„Ein Karriereziel würde mich fertigmachen, glaub ich“

von in Arbeitsleben am Montag, 16. November 2015 um 11:17

Wenn ich groß bin, werde ich Musikstar!“ Das ist ein Berufswunsch, der in Zeiten von TV-Castingshows mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten aus vielen Kindermündern kommt. Dass es allerdings nur eine Handvoll Künstler im Musikbusiness gibt, die damit tatsächlich ihren Lebensunterhalt bestreiten können, wird neben dem dabei erwarteten Glanz und Glamour oft ganz vergessen. In unserer Reihe „Menschen und Berufe“ werfen wir einen Blick auf interessante Berufsbilder, Nischenberufe und Kurioses. Dieses Mal hat uns Franz Adrian Wenzl, bekannt als Sänger der Band Kreisky und Musikphänomen Austrofred, Fragen zum Berufsbild „Musiker“ beantwortet.

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Einer, der es in der österreichischen Musiklandschaft geschafft hat – und nicht nur mit einem, sondern gleich zwei Musikprojekten – ist Franz Adrian Wenzl. Besser bekannt ist der aus Steyr/OÖ stammende Musikallrounder als Kunstfigur Austrofred und Sänger der Band Kreisky. Uns hat er einiges zu seinem Berufsbild und Episoden aus seinem Arbeitsalltag erzählt.

Auch ein Kapazunder der österreichischen Musikszene wie Sie muss einmal klein anfangen. Was wollten Sie werden, als sie klein waren und welche Ausbildung haben Sie genossen?

Wenzl: In der Richtung hatte ich nie wirklich einen Plan. Einmal hat die Lehrerin in der zweiten Klasse Volksschule gefragt, was wir werden wollen, und ich habe gesagt: „Kriminalkommissar“ und war dann sehr enttäuscht, wie sie gemeint hat, dass man da erst zur Polizei muss, weil ich das sehr „uncool“ gefunden habe. Vage Berufswünsche waren vielleicht auch Pfarrer und Comiczeichner. Beide haben sich in Spuren in meiner jetzigen Tätigkeit erhalten.
Nach der Hauptschule besuchte ich eine HTL für Hochbautechnik, leistete Zivildienst in einer Behinderteneinrichtung und arbeitete dort noch ein paar weitere Jahre. Danach studierte ich Anglistik, seitdem bin ich freiberuflich künstlerisch tätig.

Welche Berufe haben Sie schon ausgeübt und was konnten Sie davon Positives für Ihr weiteres Arbeitsleben mitnehmen?

Wenzl: Ich hab von jeder Ausbildung und jedem Beruf etwas mitnehmen können. Allein, dass ich dadurch mit so vielen verschiedenen Menschen und Menschengruppen in Kontakt und Teil davon war, betrachte ich als Privileg. Techniker, Student, Sozialarbeiter, Musiker, Schriftsteller, dazu noch meine ländliche Herkunft und mein jetziges Leben in Großstädten, da kommt schon ein bunter Strauß zusammen.

Womit verdienen Sie heute Ihr Geld und wie schaut´s mit der sogenannten „Work-Life-Balance“ aus?

Wenzl: Mein Geld verdiene ich vorwiegend mit Konzertauftritten und Lesungen. Mehr ginge immer, aber nachdem es schon ein ziemlicher Luxus ist, wenn man von Musik und vom Bücher-Schreiben leben kann, möchte ich mich nicht beschweren.
Es ist alles recht okay, weil ich mir ja alles selbst einteilen kann. Es ist zwar immer ein Jojo-Effekt, dass ich erst Geld brauche, deswegen viel spiele, dann draufkomme, dass ich doch lieber mehr Zeit frei hätte und gleich wieder zwei Monate nix mache, und dann brauch ich natürlich wieder Geld. Außerdem zähle ich ja fast meine gesamte berufliche Tätigkeit als Hobby, das macht vieles leichter. Dass ich alles selbst entscheide und niemandem böse sein kann, wenn ich grad zu viel um die Ohren habe, finde ich eigentlich auch gut.

„Meine Berufswünsche waren Pfarrer und Comiczeichner“

Welche Aufgaben umfasst das Berufsbild „Musiker“ – was macht den Beruf aus?

Wenzl: Naja, ich nehme Platten auf und schreibe auch Bücher. Das muss alles geschrieben, aufgenommen, hundertmal überarbeitet, verworfen, lektoriert, herausgebracht und promotet werden. Dazu noch Konzerte und Lesungen, da müssen auch erst mal die Termine logistisch sinnvoll gebucht werden, dann muss das Programm vorbereitet, Plakate verschickt werden. Und dann muss ich die Auftritte natürlich auch noch wirklich spielen. Interviews und TV-Auftritte gehören auch dazu. Ach ja, in den sozialen Medien muss man auch ein bissl Werbung machen und Newsletter schreiben. Die Online-Shop-Bestellungen gehören auch verschickt. Buchhaltung und Steuer muss ich auch machen.
Meinen Beruf macht aus, dass ich das machen kann, was mich freut. Ich bin selbst dafür verantwortlich, dass ich das mache, was mich glücklich macht und wie ich Erfolg definiere.

Franz Adrian Wenzl Kreisky

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

Wenzl: An einem Auftrittstag fahre ich zeitig so weg, dass ich zum Soundcheck in der Location in der entsprechenden Stadt bin. Nach dem Soundcheck check ich dann mal ins Hotel ein und kümmere mich ums Drumherum, esse eine Kleinigkeit. Auftritt, Plattenverkauf, zusammenräumen, Hotel. Am nächsten Tag in die nächste Stadt oder heim. An anderen Tagen mache ich einfach, was halt anfällt, siehe oben. Ich schau aber immer, dass meine Hauptarbeit eine kreative ist und ich nicht den ganzen Tag mit E-Mails oder Buchhaltung vergacke. Ich arbeite auch gern – wie soll ich sagen – vom Bett aus.

Was sind Seiten an ihrem Beruf, die Ihnen besonders viel Spaß machen, was sind eher negative oder unangenehme Aspekte?

Wenzl: Die Abwechslung an sich, der Applaus, und wenn man ein neues Buch oder eine neue Platte in der Hand hält. Ich mag´s aber auch, mit dem Zug unterwegs zu sein und im Speisewagen zu sitzen. Ich mag auch Hotels und Autobahnraststätten, solche Orte.
Was ich nicht so sehr schätze sind Promotion und Öffentlichkeit. Am liebsten wär´s mir, ich hätte 10.000 Abonnenten: die kriegen regelmäßig mein Zeug und gut ist´s. Der Rest sollte am besten gar nichts von mir mitkriegen, aber so läuft´s halt nicht. Ich kann das auch gut und promote meine Sachen immer recht sinnvoll, aber das ist sicher nicht der Teil, der mich am meisten freut.

„Ich habe noch einen Plan B bis Z“

Ist in diesem Business etwas planbar oder eher Zufall und Glück? Können Sie sich vorstellen, diesen Beruf bis zur Pensionierung auszuüben oder gibt es einen „Plan B“?

Wenzl: Glück, Zufall und ein gewisses Grundtalent gehören schon dazu. Aber es gibt schon große Unterschiede, wie das die Leute dann angehen. Mir war eine gewisse Nachhaltigkeit immer wichtig. Und eine Exit-Strategie: Wenn mich heute der Austrofred nicht mehr freuen würde, dann würde ich morgen aufhören. Natürlich würde ich noch bereits fixierte Auftritte spielen, aber ich könnte da relativ locker aussteigen und ganz was anderes machen. Ich plane maximal für zwei Jahre im Voraus und bin immer bereit, alles zu ändern, wenn sich die Umstände ändern. Von dem her würde ich sagen, ich habe noch einen Plan B bis Z. Wobei ich schon davon ausgehe, dass ich immer in irgendeiner Form künstlerisch tätig sein werde.

Was würden Sie jemandem raten, der auch den gleichen Beruf ausüben möchte?

Wenzl: Wenn wer eine Idee hat, dann soll er sie umsetzen, und dann schauen, wohin es ihn verweht hat. Und dann halt das nächste machen. Das ist jetzt kein großer Plan, aber so mach ich es halt. Ich hatte nie ein „Karriereziel“ oder so. Ich glaub, das würde mich fertigmachen.

 

Franz Adrian Wenzl

Zur Person

Franz Adrian Wenzl wurde 1976 in Steyr geboren. Er ist als Schriftsteller Komponist, Sänger und Schauspieler tätig. Mit der Kunstfigur „Austrofred“, die er 2002 ins Leben rief, schuf er die Karikatur eines Rockstars, dessen großes Vorbild Queen-Sänger Freddie Mercury ist und hat es damit in Österreich und Süddeutschland zu einem hohen Bekanntheitsgrad gebracht. Soeben ist sein neues Buch „Pferdeleberkäse“ erschienen.

Bildnachweis: Ingo Pertramer; Armin Rudelstorfer; Fabian Nistelberger

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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