Spielend bewerben: Recruiting Games im Kommen

von in HR am Montag, 6. August 2012 um 10:48

Der Onliner spielt gerne und genau diese Tatsache haben auch immer mehr Firmen für sich entdeckt – und den Spieltrieb der (vor allem jungen) Internetuser geweckt. Mit Hilfe von Recruiting Games, einer Sonderform der Serious Games, sollen die Bewerber auf das Unternehmen aufmerksam gemacht und auf ihre Eignung getestet werden. Einer der Recruiting-Games-Vorreiter weltweit ist übrigens die U.S. Army, die mit ihrem Spiel „America’s Army“ die Bewerbungen steigern konnte.

Den „echten“ Arbeitsalltag im Spiel durchleben

Das Prinzip der Recruiting-Games ist schnell erklärt: Die Spieler können in realistischen Szenarien ihr Wissen, ihre Belastbarkeit und ihre generelle Eignung für den Job unter Beweis stellen – der Vorteil für die Spieler ist, dass sie ihren künftigen Berufsalltag kennenlernen können, wie orf.at berichtete. Das Spiel gibt den Unternehmen also die Möglichkeit, zukünftige Aufgaben der Bewerber in einem großen Zusammenhang darzustellen. So sieht die zukünftige Fachkraft nicht nur, was die eigene Aufgabe ist sondern auch, was davor und was danach kommt. Die Hauptzielgruppe von Recruiting Games ist ohne Frage die heiß begehrte, junge und spielende Generation Y. Denn die jungen Menschen dieser Generation sind mit Computerspielen aufgewachsen und für den spielerischen Zugang zum Thema Arbeit und Ausbildung daher sehr offen.

Virtuelle Karriere als Test für die Bewerber

Doch wie funktionieren die Spiele? Im Grunde sind sie eine kluge Kombination aus Wissenstest, Assessment-Center und  jobspezifischen Prüfungen – etwa auf Stressresistenz oder Kreativität. Für Unternehmen hat der Einsatz solcher Spiele zwei große Vorteile: Einerseits erreichen sie die Onliner rasch und einfach, denn die Bewerber kommen von selbst. Andererseits können sie die späteren Bewerbungskandidaten durch die Spielauswertung schon vor dem ersten persönlichen Gespräch einschätzen bzw. testen. Derzeit setzen bekannte Firmen wie etwa der Kosmetikhersteller L’Oreal, der französische Postdienstleister Formaposte oder die Commerzbank auf Recruiting Games. Die Lufthansa bietet eine Art Berufsorientierungsspiel, die die Wahl der richtigen Ausbildung im Unternehmen erleichtern soll. Es wird erwartet, dass bis 2014 ein Großteil der Top-2000 Firmen derartige Games einsetzen wird, wie das Beratungsunternehmen Gartner Group berichtet. Der Einsatz von Serious Games ist dabei in mehreren Formen möglich: sei es für interne Trainings von Mitarbeitern oder eben für die Rekrutierung.

Von Ärgereien mit Gästen bis hin zur richtigen Fischbestellung

Wie realitätsnahe (oder eben nicht) die Spiele dabei sind, zeigen folgende Beispiele: Die Marriott Gruppe etwa zeigt potentiellen neuen Mitarbeitern in einem Facebook-Spiel, wie stressig der Hotelalltag ist. Alle möglichen Überraschungen müssen ebenso gemeistert werden, wie die Fischbestellung, ein Businessplan oder das Beruhigen eines aufgebrachten Gastes. In einem weiteren Spiel muss man als Bartender den Gästen die Wünsche von den Augen ablesen, in wieder einem anderen Post austragen und dabei nicht die Nerven verlieren. Die These ist: Besteht man das Spiel ist die Chance groß, auch im Job zu bestehen. Der französische Postdienstleister Formaposte begründet seinen Einsatz von Recruiting Games damit, dass rund ein Viertel der Lehrlinge unter anderem aufgrund fehlender Motivation ihre Arbeit nach der Probezeit wieder abbrechen würden. Durch das Spiel sollen die Jugendlichen einen möglichst realistischen Eindruck vom Arbeitsalltag bekommen.

Gesenkte Erwartungen an den Job senken das Frust-Risiko

Welche Erfolge der Einsatz von simulativen Einblicken in das Unternehmen hat, wurde bereits vor mehr als 20 Jahren untersucht, wie Wirtschaftspsychologie aktuell berichtete. Die vier grundlegenden Vorteile sind folgende:

  1. Durch den realistischen Eindruck werden die Erwartungen an den Job gesenkt und die Folge ist, dass es mit geringerer Wahrscheinlichkeit zur Frustration kommt.
  2. Mitarbeiter, die auf die Anforderungen eines Jobs – etwa viel Stress – vorbereitet wurden, kommen mit diesen besser zurecht.
  3. Gibt ein Unternehmen einen authentischen Einblick, werden die Jobs besser akzeptiert.
  4. Durch die realistische Darstellung werden sich Leute, die damit wenig bis nichts anfangen können, eher aus dem Bewerbungsprozess zurückziehen.

Übrigens: Für alle, die noch mehr Infos wollen bzw. Blut geleckt haben, gibt es hier den Link zum deutschen Unternehmen Cyquest, Spezialist der ersten Stunde für spielerische Selftest-Lösungen & Co.

Fotonachweis: Colourbox, Lufthansa

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren