Die Arbeitswelt der Frau S. – Krach am Arbeitsplatz

von in Arbeitsleben am Montag, 16. Juni 2014 um 14:09

Die Kommunikation ist manchmal ein Hund! Die gleiche Sprache zu sprechen, heißt nämlich noch lange nicht, den anderen auch wirklich zu verstehen. Allzu oft denken Sender (der, der etwas sagt) und Empfänger (der, der das Gesagte aufnimmt) auf unterschiedliche Art und Weise. Missverständnisse am laufenden Band sind dann programmiert.

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Kommunikation – komplex und kompliziert

Man könnte eigentlich annehmen, dass Kommunikation doch nicht so schwer ist: Einer sagt etwas, der andere nimmt das Gesagte auf und versteht es – genau so, wie es der eine auch gemeint hat. Ein Blick in den Alltag macht allerdings klar, dass Kommunikation in vielen Fällen folgerndermaßen abläuft: Der eine sagt etwas und der andere missversteht es prompt. Der Grund? Ganz „einfach“: Kommunikation ist nicht nur der Austausch von sachlicher Information. Allein zwei Drittel des Gespräches laufen nonverbal ab, sprich über Gesten, Körperhaltung, Mimik, Sprachbetonung oder Sprachmelodie. Verpackt mit diesen Beigaben kann das verbal Gesagte plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Noch viel komplizierter macht es dann zusätzlich die Bewertung des Botschaftsempfängers. Wir nehmen Information nämlich nicht nur sachlich auf, sondern sehen sie immer im Kontext von eigenen Erfahrungen, Erinnerungen, Ansichten oder Werten. Dies ist auch der häufigste Grund, warum es so leicht zu Missverständnissen kommen kann.

Beispiel gefällig?

kommunikation_kriseErik fragt Sabrina: „Müssen die Unterlagen heute nicht raus?“. Rein objektiv gesehen, hat er nur eine Frage gestellt um sich die ihm fehlende Information anzueignen – fürs Protokoll sei noch gesagt: Der Tonfall war „normal“ und die Mimik hatte jetzt auch nichts Abwertendes an sich. Sabrina geht aber gleich in die Luft, weil am Tag davor ein anderer Arbeitskollege ihr die gleiche Frage gestellt und zum Überfluss Sabrinas Freund ihr am Morgen erst vorgeworfen hatte, sehr nachlässig zu sein. Klar, wenn Erik nichts mit der Sache zu tun hat, hätte er sich die Frage auch sparen können.

Nehmen wir aber an, sie war völlig angebracht und eigentlich von seiner Seite aus bloß gut gemeint. So hat er jetzt dennoch Sabrinas Missinterpretation „Erik findet auch, dass ich nichts auf die Reihe bekomme“ sowie ihre gesammelten Erfahrungen der letzten 24 Stunden in Form einer „pampigen“ Antwort abbekommen. Das Resultat: Erik findet, dass Sabrina eine Zicke ist und Sabrina denkt sich, dass Erik genau so ein Gschaftlhuber wie der Arbeitskollege davor und auch ihr Freund ist und ständig etwas an ihr rumzumäkeln hat. Mit Harmonie im Team ist an diesem Tag nicht mehr zu rechnen …

Hilfe naht!

Natürlich ist das nur eine Art von Missverständnis, das in der Arbeit und auch privat auftauchen kann – im Alltag warten noch Dutzende andere kommunikative Stolpersteine auf uns, für heute wollen wir aber einmal bei obigem Problem bleiben. Was könnte Sabrina beim nächsten Mal anders machen?

Zuallererst: Ja, wir sind alle nur Menschen und können alle mal einen schlechten Tag haben. Wenn eine überzogene Reaktion über einen gekommen ist, darf man ruhig auch mal später zum Kollegen, den man angefahren hat, „Sorry“ sagen.

Weitere Tipps (nicht nur für Sabrina):

  1. Anstatt gleich mal in die Luft zu gehen, zuerst tief ein- und ausatmen – bei Bedarf auch öfters wiederholen.
  2. Bei sich bleiben! Das heißt, sich klar darüber werden, warum man sich plötzlich so angegriffen fühlt. Vielleicht hat mein Gegenüber einen wunden Punkt bei mir getroffen – ganz nach dem Motto: Alles, was mich trifft, betrifft mich auch. Und vor allem: Alles, was mir klar wird, hilft mir dabei, etwas daran zu ändern.
  3. Versuchen, objektiv zu bleiben. Einfach mal die Botschaft so nehmen, wie sie ist – ohne jegliche Bewertung und Interpretation, welche hintergründigen Absichten hinter der Information stecken könnten. Das ist leichter gesagt als getan, aber mit viel Geduld und etwas Übung wird es immer besser. Man bleibt dabei viel ruhiger und kann konstruktiv bzw. gelassen in das Gespräch einsteigen.

Wahrscheinlich werden die Tipps nicht jedem weiterhelfen, mir waren sie allerdings schon des öfteren sehr dienlich ;). Bis zum nächsten Mal, eure Frau S.

Über die Autorin:

Man könnte mich als Globetrotterin der Arbeitswelt bezeichnen. Die verschiedensten Wege bin ich bereits gegangen und unterschiedlichste Jobs sowie Job-Positionen haben meine berufliche Reise geprägt. Manch einer wird sich deswegen bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden. Wenn nicht, dann vielleicht zumindest den einen oder anderen Tipp und Trick für seinen Weg mitnehmen können. Die Welt der Arbeit mal von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mittendrin und voll dabei lautet bei mir das Motto (auch in meinem Blog: santown’s blog). Viel Spaß beim Eintauchen in die Arbeitswelt der Frau S.!

Bildnachweis: Slog21 / Quelle Shutterstock, Syda Productions / Quelle Shutterstock

Redaktion

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