Erstellt am 18. Oktober 2019 · Arbeitsleben, Arbeitsmarkt · von

FIFA zocken als Hauptberuf: Warum der FC Red Bull Salzburg ein eSports-Team hat

Lesezeit: 9 Minuten

Gamen und damit Geld verdienen – das wär doch was. eSports macht das möglich und immer mehr Unternehmen öffnen sich dafür. Der FC Red Bull Salzburg war 2017 der erste Verein, der einen professionellen FIFA-Zocker unter Vertrag nahm. Mittlerweile ist ein ganzes Team daraus geworden, das in der eBundesliga sehr erfolgreich ist. Wir haben nachgefragt, warum sich der Verein dem eSport gewidmet hat und wie der Alltag als FIFA-Profi aussieht.

Vor der Konsole sitzen, zocken, streamen – was für manche das schönste Hobby der Welt ist, haben einige wenige zu ihrem Beruf gemacht. Möglich machen das die wachsende Begeisterung für eSports, die eBundesliga und Vereine wie der FC Red Bull Salzburg, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Gamer unter Vertrag nehmen. Einer davon ist Sercan Kara, der seit Jänner 2019 als FIFA-Profi bei den Roten Bullen aus Salzburg aktiv ist. Wir haben ihn gefragt, wie sein Arbeitsalltag so aussieht und was man braucht, um eSports zum Beruf machen zu können.

Das Leben als FIFA-Profi: Sercan Kara im Interview

Sercan, wann hast du gemerkt, dass du das beruflich machen willst?

eSport Profi Sercan Kara FC Red Bull

eSport Profi Sercan Kara, FC Red Bull Salzburg

Sercan Kara: Es gab keinen Zeitpunkt, an dem ich das beschlossen hätte. Es hat sich einfach ergeben. Ich hab hobbymäßig immer schon viel gezockt und wollte bei FIFA 17 bei einem Turnier mitspielen. Mich hat der Wettbewerb gereizt und ich wollte so weit kommen wie möglich. Das war auch das Jahr, in dem professioneller eSport seinen Durchbruch in Österreich hatte und sich die eBundesliga gegründet hat. Dadurch hatte ich dann die Chance, das Ganze professionell zu betreiben.

Wie sieht dein Alltag als eSports-Profi aus?

Sercan Kara: Ich besuche aktuell noch die Abendschule und davor wird so viel wie möglich gespielt. Gerade im Herbst ist das entscheidend, denn Ende September kommt immer das neue Spiel heraus und das muss man so viel wie möglich trainieren, bevor es an die Turniere Ende Oktober geht. Wenn dann ein großer Bewerb ansteht, spiele ich drei bis sechs Stunden pro Tag. Im Sommer kann ich eine Trainingspause einlegen, da spiele ich nur ein paar Stunden am Wochenende.

„Vor den großen Turnieren trainiere ich drei bis sechs Stunden pro Tag.“

Training und Content: die zwei Hauptaufgaben des eSports-Profis

Hast du einen Trainingsplan oder Ziel-Vorgaben?

Sercan Kara: Ich habe keine fixen Zeiten, aber weil ich selbst ja besser werden will, trainiere ich so viel ich kann. Die Ziele, die ich erreichen sollte, sind natürlich die eBundesliga-Titelverteidigung und den Weekend League Verified Status zu schaffen. Darum plane ich mit dem Verein sehr genau, an welchen Turnieren ich in der anstehenden Saison teilnehme.

Wie unterstützt dich das eSports-Team dabei?

Sercan Kara: Mein Team besteht aus Andres Torres, er war der erste Spieler bei FC Red Bull Salzburg und ist jetzt eSport-Botschafter, Maxi Mayerhofer, ein sehr junger Spieler, der heuer einen Rookie-Vertrag bekommen hat, und unserem Content Creator und YouTuber PaatoFIFA. Mit Andres und Maxi trainiere ich viel und wir besprechen, was wir verbessern können. Mit unserem Content Creator finden viel mehr Besprechungen statt, weil er laufend Postings über uns plant und produziert, etwa wenn wir im Stadion sind. Content-mäßig gibts immer was zu tun.

Skills im Check: Was ein eSport-Profi braucht

Welche Fähigkeiten sind deiner Meinung nach für einen eSportler wichtig?

Sercan Kara: Ich finde, Professionalität ist sehr wichtig. Wie man sich präsentiert, wie man den Sport vertritt. Die Profispieler sind nicht immer nur die allerbesten Gamer, obwohl sie natürlich zu den besten gehören, sondern es sind die, die eine professionelle Einstellung und professionelles Auftreten haben. Die auch wissen, wie sie guten Content kreieren, wie sie sich richtig auf Social Media präsentieren und eine große Reichweite erlangen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit und unterscheidet uns beispielsweise von normalen Fußballspielern. In der Community wird das auch sehr kontrovers diskutiert, denn viele verstehen nicht, warum einer Profi wird und der andere nicht. Das kommt eben daher, dass eSportler zu sein mehr bedeutet, als nur gut zu spielen. Das Gesamtpaket muss stimmen.

„Oft sind die Profis nicht die besten Spieler sondern die, die sich professionell auf Social Media präsentieren können.“

Was rätst du Spielern, die eSports zum Beruf machen möchten?

Sercan Kara: Ich empfehle da immer meinen Ablauf: Man muss bei Turnieren mitspielen, da lernt man sehr viel dazu. Außerdem sollte man seine Trainings auf der Konsole aufnehmen und sich immer wieder ansehen, was man verbessern kann.

Sponsoren und Fans: Warum eSport so gut läuft

Wie wichtig sind Sponsoren deiner Meinung nach?

Sercan Kara: Vereine und Sponsoren sind sehr wichtig, denn sie sorgen dafür, dass es Profis überhaupt geben kann. Sie sorgen dafür, dass du es dir finanziell leisten kannst, den Sport hauptberuflich auszuüben, und so helfen sie auch mit, dass sich die ganze Szene weiterentwickeln kann.

Warum, denkst du, ist eSport mittlerweile so beliebt? Warum sehen Menschen anderen Menschen so gern beim Spielen zu?

Sercan Kara: Ich denke, dass das immer schon interessant war. Nur hat es früher die Möglichkeiten noch nicht so gegeben, anderen zuzusehen. Jetzt geht das über die sozialen Medien und Plattformen wie Twitch. Warum das interessant ist, liegt für mich einfach daran, dass man gern wissen will, wie die Profis das machen. Wenn man selbst Fußball spielt, geht man ja auch ins Stadion und sieht denen zu, die das richtig gut können. Das ist bei eSports dasselbe.

Also sind die meisten Fans auch selbst aktive Spieler?

Sercan Kara: Ja, definitiv. Deswegen veranstalten wir auch viele „Beat the Pros“-Events. Da können Fans gegen uns Profis antreten.

„Als Kind habe ich auch Fußball ‚in echt‘ gespielt.“

Schaust du oder spielst du außer FIFA noch andere Spiele?

Sercan Kara: Ja, ich bin großer NBA-Fan und spiele auch NBA auf der Konsole. Übrigens habe ich als Kind auch Fußball „in echt“ gespielt. Außerdem verfolge ich noch Call of Duty und Counterstrike. Fortnite habe ich zuletzt auch angesehen, als die Weltmeisterschaft war. Sonst verfolge ich das Spiel nicht, aber dieses riesige Event mit den immensen Preisgeldern hat mich sehr fasziniert.

eBundesliga Finale

Sercan Kara beim eBundesliga-Teamfinale

Gehaltsfragen: Was verdient man mit FIFA?

Apropos Preisgelder: Wie ist das mit FIFA? Man verdient dabei nicht so gut wie bei Fortnite, DOTA oder League of Legends, habe ich gehört.

Sercan Kara: Ja, die genannten Spiele gibts schon viel länger und sie werden weltweit gespielt, da sind die Preisgelder viel höher. Außerdem sind das Computerspiele, die sind beliebter als Konsolenspiele. Ich denke aber, dass bei FIFA die Summen auch noch steigen können.

Für den Einzelbewerb in der eBundesliga gibts aktuell 5.000 Euro für den ersten Platz, der zweite bekommt 2.500 und der dritte 1.000. Für den Teambewerb gibts nochmal 5.000 Euro fürs Team, also 1.000 Euro pro Spieler. Die findet einmal im Jahr statt. Wir nehmen aber auch an der Qualifikation für internationale Spiele teil, da treten bis zu 400 Spieler aus ganz Europa an, und diese großen Turniere sind natürlich viel höher dotiert. Soweit ich informiert bin, gibts da 50.000 Euro für den ersten Platz.

„Das höchste Preisgeld bei FIFA sind 250.000 Euro.“

Aber wie gesagt, da muss man sich gegen sehr viele sehr gute Kontrahenten durchsetzen. Von diesen großen internationalen Turnieren finden acht pro Jahr statt, bei denen man auch immer Punkte für die Weltrangliste sammelt. Wer Ende des Jahres unter den Top 60 ist, qualifiziert sich für die WM und da hat ein Deutscher heuer 250.000 Euro gewonnen. Das ist das höchste Preisgeld bei FIFA.

„Nur vom Preisgeld kann man nicht leben.“

Also, nur mit den Preisgeldern ist das gar nicht so leicht, im Profisport zu überleben, oder?

Sercan Kara: Nein, nur vom Preisgeld kann man nicht leben. Das ist auch nicht die richtige Strategie. Man sollte definitiv versuchen, einen Verein beziehungsweise Sponsor zu gewinnen, damit man das finanzieren kann. Ich bekomme ja auch ein Gehalt vom FC Red Bull Salzburg.

Wie erlebst du eigentlich die Stellung von eSport in Österreich?

Sercan Kara: Natürlich kennen noch nicht sehr viele Menschen eSport, es gibt ihn in Österreich ja noch nicht so lange. Viele haben auch kein Verständnis, speziell die älteren Generationen. Für die Jüngeren ist das ganz normal und das ist letztlich wichtig, denn das ist unsere Zielgruppe. Es freut uns aber umso mehr, wenn auch ältere FIFA-Fans zu unseren Events und Spielen kommen.

eSports als neuer Unternehmenszweig: Business statt Kinderzimmer

Event und Brand Manager Christoph Breu

Christoph Breu, FC Red Bull Salzburg

Der eSports-Boom wäre nicht in dem aktuellen Ausmaß möglich, wenn es nicht Unternehmen gäbe, die ihn entsprechend fördern. Christoph Breu, Event und Brand Manager des FC Red Bull Salzburg erklärt uns, warum sich der Verein 2017 dazu entschieden hat, warum eSports eine zukunftsträchtige Branche ist und welche Jobs darin gefragt sind.

Christoph, warum, denkst du, erlebt eSports gerade so einen Boom?

Christoph Breu: Ich glaube, Gaming war schon immer präsent, wurde früher aber eher als eine Art Kinderzimmer-Thema gesehen. Mittlerweile sind die Spieler von damals erwachsen und es ist es vom Nischenmarkt zu einem riesigen Business geworden. In Asien und Amerika ist das schon länger gang und gäbe. In Japan oder China sind E-Sportler sogar mehr angesehen als Fußballspieler. Diese Faszination ist jetzt auch nach Europa herübergeschwappt und wird auch in unserer öffentlichen Wahrnehmung immer mehr.

„eSports wird sich in den nächsten Jahren im dreistelligen Millionenbereich ansiedeln.“

Die Broadcaster wie Sky oder Puls 4 haben jetzt auch dieses Potenzial erkannt und das Thema, das bis dato nur online eine Rolle gespielt hat, in den linearen TV gebracht. Wenn man den Prognosen glaubt, ist eSport ein Markt, der sich in den nächsten Jahren im dreistelligen Millionenbereich ansiedelt und ist nicht mehr außer Acht zu lassen. Auch die eSports-Branche in Österreich wird sich sicherlich sehr weiterentwickeln.

Welche Berufe im eSports künftig gebraucht werden

Denkst du, wird es dann auch mehr Jobs in dem Bereich geben?

Christoph Breu: Ja, davon geh ich aus. Man sieht ja, wie jetzt schon die eSport-Agenturen aus dem Boden schießen, weil alle das große Geld wittern. Ich glaube schon, dass es hier dann auch mehr Vollzeitjobs geben wird.

Welche Jobs werden das sein?

Christoph Breu: Merchandising kann ich mir gut vorstellen, spezialisierte Fitnesstrainer, das Managementwesen und Agenturen werden sicher auch größer. Coaches wie Mario Viska werden sicher auch mehr gefragt sein. Dann ist Marketing und Kommunikation auch extrem wichtig: YouTuber und Content Creator haben wir ja jetzt schon im Einsatz. In Zukunft wird es sicher noch mehr Bedarf an hochspezialisierten Profis geben, die sich sehr gut mit Contentgenerierung, Videoschnitt und Streaming von konkreten Spielen auskennen. Ich glaube, es werden sich noch viel mehr Jobs entwickeln, die wir jetzt noch gar nicht am Schirm haben.

Markenbekanntheit: eSports erreicht eine sehr junge Zielgruppe

Warum engagiert sich der FC Red Bull Salzburg so stark im eSport?

Christoph Breu: Wir haben vor ein paar Jahren mit kleinen FIFA-Events begonnen, weil wir gesehen haben, dass das Interesse bei unseren Fans sehr groß ist. Und weil wir uns als innovativster Verein Österreichs sehen, das ist auch in unserem Leitbild verankert, haben wir uns überlegt: Was ist eigentlich Innovation? eSport ist ein junger, aufstrebender Bereich, der für uns sehr spannend ist, und mit FIFA haben wir genügend Berührungspunkte – das Produkt ist ja immer noch Fußball. Darum wollten wir das Wagnis eingehen und in den Bereich investieren. Vor zwei Jahren haben wir dann mit Andres Torres den ersten eSportler Österreichs unter Vertrag genommen und haben begonnen, den Sport in Österreich langsam aufzubauen. Damit möchten wir natürlich auch eine junge Zielgruppe, die Generation Y und Z, erreichen.

„Mit eSport möchten wir eine junge Zielgruppe erreichen.“

Das heißt, euer Einsatz im eSport ist im Endeffekt eine Marketingmaßnahme?

Christoph Breu: Ich denke, jede Marke überlegt sich, wie sie Jugendliche erreichen und an sich binden kann. Wir wussten, es gibt so viele junge Menschen, die im eSport aktiv sind oder über Twitch Streamings konsumieren. Für die sind die Leistungen eines Andres Torres oder eines Sercan sehr viel greifbarer als die eines Profifußballers und sie können sich mehr mit ihnen identifizieren.

Hast du das Gefühl, dass der reale Sport und eSport voneinander profitieren können?

Christoph Breu: Die Materie ist komplett unterschiedlich – das zeigt sich allein an der vieldiskutierten Frage, ob es Sport ist. Ich denke, dass es sehr wohl Sport ist, weil du genauso körperlich und mental fit sein musst, um Leistung erbringen zu können. Dahingehend glaube ich auch, dass die beiden Bereiche voneinander profitieren können. Unsere Jungs können unsere sportlichen Einrichtungen nützen, können von unseren Trainingsmethoden profitieren, speziell wenn es um Fitness- und Mentalcoachings geht. Unsere Philosophie, wie wir Fußball denken, geht damit auch in eSport über: Wir wollen junge Talente aufs nächste Level bringen und unterstützen sie dabei.

Ehrgeiz und Fitness: wie eSportler erfolgreich werden

Welche Fähigkeiten braucht deiner Meinung nach ein professioneller eSportler, um erfolgreich zu sein?

Christoph Breu: Wie in jeder Sportart braucht ein eSportler Ehrgeiz, ein Ziel vor Augen und den Willen, es durchzuziehen. Eine ganz wichtige Komponente ist die mentale Stärke, um gut mit Druck umzugehen. Denn ein Spiel im eSport ist sicher viel spannender als ein 90-Minuten Fußballspiel, das du als einer von elf bestreitest. Du hast zwei Halbzeiten á 5 Minuten und musst diese 10 Minuten wirklich voll konzentriert sein.

„Ein Spiel im eSport ist sicher viel spannender als ein 90-Minuten Fußballspiel.“

Du bist auf dich allein gestellt und darfst dich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn du zwei Tore hinten liegst. Fitness ist dabei sehr wichtig, denn je fitter dein Körper ist, umso fitter ist auch dein Geist. Und die kognitiven Fähigkeiten wie Auge-Hand-Koordination sind natürlich auch essenziell. Da werden einzelne Bewegungsabläufe, spezielle Daumenbewegungen beispielsweise, bis ins Detail einstudiert und trainiert.

Wie unterstützt ihr eure Profis bei der täglichen Arbeit?

Christoph Breu: Wir haben einen Trainer, der mit den Spielern Videoanalysen macht, sie profitieren außerdem von unserem Netzwerk aus Sparringpartnern für Trainings und wir verfügen seit kürzester Zeit über eine eigene eSports Area bei uns in der Red Bull Arena, in der man höchstprofessionelle Bedingungen vorfindet. Natürlich unterstützen wir unsere Spieler auch monetär und können sie dank unserer Partner und Sponsoren mit super Equipment ausstatten. In näherer Zukunft sind auch Workshops mit Fitness- und Ernährungscoaches geplant, um ihnen das entsprechende Know-how an die Hand zu geben.

Wie sieht die monetäre Unterstützung aus?

Christoph Breu: Es gibt eine Aufwandsentschädigung und Prämien, aber noch in einem eher kleinen Umfang, weil der Bereich noch sehr jung ist. Wir möchten aber, dass unsere Spieler nicht noch nebenbei arbeiten gehen müssen, sondern sich auf den eSport konzentrieren können. Darum unterstützen wir sie finanziell.

 

Bildnachweis: FC Red Bull Salzburg – gepa-pictures

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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