Keine Lust auf Wartezeiten: Jeder zweite Bewerber springt wieder ab

von in HR, Jobsuche am Donnerstag, 8. September 2016 um 10:45

Bewerber müssen manchmal vor allem eins mitbringen: Geduld. Denn bewerben heißt auch warten. Das kann nicht nur für Kandidaten ärgerlich sein, sondern auch für Arbeitgeber – nämlich dann, wenn der Wunschkandidat plötzlich nicht mehr zu haben ist.

Einstellungsprozesse dauern immer länger, das hat eine Befragung durch Robert Half unter 100 österreichischen HR-Managern ergeben. 60 Prozent der österreichischen Personalmanager geben an, dass die Besetzung offener Stellen von Jahr zu Jahr länger dauert:  Elf Prozent der HR-Manager sprechen von erheblichem Zeitverzug, 49 Prozent sagen, dass sich Recruitingprozesse „etwas verzögert“ haben.

Warum dauert es so lange?

  • Häufigster Grund für lange Vakanzen ist der Mangel an geeigneten Kandidaten. Rund 72 Prozent der Personaler geben an, dass die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern immer schwieriger wird.
  • Bei mehr als der Hälfte der befragten Arbeitgeber springen Kandidaten vor Vertragsunterzeichnung ab und nehmen ein anderes Angebot an.
  • Die Ansprüche der Bewerber an Arbeitgeber steigen: Für 35 Prozent der Personaler führt das zu Verzögerungen im Auswahlprozess.
  • Etwa jeder vierte Arbeitgeber führt zusätzliche Gesprächsrunden mit Kandidaten durch und benötigt deshalb mehr Zeit für’s Recruiting.

„Der Einstellungsprozess spielt eine maßgebliche Rolle im Kampf um Talente. Hier gewinnt der Bewerber einen ersten und wichtigen Einblick über die Unternehmenskultur. Entsteht dabei das Gefühl, die eigene Karriere würde durch lange Entscheidungsprozesse ausgebremst, kann das zum entscheidenden Nachteil für das einstellende Unternehmen werden“, sagt Sven Henninge, Senior Managing Director bei Robert Half.

Die Auswahl eines geeigneten Mitarbeiters braucht Zeit – daran ist nichts zu ändern. Optimierte Bewerbungsprozesse helfen trotzdem, wertvolle Zeit zu sparen.

1. Wissen, wen man eigentlich sucht

Vollzeitstelle oder Teilzeitkraft, unbefristeter Arbeitsvertrag oder neuer Mitarbeiter auf Zeit? Recruiting nach dem Gießkannenprinzip scheint auf den ersten Blick verlockend, viel hilft aber nicht immer viel. Wer vor Start des Recruitingprozesses weiß, was er genau braucht, kann schneller und zielgerichteter suchen.

2. Alle Entscheider mit an Bord

Ein fixer Zeitplan für den Einstellungsprozess hilft dabei, nicht den Überblick zu verlieren und sich zeitlich zu verzetteln. Gute Vorarbeit macht sich bezahlt: Alle Entscheider müssen sich einig sein, dass die Besetzung einer offenen Stelle Priorität hat. Unklarheiten und offene Fragen bereits im Vorfeld beseitigen bzw. klären – hier macht sich gute Vorarbeit wieder bezahlt: In welchen Bereichen können wir Kompromisse eingehen, welches Gehalt ist maximal drin und welche Zuckerl können Bewerbern zugesagt werden?

3. Rund ums Vorstellungsgespräch

Ein erstes Kennenlernen kann auch per Telefon oder Videokonferenz durchgeführt werden. Damit kommt man vor allem Bewerbern entgegen, die eine längere Anreise auf sich nehmen müssten. Beim entscheidenden Gespräch müssen alle Entscheider an einen Tisch, damit unmittelbar nach dem letzten Jobinterview Präferenzen schnell abgesteckt werden. Nicht auf das Feedback des Wunschkandidaten vergessen: Ein kurzer Anruf genügt, um abzuklären, ob von beiden Seiten Interesse besteht.

4. Bewerber laufend informieren

Wer auf Jobsuche ist, hat oft mehrere Eisen im Feuer. Während ein Arbeitgeber den Bewerber warten lässt, ist ein anderes Unternehmen vielleicht schon schneller. Kandidaten deshalb informieren, wann die finale Entscheidung voraussichtlich getroffen wird. Wenn dieser Termin nicht eingehalten werden kann, sollte man kurz Bescheid geben.

5. Jobangebot unterbreiten

Die Zusage an den Bewerber erfolgt am besten telefonisch. Es könnte aber sein, dass über Gehalt oder andere Dinge nochmals kurz verhandelt werden muss. Gemeinsam wird nicht nur das Eintrittsdatum verhandelt, sondern auch, wann die Vertragsunterzeichnung erfolgen soll – im Idealfall möglichst zeitnah.

Bildnachweis: goodluz/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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