Macht mein Job Sinn? Fünf Schritte auf der Suche nach der eigenen Berufung

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Montag, 10. November 2014 um 11:49

„Und was machen Sie beruflich?“ Lernt man neue Menschen kennen, ist man auch neugierig, was sein Gegenüber im Berufsleben macht. Unser Job nimmt nicht nur einen großen Teil unserer Lebenszeit ein, in unserer Welt werden wir immer öfter über unseren Beruf definiert. Aber wer kann schon sagen, dass er seine Berufung gefunden hat? Coach Sandra Kühnle gibt Tipps für die Entdeckungsreise zur eigenen Berufung.

Die Suche nach dem Sinn des Berufslebens

Sandra Kühnle

Sandra Kühnle

Viele Menschen sind beruflich einigermaßen zufrieden, aber nicht wirklich erfüllt. Auf der Suche nach der Berufung darf man nicht erwarten, dass der Sinn des (Berufs)lebens plötzlich vor uns auftaucht und sich fertig ausgearbeitet präsentiert. „Zufriedenheit bedeutet auch Arbeit und entsteht erst dann, wenn wir genau wissen, was wir wollen – und den Fokus auf diese Ziele richten“, erklärt Sandra Kühnle von der Coaching Spirale und hält Tipps für die Suche nach der eigenen Berufung bereit.

Fünf Schritte, um Beruf und Berufung in Einklang zu bringen

  • Persönliches Mission Statement
    Beruf Vision
    Die eigene Berufung zu finden ist ein Prozess, der Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern kann. Sobald man sich aber darüber im Klaren ist, was genau man erreichen will, hilft die Formulierung eines Mission Statements dabei, das Vorhaben und die Leidenschaft dahinter genau zu definieren und zu verbalisieren. Im ersten Schritt geht es darum, seine große Leidenschaft zu entdecken. Was treibt mich grundlegend an? Wofür möchte ich wahrgenommen und bekannt werden? Daraus formuliert man seine persönliche Botschaft, sie begleitet einen wie ein Motto bei allen Entscheidungen. Das persönliche Mission Statement sollte ein bis zwei prägnante Sätze umfassen und den Rahmen für berufliche und private Ziele bilden. Ein gelungenes Mission Statement kann zum Beispiel lauten: “Es ist meine Mission, durch Literatur und Worte Menschen erfolgreich zu begeistern.“
  • Visionsprozess
    Im zweiten Schritt folgt der Visionsprozess. Wie möchte man leben, arbeiten und was will man erreichen? Innere Bilder zeigen kraftvolle Möglichkeiten, die Zukunft bewusst zu gestalten. Eine starke Vision wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Um seine Berufung zu finden reicht es nicht, sich einfach danach zu fragen, was man gerne machen würde. Bedenken aufgrund von Finanzen und Status trüben unsere unabhängige und authentische Entscheidungsfähigkeit. Der Prozess der gedanklichen Visualisierung läuft oft so ab: “Welche Tätigkeiten liebe ich? Ich liebe es zu reisen, fremde Kulturen zu erkunden und am Strand zu sitzen. Aber halt: Wer soll mich denn dafür bezahlen?“ Was man auch immer für Bilder vor seinem Auge schafft, ein Wort in diesem Prozess ist tabu: Das böse Wörtchen “aber“. Je offener man seine Gedanken laufen lässt und je klarer man seine persönliche Vision vor seinem inneren Auge aufbaut, desto eher erfüllt sie sich.
  • Ziele fokussieren
    Coaching Ziele
    Im dritten Schritt geht es darum, sowohl das Mission Statement als auch die Vision mit dem Hier und Jetzt zu verbinden und Ziele für verschiedene Zeiträume zu formulieren. Effektive Zielsetzungen sind konkret, eindeutig, beinhalten eine Zeitangabe und sind positiv, im Präsens und mit dem “Ich“ als Subjekt formuliert. Eine klare Zielformulierung ermöglicht es, den eigenen Fokus und die dafür notwenigen Energien richtig auszurichten. Ein gut formuliertes Ziel lautet zum Beispiel: “Im März 2015 habe ich einen inspirierenden Arbeitsplatz, der mich erfüllt und finanziell absichert.“ So sollte man ein Ziel nicht formulieren: “Einen super Job“. Denn wer will diesen Job, wann soll das passieren und was ist ein super Job? Diese Detailarbeit hilft, alle Gedanken, Zweifel und Bedenken aufzudecken. Die Ziele sind nicht in Stein gemeißelt und können immer wieder überarbeitet werden. So passen sie sich wandelnden Bedürfnissen an und inspirieren laufend.
  • Neue Erfahrungen machen
    Bei den ersten drei Bausteinen, dem Mission-Statement, der Vision und der Zielfokussierung, geht es darum, unabhängig von äußeren Einflüssen, Antworten auf die Frage “Was will ich?“ zu finden. Die Frage taucht in unserem Leben immer wieder auf und heutzutage ist die Anzahl der Wahlmöglichkeiten enorm. Unkenntnis verursacht Frustration, Entmutigung oder Krankheit. Neue Erfahrungen sollen deshalb nicht mit Angst verbunden werden sondern als Herausforderung, die Mission, die Vision und die Zielformulierung auf Verbindlichkeit zu testen. Die Erkenntnis über eindeutige Ziele und Vorstellungen hilft dabei, neue Erfahrungen zuzulassen und neue Umstände aktiv zu gestalten.
  • Sich Fehler erlauben
    Zu einem gewissen Teil bleibt die Entscheidung für einen Berufsweg oder ein bestimmtes Ziel immer ein Wagnis. Egal wie gut man die vorherigen Schritte bearbeitet, jeder Entscheidung wohnt immer auch die Möglichkeit des Misslingens inne. Die Angst vor dem Scheitern hindert einen häufig daran, loszulegen und einen neuen Weg zu beschreiten. Es hilft, sich selbst bewusst die Erlaubnis zu geben, Fehler machen zu dürfen. Sie zeigen uns, was wir eigentlich erleben wollen und was nicht. Außerdem stärken sie die Erkenntnis, dass wir es selbst sind, die auf dem Berufsweg unsere Weichenstellung immer wieder neu justieren können.

Bildnachweis: Brt / Shutterstock; Coaching Spirale, Ollyy  /Shutterstock; Be Good / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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