Die Arbeitswelt der Frau S. – Wenn Boreout krank macht

von in Arbeitsleben, HR am Donnerstag, 27. März 2014 um 10:00

Stress am Arbeitsplatz ist in aller Munde. Jedoch auch das Gegenteil, die Langeweile, kann krank machen. Vor allem dann, wenn keine Besserung der Situation in Sicht ist. Das Stichwort lautete Boreout und dieses betrifft nicht wenige Arbeitnehmer. Denn wie eine karriere.at-Umfrage zeigt, sind die wenigsten mit ihrem Arbeitspensum zufrieden. Das Boreout unter die Lupe genommen hat heute unsere Frau S.

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Jetzt, da wir uns so schön in die Welt des Burnouts hineingestürzt haben und uns mit ihr fachlich perfekt herumschlagen, trifft uns auch schon die nächste Bedrohung aus der Arbeitswelt: das Boreout. Statt der Überforderung macht uns zur Abwechslung mal die Unterforderung zu schaffen. Kein Witz – vor allem für die davon Betroffenen.

Neues Problemland entdeckt

Langeweile JobDer Begriff Burnout ist uns mittlerweile allen recht gut bekannt. Die einen haben es schon selbst am eigenen Körper erfahren dürfen oder auch müssen, die anderen haben zumindest eine Person im näheren Umfeld, die damit konfrontiert war oder immer noch ist. In Zeiten von enormem Leistungsdruck und sozialen Stressfaktoren wie etwa drohender Arbeitslosigkeit, will Mann oder Frau immer mehr geben um auch weiterhin alles zu haben. Von Einkommen über Ansehen bis hin zu einer sinnvollen Lebensaufgabe. Viele gehen in diesem  – von wem auch immer auferlegten – Strudel schon mal unter und tauchen im Tal des Burnouts wieder auf. Neben dieser gut erforschten Landschaftsform hat sich nun aber eine weitere aufgetan: das weite Feld der Unterforderung.

Wenn die Herausforderung fehlt

In der Welt des Boreouts geht alles irgendwie langsamer, um nicht zu sagen sinnloser seinen Weg. Die Uhren scheinen still zu stehen und die sich dort befindlichen Personen haben ihre Motivation irgendwo zwischen mangelnden Anforderungen und fehlenden persönlichen Herausforderungen verloren. So sitzen sie meist unterbeschäftigt an ihren Arbeitsplätzen und sinnieren über eine Zeit, in der man noch das Gefühl hatte, wirklich etwas zu leisten. Wirklich noch etwas Sinnvolles zu tun.

Der Stress mit der Langeweile

Stress mit der LangeweileWährend sich die einen weniger Arbeit wünschen, schreit diese Gruppe innerlich nach mehr herausfordernden Aufgaben. Auch wenn das für einige paradox klingen mag, aber diese dauerhafte Unterforderung führt zu mehr Stress anstatt zu weniger. Betroffene versuchen, sich die Zeit mit privaten Dingen zu vertreiben oder suchen sich jedes noch so kleines Bisschen an Arbeit, um irgendwie beschäftigt zu wirken. Letztendlich führt es aber dann doch zu starker Müdigkeit, Langeweile und Desinteresse der Arbeit gegenüber. Es kann soweit kommen, dass selbst einfachste Aufgaben auf Grund dessen nur noch mittelmäßig oder sogar fehlerhaft erledigt werden und der Chef zu folgender Schlussfolgerung kommt: „Wenn der nicht mal das schafft, wie soll er bitte schön mit komplexeren Aufgaben zurecht kommen?!“ Ein wirklich ermüdender Teufelskreislauf!

Der Weg aus dem Boreout

Sobald man merkt, dass man nur noch schlapp ist und einen alles zu Tode langweilt oder man die Zeit nur mit Privatem zubringt, sollte man:

  • Mit dem oder der Vorgesetzten über weitere mögliche Aufgabenbereiche sprechen.
  • Hinterfragen, ob man das, was man tut, auch wirklich gerne macht.
  • Sich die Frage stellen, ob man nicht in einem anderen Unternehmen besser aufgehoben wäre.

Hausgemachtes Problem

SuperheldAuch Unternehmen selbst können gegen dieses Phänomen angehen, denn oft hat Boreout mit einem Führungsproblem oder falscher Ressourcenverteilung zu tun. Es beginnt schon bei übertrieben formulierten Stellenausschreibungen. D.h. es wird ein Mitarbeiter mit langjähriger Erfahrung, mit hunderten von Zusatzausbildungen gesucht, der am besten in sämtlichen Sprachen korrespondieren kann. Im Endeffekt wird aber nur eine „gewöhnliche“ Arbeitskraft gebraucht. Man will eben nur das Beste vom Besten – kein Wunder, wenn hier später Unterforderung auftaucht.

Ob nun Unter- oder Überforderung, keines davon ist wünschenswert. Daher sollten wir uns den Herrn Aristoteles – bzw. seine Überlegungen – zu Herzen nehmen und im Mittelmaß unser Glück finden!

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Redaktion

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