Häufige Jobwechsel: „Nicht krampfhaft versuchen, sich zu rechtfertigen.“

von in Bewerbung am Montag, 29. Juni 2015 um 10:32

Drei Jobs in vier Jahren – macht das einen Bewerber schon zum Jobhopper? Häufige Jobwechsel können im Bewerbungsprozess Fragen bezüglich der „Betriebstreue“ aufwerfen. Wird der Bewerber auch hier nach ein oder zwei Jahren die Flucht ergreifen? Bewerbungscoach Franz Bauer weiß, warum man Stellenwechsel immer begründen sollte und was man im Jobinterview auf gar keinen Fall erwähnen sollte.

Fanz Bauer

Fanz Bauer

Jobhopper oder Karrieresprünge? Die Zeiten, in denen man von Karrierestart bis zum Ruhestand einem Arbeitgeber treu blieb, sind zwar vorbei – aber: Wer seinen Job zu oft wechselt, hinterlässt bei HR-Verantwortlichen Unruhe. Egal, ob man selbst gekündigt oder bisherige Jobs durch äußere Umstände verloren hat – wer häufigen Stellenwechsel argumentieren muss, sollte sich gut darauf vorbereiten. Bewerbungscoach Franz Bauer verrät die Chancen und Stolperfallen im Bewerbungsprozess.

Ab wann kann man von häufigem Stellenwechsel sprechen, wann wird es im Bewerbungsprozess schwierig?

Franz Bauer: War man in den letzten Firmen jeweils länger als 5 Jahre beschäftigt, dann sind die Wechsel leichter zu argumentieren und unproblematisch. Am Beginn der Berufslaufbahn sind auch kürzere Intervalle unproblematisch, hier steht das Sammeln von Erfahrungen (noch) im Mittelpunkt. Auch sind manche Branchen hier weniger sensibel – speziell, wenn die Arbeiten stark projektorientiert sind. Mit einiger Berufserfahrung sind relativ kurze Zeiten in den bisherigen Firmen dann aber vorsichtiger zu argumentieren. Mit einiger Berufserfahrung wird es dann schwieriger, kurze Zeiten der Betriebszugehörigkeit zu argumentieren.

Wie kann man Jobwechsel im Bewerbungsprozess begründen?

Franz Bauer:  Versuchen Sie, Verständnis dafür zu signalisieren, dass es Befürchtungen gibt, dass sie auch diesmal nur kurz bleiben werden. Argumentieren Sie damit, dass Sie in den alten Jobs natürlich jeweils länger bleiben wollten, aber als Sie sich für Firma XY entschieden haben, war der Grund für Ihren Abschied noch nicht absehbar. Oder es lag eine bestimmte Information noch nicht vor, die letztendlich aber zum Austritt aus dem Unternehmen bewogen hat. Wichtig ist, dass die Antwort möglichst kurz gehalten wird. Keinesfalls versuchen, sich krampfhaft zu rechtfertigen. Selbstverständlich sollte man über bisherige Arbeitgeber und Chefs kein schlechtes Wort verlieren.

Sollte man häufige Wechsel bereits in der Bewerbung begründen oder damit bis zum Jobinterview warten?

Franz Bauer: Dienstzeugnisse und Referenzschreiben mit entsprechend positiven Formulierungen sind nützlich und können mit der Bewerbung gleich mitgeschickt werden. Im Jobinterview ist es dann auf jeden Fall günstig, einige Male zu betonen, dass sie die bisherigen Arbeitgeber und die Tätigkeit mochten und auch gerne mit den Kollegen zusammengearbeitet haben.

Gibt es Wechselgründe, die man als Bewerber zu seinem Vorteil nutzen kann?

Franz Bauer: Mögliche Wechselgründe, die man anführen kann, sind: Sie haben keine persönlichen Wachstums- oder Entwicklungsmöglichkeiten mehr gesehen. Diese Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten kann auch durch eine Veränderung der Firmenpolitik, Strategie oder durch eine bevorstehende Übernahme oder Verkauf begründet sein. Auf Grund von wirtschaftlichen Problemen oder Restrukturierungsmaßnahmen wurde Personal eingespart. Da der Bewerber als letzter gekommen war, musste er auch als Erster wieder gehen. Argumentieren Sie als Bewerber mit der angestrebten, neuen Position: Dass diese interessantere Chancen bietet, als die gute alte Stelle. Die neue Stelle gibt beispielsweise die Möglichkeit zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung: Man kann Neues gestalten – was im alten Job nicht möglich war.

Wie spricht man am besten über eine Kündigung?

Franz Bauer: Nach einer Arbeitgeberkündigung ist es am einfachsten, mit wirtschaftlichen Gründen in einem schrumpfenden Markt oder mit der Krise zu argumentieren. Führen Sie auch an, dass Sie dort wichtige Erfahrungen in den Bereichen XYZ sammeln konnten. Bei allen Formulierungen ist auf Sachlichkeit zu achten – ganz ohne große Emotionen. Aussagen wie „Der Job war sowieso nichts für mich“ oder „Die Kündigung ist das Beste, was mir passieren konnte“ sollte man vermeiden. Das provoziert nämlich die Frage, warum man selbst nie aktiv wurde und selbst gekündigt hat. Keinesfalls Gründe für die Kündigung „konstruieren“, wenn die einem Realitätscheck nicht standhalten würden.

Bildnachweis: alphaspirit / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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