Die Wünsche der Führungskräfte? Bitte keine Querdenker!

von in Arbeitsleben, HR am Montag, 30. März 2015 um 10:39

Innovativ, flexibel und hochmotiviert – sieht so der ideale Arbeitnehmer aus? Von welchen Idealvorstellungen Personalentscheider und Führungskräfte träumen, wurde im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit an der Fernuniversität Hagen jetzt untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass man als Bewerber besser mit Angepasstheit als mit Tatendrang glänzt – und dass Personalauswahl nach ewig gleichen Kriterien einem Unternehmen sogar schaden kann.

Der ideale Bewerber?

Die Wunschvorstellungen der Führungskräfte hinsichtlich eines idealen Bewerbers hat Andrea Derler im Rahmen ihrer Dissertation an der Fernuniversität Hagen untersucht. Die Ergebnisse sollen Arbeitgebern helfen, ihre Personalpolitik besser einzuschätzen. Von Interesse ist auch, warum manche Unternehmen flexibler auf Marktveränderungen reagieren und mehr Innovation an den Tag legen. „Über persönliche und fachliche Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden haben Führungskräfte implizite Idealvorstellungen“, fasst Derler den Forschungsstand zusammen. Offen ist hingegen: „Welche Idealvorstellungen das genau sind.“ „Den meisten Führungskräften sind ihre impliziten Anforderungen nicht bewusst“, sagt Derler.

Das wünschen sich Führungskräfte:

Um diese Frage zu klären, hat die Forscherin 138 Führungskräfte aus Deutschland und Österreich befragt. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten arbeitet im mittleren Management, ein Drittel in unteren Führungsebenen, der Rest im Top-Management. Alle Studienteilnehmer sind in der Dienstleistungs-, Automobil- und IT-Branche sowie im Ingenieur-Bereich tätig.

Die Top 5 der gewünschten Eigenschaften

  1. Verlässlichkeit
  2. Produktivität
  3. Loyalität
  4. Begeisterung
  5. Fleiss

Verlässlich, produktiv und loyal – so sieht der ideale Mitarbeiter laut befragten Führungskräften aus. Wenn er auch noch Begeisterung für den Job mitbringt und fleißig ist – umso besser. Führungskräfte in Konzern-Kulturen und Großunternehmen wissen übrigens am genauesten, was sie von ihren Arbeitnehmern erwarten: Viel Leistung, schnelle Resultate. Anders sieht es in den sogenannten „Flexiblen Organisationen“ aus. Die Führungskräfte dieser Unternehmen haben kein so konkretes Ideal-Profil eines Mitarbeiters. Andrea Derler über den Grund dafür: „Sie sind innovationsorientiert und bieten Mitarbeitenden Raum, das eigene Potenzial zu entfalten. Diese Unternehmen passen sich nicht einfach nur dem Markt an, sie gestalten ihn auch aktiv.“

Diese Eigenschaften sind unerwünscht

Die Wunschliste der Arbeitgeber geht noch weiter. „Die meisten der untersuchten Unternehmen bevorzugen angepasste Beschäftigte“, so Derler. Unter den zehn erwünschtesten Eigenschaften finden sich daher auch noch Fleiß, Höflichkeit und Teamfähigkeit. Diese Eigenschaften sehen Führungskräfte weniger gerne: Selbstbewusstsein, Unbelehrbarkeit und die Abweichung von Firmentrends. Wer immer auf denselben Typus Bewerber zurückgreift, tut dem Unternehmen allerdings nichts Gutes: Es führt dazu, dass immer Bewerber mit ähnlichen Eigenschaften ausgewählt werden. Im Zweifelsfall würde das ein Unternehmen nicht voranbringen, weil Beschäftigte mit Innovationspotenzial fehlen. „Es ist ein Widerspruch zwischen Außendarstellung und gelebter Praxis. Denn die meisten der befragten Unternehmen sehen sich als innovativ und offen für Neues“, fand Derler heraus.

Bildnachweis: Khakimullin Aleksandr / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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