Studierende zeigen wenig Interesse an Jobs bei Banken und Versicherungen

von in HR am Freitag, 11. Dezember 2015 um 11:31

Banken und Versicherungen als mögliche Arbeitgeber – das reißt österreichische Wirtschaftsstudenten nicht vom Hocker. Das geht aus zwei aktuellen Studien hervor. Wenn Arbeitgeber zeigen möchten, welche Karrierewege in beiden Branchen möglich sind, wird es höchste Zeit für gutes Employer Branding. Die gute Nachricht: Die Studien verraten auch, was sich Absolventen von ihren Arbeitgebern wünschen.

Finanzbranche fehlen die Talente

Für eine Bank oder eine Versicherung arbeiten? Lieber nicht. Laut den beiden Deloitte-Studien „Talent in Banking“ und „Talent in Insurance“ finden österreichische Studierende die Aussicht auf Jobs in diesen Branchen wenig attraktiv. Für die Studie wurden insgesamt 211.000 Wirtschaftsstudenten nach ihrer Einschätzung zu Banken und Versicherungen als potenzielle Arbeitgeber befragt, in Österreich gaben 3.728 Befragte Auskunft über ihre Karrierepläne. Einen Job in der Bank- oder Versicherungsbranche streben die wenigsten an. Laut Studie setzt sich damit ein negativer Trend fort, der bereits seit Jahren anhält.

  • Im Branchenvergleich nehmen Hersteller von Konsumgütern mit fast 19 Prozent den ersten Platz in der Beliebtheitsskala der Befragten ein.
  • Auf Platz zwei folgt die Automobilbranche mit fast 13 Prozent und die IT-Branche mit neun Prozent.
  • Auf dem fünften Platz landen die Banken mit sechs Prozent, Schlusslicht ist die Versicherungsbranche.

„Weibliche Karrieren entwickeln sich sehr langsam.“

Für eine Zielgruppe ist Arbeiten in der Finanzbranche offensichtlich besonders unattraktiv: Weibliche Studierende. 59 Prozent der befragten Studenten sind Frauen, unter den bankaffinen Studenten beträgt der Frauenanteil nur 54 Prozent. Im Bereich Investment Banking ist es nicht einmal ein Viertel. „In der männlich dominierten Finanzbranche existiert noch immer eine gläserne Decke. Weibliche Karrieren entwickeln sich dort einerseits sehr langsam, andererseits werden sie durchgängig in allen Karrierestufen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Das schreckt viele weibliche Talente ab“, erklärt Gundi Wentner, Partner bei Deloitte Österreich.

Die Wünsche der Absolventen

Die Suche nach Talenten gestaltet sich für Banken und Versicherungen also schwierig. Höchste Zeit, die Werbetrommel für positive Assets zu rühren. Ein Blick auf die Studie zeigt, welche Karriereziele bei den österreichischen Absolventen Priorität haben. In absteigender Reihenfolge legen Wirtschaftsstudenten Wert auf folgende Karrierefaktoren:

  1. Ausgewogene Work-Life-Balance
  2. Spannende Herausforderung
  3. Übernahme von Führungsverantwortung
  4. Sicherheit im Job
  5. Internationale Karriere
  6. Die Möglichkeit, unternehmerisch oder innovativ zu denken
  7. Unabhängiges Arbeiten
  8. Expertenstatus im Job
  9. Arbeiten für das Gemeinwohl

Bankaffine Studierende erwarten von ihrem zukünftigen Arbeitgeber vor allem, dass er ihre Leistungen anerkennt. Die Aussicht auf hohes Gehalt und Führungskräfte, die als Mentor coachen und unterstützen, diese Dinge stehen auf der Wunschliste ebenfalls ganz oben. Studenten, die mit einer Karriere in der Versicherungsbranche liebäugeln, wünschen sich diese drei Dinge: Anerkennung für ihre Leistungen, wertschätzende Führung und professionelle Entwicklungsmöglichkeiten.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.