Privates am Schreibtisch: Wie viel ist zu viel?

von in Arbeitsleben am Montag, 20. Januar 2014 um 20:34

Es ist nun einmal so: Wir verbringen die meiste wache Zeit in der Arbeit. Naheliegend daher der Wunsch vieler, sich im Büro wohlzufühlen. Private Gegenstände wie Fotos & Co. sollen dabei helfen. Wie viel Privates aber haben die Österreicher tatsächlich am Schreibtisch? Eine überraschende Antwort auf diese Frage liefert eine aktuelle karriere.at Online-Umfrage. Ob Foto vom Liebsten oder Glücksbringer aus Plüsch: Der Grat zwischen „in Ordnung“ und „zu viel“ ist schmal. Welche Wirkung zu viel Privates haben kann und wie die rechtliche Lage aussieht, verraten zwei Experten im Interview.

„Ich trenne Job und Privates“

privates-am-arbeitsplat-karriere.at„Kinderfotos, Pflanzen & Co.: Wie viel Privates haben Sie am Arbeitsplatz?“ Diese Frage stellte karriere.at in seiner jüngsten Online-Umfrage. Das Ergebnis ist überraschend: Denn wer meint, dass die meisten Arbeitnehmer zumindest ein privates Foto, eine Postkarte oder sonstiges in ihrem Arbeits-Blickfeld haben, der irrt. Fast jeder Zweite (!) gab an, nichts Privates am Schreibtisch zu haben. Die Begründung: „Ich trenne Job und Privates.“ Dem gegenüber stehen 21 Prozent der Befragten. Für sie gilt: „Mein Arbeitsplatz ist völlig in meinem Stil gestaltet.“

Wie viel ist zu viel?

19 Prozent gaben an, den Arbeitsplatz zwar individuell zu gestalten, sich dabei jedoch an Firmenrichtlinien zu halten. Für 13 Prozent endet die Schreibtisch-Personalisierung beim Foto von dem oder der Liebsten. So weit zu den Fakten. Doch welche Funktion hat sie eigentlich, die Dekoration des Arbeitsplatzes? Was sagt sie über einen Menschen aus und wie viel ist zu viel?

„Der Schuss kann auch nach hinten losgehen“

Christa Schirl

Christa Schirl

Vorweg muss freilich erwähnt werden, dass nicht jeder Arbeitnehmer den Freiraum hat, seine eigenen „vier Wände“ im Unternehmen zu gestalten. Es gibt Arbeitsumgebungen, in denen dies einfach nicht möglich oder gestattet ist – etwa dann, wenn es viel Kundenkontakt gibt. Für alle anderen gilt jedoch: Der Mittwelweg ist der richtige Weg. Weshalb dies so ist, erklärt Psychologin Christa Schirl. „Das Aufstellen von Bildern und anderen privaten Gegenständen kann sehr motivierend und wichtig sein – der Schuss kann jedoch auch nach hinten losgehen.“

Fotos können zu wichtigen Ankern werden

UrlaubsfotoPositiv und förderlich wirken Bilder, Urlaubserinnerungen & Co. vor allem dann, wenn sie positiven Einfluss haben, jedoch nicht ablenken, so Schirl. „Vor allem Menschen, die schnell in die Überlastung gehen, können durch solche Gegensände daran erinnert werden, was neben der Arbeit noch zählt. Urlaubsbilder und dergleichen zeigen den Menschen, dass das Leben nicht nur aus Stress und Arbeit besteht. Wir nennen dies in der Psychologie Anker.“ Es gibt jedoch auch Situationen, in denen von Fotos & Co. eher abgeraten wird. „Angenommen eine junge Mutter geht nach der Karenz wieder arbeiten, wäre jedoch lieber bei ihrem Kind. Hier kann ein Foto stark ablenkend wirken“, so Schirl. Weiters sei es besonders wichtig, nicht zu übertreiben – und zwar aus drei wichtigen Gründen.

Warum man es nicht übertreiben sollte

  1. Daheim ist daheim ist nicht im Büro: Man sollte sich im Büro wohlfühlen können, keine Frage. Zu gemütlich sollte es aber auch nicht sein, denn es handelt sich schließlich immer noch um einen Arbeitsraum. Platz für Kerzen und Gemütlichkeit gibt es eher zu Hause.
  2. Kein zweites Wohnzimmer: Wer sich den Arbeitsplatz zu gemütlich einrichtet, läuft Gefahr, diesen als zweites Wohnzimmer zu sehen. Vor allem „Zuviel-Arbeiter“ sind gefährdet, durch einen stark personalisierten Schreibtisch noch mehr aufs Heimgehen zu vergessen.
  3. Auch Kollegen haben Augen: Je nach Arbeitssituation heißt es, auch Rücksicht auf die Kollegen zu nehmen. Gerade dann, wenn man Schreibtisch an Schreibtisch arbeitet, sollte etwa geklärt werden, ob die eigene Vorliebe für große Grünpflanzen auch geteilt, oder eher als störender Dschungel empfunden wird.

Wie viel Privates ist erlaubt?

VersoehnungZum Thema störender Dschungel: Wie viel Privates am Arbeitsplatz ist eigentlich erlaubt? Wie die Experten der Arbeiterkammer OÖ sagen, gibt es zu diesem Thema keine ausdrücklichen Regelungen. Firmen können jedoch vor allem bei Bereichen mit Kundenkontakt das Erscheiunungsbild der Büroräumlichkeiten bestimmen und das private Dekorieren einschränken. „Zudem gibt es in Unternehmen mit Betriebsrat die Möglichkeit, die Frage von privaten Gegenständen am Arbeitsplatz generell zu regeln“, so AK-Präsident Johann Kalliauer. Er empfiehlt jedoch, sich im Vorfeld mit den Arbeitskollegen abzusprechen, um Streitigkeiten zu vermeiden.

61 Prozent der Arbeitgeber sagen: Was die Kollegen nicht stört, ist erlaubt

juergen_smidSo viel zur Rechtslage. Wie sieht jedoch der Alltag in den heimischen Unternehmen aus? Die Antworten der befragten auf Arbeitgeberseite (216 Befragte) zeichnen ein deutliches Bild: 61 Prozent der Befragten HR-Manager, Unternehmer und Führungskräfte geben an, dass erlaubt sei, was Kollegen nicht stört. Sechs Prozent der Befragten sagen sogar: „Alles ist erlaubt“. Nur Kleinigkeiten sind bei jedem dritten Arbeitgeber gern gesehen – das Motto lautet hier: „Nur nicht auffallen“. Lediglich zwei Prozent der Chefs verbieten Privates am Arbeitsplatz strikt. „Jedes Unternehmen muss in dieser Hinsicht seine eigene Lösung finden. Grundsätzlich sollte man jedoch davon absehen, Privates am Arbeitsplatz ganz zu verbieten, solange dies das repräsentative Ambiente eines Unternehmens nicht beeinträchtigt“, kommentiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid die Ergebnisse.

„Kitsch oder wichtiger Wohlfühlfaktor“

„Jeder Arbeitnehmer hat andere Ansprüche an seine unmittelbare Arbeitsumgebung. Während Privates für die einen bloß Kitsch ist, können Familienbilder und persönliche Gegenstände für andere wichtige Faktoren sein, um sich im Job wohl zu fühlen, was sich wiederum auch auf die Produktivität im Unternehmen auswirkt.“

Bildnachweis: ollyy / Quelle Shutterstock, karriere.at, Syda Productions / Quelle Shutterstock, Africa Studio / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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