Back To Work: So gelingt die Rückkehr nach dem Krankenstand

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 10. März 2015 um 11:02

Sicherheitsvorkehrungen in der Maschinenhalle, gesundes Mittagessen und gratis Sportangebote: Österreichs Unternehmen tun einiges, um ihre Mitarbeiter gesund zu erhalten. Aber wie sieht es aus, wenn erkrankte Arbeitnehmer längere Fehlzeiten hinter sich haben und wieder ins Berufsleben zurückkehren möchten? Betriebliches Eingliederungsmanagement unterstützt Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei der Rückkehr nach dem Krankenstand.

Nach dem Krankenstand: Ich bin wieder da

Die Genesung nach dem Autounfall verlief gut. Silke kehrt nach mehrwöchigem Krankenstand und Reha an ihren Arbeitsplatz zurück. So fit wie vor dem Unfall ist sie noch nicht, im Großen und Ganzen aber wiederhergestellt. Beim Betreten des Büros freuen sich die sichtlich erschöpften Kollegen über ihre Rückkehr. Der Chef ruft sie zum Gespräch und erwähnt nach seiner Begrüßung, dass jetzt wieder vollster Arbeitseinsatz gefragt ist. Das Team kam in ihrer Abwesenheit mit vielen Überstunden gerade so über die Runden, aber jetzt ist Silke ja wieder da. Mit einem schmerzenden Rücken kehrt sie an ihren Schreibtisch zurück, um sich wieder in die Arbeit einzufinden. Es wird ein langer Tag.

Die Rückkehr an den Arbeitsplatz

Silkes Krankenstand war für alle unangenehm: Für sie selbst, für ihre Kollegen im Team und für den Arbeitgeber. Wie gelungene Rückkehr nach einem längeren Krankenstand aussehen kann, damit beschäftigt sich Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM). Egal ob Bandscheibenvorfall, Burn-out, chronische Krankheit oder Unfall: Dass Arbeitnehmer mehrere Wochen pro Jahr im Job fehlen, ist keine Seltenheit. 2013 haben österreichische Arbeitnehmer laut WIFO-Fehlzeitenreport rund 13 Tage im Krankenstand verbracht. Damit es gar nicht erst zu Krankheit oder anderer Schädigung kommt, darum kümmert sich die Arbeitssicherheit. Betriebliche Gesundheitsförderung zielt darauf ab, die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten. Das funktioniert in vielen österreichischen Betrieben gut bzw. ist gesetzlich verankert. Arbeitgeber sollten aber auch im Blick haben, was nach einem Unfall oder einer Erkrankung bei der Rückkehr des Arbeitnehmers geschieht.

Krank Arbeit

Für welche Unternehmen macht das Sinn?

Klaus Wögerer

Klaus Wögerer

BEM macht grundsätzlich in jedem Unternehmen Sinn. Es gibt aber Unterschiede in der Herangehensweise.  „Eine Struktur für Betriebliches Eingliederungsmanagement macht Sinn für mittelständische Betriebe, ab cirka 150 oder 250 Arbeitnehmern. Bei kleineren Unternehmen mit weniger Mitarbeitern fällt es ohnehin eher auf, wenn jemand längere Zeit fehlt. Bei großen Firmen kann es eher passieren, dass ein längerer Krankenstand unter den Tisch fällt“, erklärt Klaus Wögerer von Betriebsservice con|tour gmbh, einer Einrichtung, die Unternehmen zum Thema BEM berät. Die Vorgehensweise beim betrieblichen Eingliederungsmanagement erfolgt strukturiert und geplant. Es handelt sich dabei um eine Managementstruktur, die sich an alle Arbeitnehmer richtet. Die Rückkehr nach Unfall oder Krankheit wird so nicht dem Zufall überlassen.

Voraussetzungen für den Prozess

•    Bewusst
•    Strukturiert
•    Freiwillig
•    Vertrauensvoll

So läuft BEM ab

Die Idee hinter BEM sieht laut Wögerer folgendermaßen aus: „Wenn ein Arbeitnehmer nach längerer Abwesenheit wieder in den Betrieb zurückkehrt, begleitet ein BEM-Beauftragter seine Wiedereingliederung.“ Von einer längeren Fehlzeit spricht man, wenn ein Arbeitnehmer länger als sechs Wochen abwesend ist. Das kann am Stück sein, oder auch über ein Jahr verteilt.  BEM-Beauftragte können Betriebsräte, Arbeitsmediziner, externe  Coaches oder jemand aus der Personalabteilung sein. „Führungskräfte können ebenfalls als BEM-Beauftragte tätig sein. Meist wird laut Wögerer aber versucht, den Prozess von Führungskräften zumindest anfangs zu entkoppeln.

Meeting

Nach der Rückkehr aus dem Krankenstand werden Betroffene von einem BEM-Beauftragten kontaktiert. In einem ersten Gespräch wird gemeinsam evaluiert, welche Maßnahmen für die Rückkehr an den Arbeitsplatz notwendig sind. Was der Arbeitnehmer für seine Rückkehr benötigt, kann sehr unterschiedlich sein: Ein Gespräch, ein spezieller Sessel für den Arbeitsplatz, Arbeitszeitreduktion für ein paar Monate oder den Verweis an externe Beratungsstellen. Aus Einzelfällen können außerdem Maßnahmen für die gesamte Belegschaft gezogen werden.

Angebot für alle – aber keine Kontrollmaßnahme

Es kann auch sein, dass nach längerem Krankenstand keine Maßnahmen notwendig sind oder Arbeitnehmer nicht am Prozess teilnehmen möchten. „Mit BEM kann man aber auch an Grenzen stoßen. Zum Beispiel, wenn ein sehr schwerer Unfall passiert ist und für den Betroffenen im Unternehmen kein geeigneter Arbeitsplatz zu finden ist“, sagt Wögerer. Und: BEM ist kein Kontrollprogramm. Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung bieten Hilfe und Maßnahmen an. Arbeitnehmer entscheiden selbst, ob sie Hilfe in Anspruch nehmen möchten, oder nicht.

Zur Info

Betriebsservice.info unterstützt Arbeitgeber in allen Fragen rund um die Themen Arbeit und Behinderung, ältere Mitarbeiter sowie zur betrieblichen Eingliederung mit Beratung und Serviceangeboten. Zu BEM wird kostenfreie Beratung für kleine und große Unternehmen geboten.

Bildnachweis: successo images/ Shutterstock; Anothai Thiansawang / Shutterstock; dotshock / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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