Viel Disziplin macht viel Arbeit: Die Kehrseite der Selbstkontrolle

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 8. Oktober 2015 um 10:20

Disziplinierte Menschen legen im Job und auch im Privatleben oft ganz schön vor: Sie bekommen Arbeitsleistung, Hobbys und soziale Kontakte dank guter Planung und Selbstkontrolle spielend unter einen Hut. Ganz schön beeindruckend, oder? Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille, wie Forscher in einem Experiment herausgefunden haben.

Susanne hat im Job alles unter Kontrolle. Sie hat bei allen Projekten stets den Überblick, vergisst keine Deadlines und springt für Kollegen oft in die Bresche. Anspruchsvolle Aufgaben landen oft auf ihrem Schreibtisch, denn alle wissen: Susanne erledigt auch schwierige Tasks gut. Abseits vom Job findet sie auch noch Zeit für Freunde, Sport und Hobbys. Dass Susanne den Überblick behält und in ihrem Leben so viele Dinge unter einen Hut bekommt, verdankt sie ihrer Selbstkontrolle. Sie setzt sich Ziele und arbeitet dann daran, diese zu erreichen.

Negative Aspekte der Disziplin

Studien zufolge sind Menschen mit viel Selbstkontrolle im Leben oft zufriedener, gesünder und erfolgreicher als jene Personen, die über wenig Disziplin verfügen. Dank ihrer Selbstkontrolle gelten sie außerdem als verlässliche und vertrauensvolle Mitmenschen. Einen Haken hat die Sache jedoch: Oft wird von ihnen erwartet, dass sie Aufgaben schneller und leichter bewältigen als andere Personen – letztendlich werden ihnen so immer mehr oder anspruchsvollere Aufgaben anvertraut.

Der Frage nach der Kehrseite der Selbstkontrolle ging laut Plattform Forschung erleben ein Forscherteam nach. Das Team um Christy Zhou Koval vermutete, dass Personen mit hoher Selbstkontrolle aufgrund der zusätzlichen Aufgabenverantwortlichkeit oft wenig Zeit für eigene Pläne und Projekte bleibt. Während sie das selbst als Belastung wahrnehmen, nimmt die Außenwelt das nicht unbedingt wahr. Dieser Umstand könnte letztlich zu Unzufriedenheit bei den Betroffenen sorgen.

Wen trifft die hohe Arbeitsbelastung?

Überprüft wurde diese Annahme mit einem Experiment. Angestellte verschiedener Unternehmen füllten online einen Fragebogen aus. In diesem wurden Selbstkontrolle, die Bereitschaft zu persönlichen Opfern für das Team und das Belastungsempfinden bei diesen Tätigkeiten erfasst. Zusätzlich wurden Vorgesetzte und Kollegen der befragten Angstellten dazu befragt, wie sie diese drei Aspekte bei den Zielpersonen einschätzten.

So fiel das Ergebnis der Befragung aus: Personen mit hoher Selbstkontrolle berichteten von mehr Opferbereitschaft für ihre Kollegen. Damit einhergehend berichteten sie auch, das als Belastung zu empfinden. Diese Opferbereitschaft wurde von Vorgesetzten und den Kollegen durchaus wahrgenommen. Sie bemerkten aber nicht, dass dies auch eine stärkere Belastung für die Betroffenen darstellte. Vermutet wird, dass sich diese Unstimmigkeit zur Arbeitsunzufriedenheit bei Personen mit hoher Selbstkontrolle entwickeln kann.

Abgeleitet aus diesen Studienergebnissen bleibt nur folgendes zu empfehlen: Öfter einmal „Nein“ sagen, wenn man gebeten wird, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen und gegenüber den Kollegen und dem Vorgesetzten die hohe Belastung ansprechen.

Bildnachweis: Duncan Andison / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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