31. Juli 2018 · Arbeitsleben · von

Für Redenschwinger und Drückeberger – mit der richtigen Körperhaltung zum Sprechprofi

Vor großem Publikum sprechen – eine Situation, die viele Menschen erst einmal einschüchtert. Und zurecht! Denn plötzlich sind da mit einem Mal unzählige Augen auf einen gerichtet und wer kann schon wissen, was den Zusehern gerade durch den Kopf geht? Um sich nicht zu blamieren, heißt es dann: Haltung bewahren! Doch wie genau sieht die aus? Wir haben mit Dr. Roman Braun gesprochen, der zum Thema Körpersprache bereits ein Buch verfasst hat.

Ausdrucksstark präsentieren durch Körpersprache

Inwiefern beeinflusst unsere Körperhaltung die Art und Weise, in der wir von anderen Menschen wahrgenommen werden?

Unsere Körpersprache liefert unserem Gegenüber Botschaften, die über den bloßen Inhalt des Gesprochenen hinausgehen. Bewusst konzentriert sich unser Gesprächspartner eher auf die Sprache. Die Informationen, denen er am meisten Glauben schenkt, nimmt er aber unbewusst durch Gestik, Mimik und Distanz wahr. Sagt die Tonalität und Haltung etwas anderes als unsere Worte, dann bemerkt das Publikum das sofort. Ein typisches Beispiel wäre: „Ich freue mich, heute präsentieren zu dürfen“. Eine defensive Pose, wie etwa verschränkte Arme oder ein gesenkter Kopf, verrät allerdings, dass genau das Gegenteil der Fall ist – und das Publikum misstraut nicht nur den Worten, sondern bald auch dem Sprecher. Dem wirkt man entgegen, indem man seine Körpersprache bewusst einsetzt.

Was sind gängige, vermutlich oft unbewusste Fehlsignale, die wir aufgrund unserer Körpersprache senden?

Dr. Roman Braun – Körpersprache-Experte

Ein ganz typischer Fehler ist der Goofy-Effekt. Bei Unsicherheit tendieren viele dazu, die Augen aufzureißen und die Augenbrauen hochzuziehen. Frei nach Walt Disneys großäugigem und naivem Geschöpf: unschuldig und sympathisch, aber auch unsicher und inkompetent. Wer seine Brauen bewusst etwas senkt, die Augen vielleicht sogar minimal zusammenkneift, der wirkt ruhiger und entschlossener. Ein weiterer häufiger Fehler, ist das sinnlose Hin- und Her-Gehen im Raum bzw. am Podium. Es vermittelt den Zuhörern unbewusst, dass man keine Stellung bezieht und ist ein Zeichen von Unsicherheit. Ein klarer, fester Stand hingegen kommuniziert, dass man eine Position einnimmt, eine Meinung hat. Übrigens: Entgegen früheren Lehrmeinungen kann man vor Publikum auch gern ab und zu eine Hand in die Hosentasche stecken. Das strahlt Natürlichkeit aus – insofern man nicht zu lange in dieser Haltung verharrt.

Vor Publikum sprechen – ein Horrorszenario für viele unsichere Menschen. Welche Tipps geben Sie diesen, um einen selbstsicheren Eindruck zu hinterlassen?

Nervös ist (fast) jeder. Durch eine bewusste Körpersprache wirkt man trotzdem überzeugend:

  • Die erste Botschaft wird am Weg zur Bühne übermittelt: Üben Sie einen raumgreifenden, ausschreitenden Gang. Richten Sie den Blick auf Ihr Ziel und stellen Sie sich vor, Supermans Cape weht von ihren Schultern.
  • Lernen Sie, sich beim Vortrag langsamer zu bewegen. Langsame, würdevolle Bewegungen, sorgen dafür, dass der Kontakt zum Publikum nicht abreißt.
  • Lächeln Sie. Hier gibt es, selbst beim Vortrag, keinen goldenen Mittelweg, sondern nur das Maximum. Zeigen Sie dabei allerdings kein starres Lächeln, das aus dem Hirn kommt, sondern versuchen Sie sich an einem ehrlichen Lächeln aus dem Herzen.
  • Halten Sie Blickkontakt zu wenigen, aber ausgesuchten Personen: Wer mit den Augen im Raum umherschaut, aber niemals gewissen Personen in die Augen sieht, kann schwerer Beziehungen zu ihnen aufbauen. Kontakt zur Gruppe bekommt man über ausgewählten Blickkontakt zu ausgesuchten Personen im Raum. Man fühlt sich als Gruppe gesehen, denn man bekommt mit, dass die Blicke auf den einzelnen ruhen anstatt im scheinbar menschenleeren Raum suchend herum zu irren.
  • Langsam beginnen und Tempo steigern: Ist man nervös, spricht man meistens viel zu schnell. Erst wenn man sich entspannt, beruhigt sich auch die Atmung und damit das Gesprochene. Daher gilt es sich darauf zu konzentrieren, es genau umgekehrt zu machen. Starten Sie langsam und kontrolliert und werden Sie passend mit dem Spannungsbogen schneller. Variationen in der Tonalität sowie im Sprechtempo erhöhen die Aufmerksamkeit beim Publikum. Zudem wirkt diese Vorgangsweise sehr charismatisch.

Wie kann Körperhaltung dabei helfen, unsere Meinungen und Standpunkte auch möglichst standfest zu verteidigen?

Emotionale Stabilität drückt man aus, wenn man fest und aufrecht steht. Folgende Haltung unterstützt das Argument dabei: Die Füße stehen hüftbreit und etwas versetzt. Ein Bein ist weiter vorne, denn sonst wirkt man wie ein zweidimensionales Abziehbild. Die Knie werden leicht gebeugt und das Gewicht zwischen beiden Füßen ausbalanciert. Eine standfeste Haltung bedeutet dabei übrigens nicht, dass man wie eine Statue einfrieren muss: Haltungsänderungen von Zeit zu Zeit sorgen dafür, dass man nicht steif wirkt und leichte Pendelbewegungen von links nach rechts geben zusätzliche Standfestigkeit – keine Sorge, das Gegenüber nimmt diese minimale Bewegung nicht wahr.

Wie differieren Frauen und Männer hinsichtlich ihrer Körpersprache? Welchen Rat legen Sie beiden Geschlechtern nahe, um souverän und selbstbewusst aufzutreten?

Grundsätzlich gelten die Empfehlungen für Frauen und Männer gleichermaßen. Mann und Frau wirken kompetenter, wenn sie entspannt und raumgebend gestikulieren sowie das Gesagte im Einklang mit der Körpersprache steht. Einen kleinen Unterschied gibt es aber schon: Studien zeigen, dass Frauen, die Flirt-Elemente auch in der Business Kommunikation verwenden, mehr Kompetenz zugeschrieben wird. Bei Männern wirkt sich das gleiche Verhalten jedoch gegenteilig aus. Sie wirken seriös, wenn sie gewisse Dominanz zeigen, wie etwa den Kopf etwas gehoben halten oder „Name Dropping“ betreiben (z.B. durch Zitieren von Wissenschaftlern).

Diese und viele weitere Strategien rund um eine selbstbewusste Körpersprache und Rhetorik sind in der aktualisierten Auflage des Bestsellers „Die Macht der Rhetorik: Besser reden – mehr erreichen“ nachzulesen.


Über Dr. Roman Braun

Dr. Roman Braun M.Ed. ist Geschäftsführer von Trinergy International, Doktor der Psychologie, NLP-Master-Trainer, Master-Coach der ICF, zertifizierter Lebens- und Sozialberater und Bestseller-Autor. Er leitet akademische Coaching-Ausbildungen. Zu seinen Klienten zählen u.a. Weltmeister, Top-Führungskräfte und Spitzenpolitiker. Weitere Informationen unter trinergy.at.

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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