malen, fädeln, kneten, … sein kann.

Wir arbeiten in 25-Minuten-Einheiten (manche kennen das von der „Pomodoro“-Methode), und das klappt ganz gut: Die Konzentrationsspanne ist je nach Alter der Kinder teilweise auch noch kürzer, das gilt es zu akzeptieren. Ich plane meinen Office-Tag bereits am Vorabend in Themen-Bereiche: Agenden, die Ruhe erfordern, wie Buchhaltung oder Kalkulationen mache ich genau in diesen ruhigen Phasen, Fotos oder kreative Aufgaben mache ich meist zusammen mit den Kindern.

„Wenn die Kinder integriert sind, sind sie weniger lästig.“

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse: Wenn die Kinder integriert sind, sind sie weniger „lästig“. Mittendrin statt nur dabei ist das Motto!

Linda Syllaba von beziehungshaus.at erklärt, warum Geduld das A und O ist:

„Dranbleiben, bis sich die neue Gewohnheit etabliert hat!“

Ich denke, je kleiner die Kinder, umso kürzer ist die Dauer, für die sie sich selbst und still beschäftigen können. Also unbedingt: Ansprüche runterschrauben! Erwartungen machen nur Stress. Signalisieren Sie den Kindern mit Farben, Bildern, Karten oder Gesten, dass Sie gerade im Arbeitsmodus sind. So, wie man Kindern beibringen kann, dass sie z. B. einem Erwachsenen die Hand auf den Unterarm legen, wenn sie etwas fragen wollen, ohne das Gespräch zu unterbrechen, damit der Erwachsene weiß, dass das Kind etwas braucht, fertig sprechen kann und sich dann bewusst dem Kind zuwendet und sich für das Warten bedankt. Genauso kann es auch mit dem Arbeiten zu Hause funktionieren. Allerdings nicht per Fingerschnippen, sondern das ist Trainingssache. Geduldiges Dranbleiben, wiederholtes Erinnern in freundlichem Tonfall, bis sich die neue Gewohnheit etabliert hat. Und zu Beginn natürlich auch die notwendige Erklärung dazu geben, dass gerade geschäftlich telefoniert, konferiert oder konzentriert gearbeitet wird und keine Störung erlaubt ist.

Immer daran denken, es sind Kinder! Sie machen nichts GEGEN uns Erwachsene, sondern immer alles FÜR sich selbst. Sie wollen uns nicht ärgern, sondern suchen Kontakt/Verbindung, denn das ist ein menschliches Bedürfnis. Konflikt und Streit sind auch Formen von Kontakt und bevor sie gar nichts bekommen, nehmen Kinder sogar das gerne …

„Bei Conference Calls offen ansprechen, dass Kinder da sind!“

Was Homeoffice allgemein angeht, empfehle ich, sich trotzdem anzuziehen, wie wenn man ins Büro geht. Essen nur zu Zeiten, zu denen sonst auch gegessen werden würde. Pausen machen, To-do-Listen erstellen, Portionieren, Priorisieren, abarbeiten. Arbeitszeiten definieren und einhalten. Mit Kindern realistisch nachbessern/adaptieren und den Ball flach halten (keine zu hohen Erwartungen setzen). Bei Conference Calls die Kinder vom Partner beaufsichtigen lassen oder offen ansprechen, dass Kinder da sind und sich gegebenenfalls melden werden … Damit ist der Druck raus, dass die Kids mucksmäuschenstill sein müssen. Momentan geht es ja allen so, also sollte es auch Verständnis geben.

Kindgerechte Information: Empfehlungen der Blog-Redaktion

  • Der ORF bietet mit der „Freistunde“ nun jeden Vormittag ein Schulfernsehprogramm an.
  • Wer seinen Kids das Coronavirus einfach erklären möchte, findet hier die richtigen Worte dafür.
  • Und Händewaschen kann auch lustig sein:

Bildnachweis: shutterstock/Evgeny Atamanenko; karriere.at

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.