Erstellt am 16. April 2019 · Arbeitsleben · von

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Alles, was du wissen solltest

Lesezeit: 11 Minuten

Alle sprechen darüber, aber kaum jemand weiß, was genau es mit der „Zukunft der Arbeit“ oder New Work auf sich hat. Wo werden uns die Veränderungen im Arbeitsalltag konkret treffen? Arbeiten wir bald nur noch 3 Stunden am Tag oder eher 60 Stunden die Woche? Werden Maschinen unseren Arbeitsplatz in 10 Jahren überflüssig gemacht haben? Wir haben uns mit den Zukunftsprognosen über die Arbeit genauer beschäftigt und hier alles Relevante für euch verständlich zusammengefasst:

Das Ende der alten Arbeitswelt

Was ist eigentlich ein „Workplace Transformation Officer“?
Viele Kinder, die jetzt im Schulantrittsalter sind, werden später in Berufen landen, die momentan noch nicht existent sind. Und wir sind mitten drin in dieser Transformation:

Jeder Dritte rechnet laut einer aktuellen Studie damit, dass es seinen Job in der jetzigen Form in 15 Jahren nicht mehr geben wird. Fun Fact: 15 Prozent davon sind jetzt schon in Berufen tätig, die erst nach 2003 entstanden sind (etwa Online Marketing Manager, Social Media Beauftragte etc.)

Zukunftsjobs in 15 Jahren
Die Bezeichnung „New Work“ sagt es bereits: Etwas Neues in unserer Arbeitswelt bedeutet ein Ende von Altem. Es sind tiefgreifende wirtschaftliche und kulturelle Veränderungen, die uns mehr oder weniger dazu zwingen, etwas Altes abzuschließen und etwas Neues zu beginnen. Digitalisierung, Globalisierung, Vernetzung und demographischer Wandel sind Ursachen für den Wandel der Arbeitswelt. Die sogenannte Industrie 4.0, autonome Fahrzeuge und Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz werden immer mehr Menschen der „Alten Arbeitswelt“ vor die Frage stellen, was sie in Zukunft machen wollen. So ein Umfeld macht neue Formen der Organisation und Zusammenarbeit erforderlich und verändert auch unser bestehendes Wertesystem.

Übrigens: Ein Workplace Transformation Officer ist ein Beruf, den es so tatsächlich schon gibt. Der Mensch hinter dieser Stellenbezeichnung beschäftigt sich mit der Implementierung von Prozessen zur Umwandlung in den Arbeitsplatz der Zukunft.

Über die Freiheit: Was ist New Work?

Das Konzept von New Work wurde erstmals vom Sozialphilosophen Prof. Dr. Frithjof Bergmann in den 1970ern entwickelt. Bergmann beschäftigte sich mit der philosophischen Frage nach der Freiheit des Menschen – für viele ist Arbeit nämlich alles andere als frei. Er selbst beschreibt die konventionelle Arbeit, wie sie damals war und jetzt noch teilweise ist, als eine Krankheit: Nicht wie etwas Schwerwiegendes wie Krebs, aber wie eine leichte Krankheit … wie ein Schnupfen, den man noch ein paar Tage aushält – so wie man auch die Arbeit noch bis zur Pension aushält, dabei aber keine Freude empfindet.

Mit dem Projekt „New Work“ fand Bergmann schließlich eine praktische Verwirklichung seiner theoretischen Überlegungen. Er geht davon aus, dass das bisherige Job-System am Ende ist. Die Automatisierung führt immer mehr dazu, dass die Menschen sich mit der Frage konfrontiert sehen: „Was will ich in Zukunft im Arbeitsleben wirklich machen?“ Bergmann geht davon aus, dass die Zukunft der Arbeit aller Voraussicht nach diese positive Komponente für uns bereithalten wird: Freiheit.

FAQ: Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?

Buero in der Zukunft_Arbeit

– Warum investieren Unternehmen eigentlich in den Future Workplace?

Aus handfesten finanziellen Gründen: Um Prozesse zu verbessern, die Produktivität der Mitarbeiter zu fördern und natürlich auch, um sich als Arbeitgeber attraktiver zu machen. Ob flexible Arbeitszeiten, Desk Sharing oder neues Büro: Wer auf das richtige Pferd setzt und New Work gut umsetzt, zeigt sich als Arbeitgeber natürlich besonders attraktiv und hat so vielleicht den kleinen, aber entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz im War for Talents.

– Wie lang wird es dauern, bis die Mehrheit der Arbeitsplätze Zukunfts-kompatibel ist?

Die Daumenregel ist: Konzerne und große Unternehmen sind auf dem Weg vom traditionellen Unternehmen zum Arbeitsplatz der Zukunft meist weiter als kleine, denn natürlich hat das ganze einen großen finanziellen Aspekt: Neuerungen kosten eben.

– Was umfasst eigentlich den Arbeitsplatz der Zukunft?

Technologie, Prozesse, Gebäude, Möbel, aber auch softe Themen wie Unternehmenskultur und Führung. Viele sehen im Arbeitsplatz der Zukunft neue Möglichkeiten der Mobilität und Technologie. Auch neue Arbeitszeitmodelle und –orte, neue Formen der Zusammenarbeit sowie eine Veränderung der Unternehmenskultur fallen darunter. Eine Musterlösung für die Umwandlung in den Arbeitsplatz der Zukunft gibt es nicht: Die Gebiete der Arbeitgeber sind sehr unterschiedlich, Mitarbeiter sind verschieden und kommen aus unterschiedlichen Generationen mit divergierenden Ansprüchen (Generationen X, Y, Z …)

– Was wünschen sich Mitarbeiter für den Arbeitsplatz der Zukunft?

„Der Weg ist das Ziel“ – das gilt vor allem für Unternehmen und ihre Transformation zum Future Workplace. Bei einer aktuellen Studie wurden Arbeitnehmer gefragt, was sie sich im Bezug auf die Zukunft der Arbeit wünschen. Top-Kriterium: flexiblere Arbeitszeitmodelle. Interessant ist dabei, dass eine schnellere Netzwerkanbindung auf Platz 2 liegt und noch vor Dingen wie Wohlfühlambiente oder mehr Gestaltungsfreiraum kommt.

Zukunft der Arbeit: Mitarbeiterwuensche

 – Warum muss unser Büro kreativ werden?

Mit der Rutsche ins Büro: Werden unsere Arbeitsplätze künftig wie die „Showcase-Bürolandschaften“ von Google und Microsoft aussehen? Ein ideales Arbeitsumfeld muss den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und zugleich eine Wirkung erzeugen, die für die Ziele des Unternehmens wichtig ist – ansonsten werden Unternehmen diese Transformation wohl nicht fördern wollen.
Früher wurde die Büroeinrichtung eher funktional gesehen (Standardmöbel, Flächeneffizienz), heute wächst das Bewusstsein für die Bedeutung des Arbeitsumfelds: Man schaut auf die Mitarbeiter, ihr Wohlbefinden und die Wirkung des Unternehmens (Stichwörter: Arbeitgeberattraktivität, Unternehmenskultur, Employee Experience).

Das klassische Großraumbüro mit Schreibtischreihen hat in der Arbeitswelt der Zukunft ausgedient, das „Creative Office“ mit Rückzugsmöglichkeiten und Kreativzonen ist das Vorbild. Das soll Arbeitnehmer wieder zurück zu „Deep Work“ bringen, damit wir wieder lernen, uns in Ruhe auf eine Sache zu konzentrieren.

Was ändert sich in der Zukunft konkret?

Vertrauenskultur

Die wirksamsten und auch wichtigsten Änderungen sind überraschenderweise jene, die Arbeitgeber nicht viel kosten: Änderungen, die Kultur betreffen. Die neue Arbeitswelt ist dezentral organisiert und individuell. Neuen Führungsformen kommt jetzt eine noch größere Bedeutung zu, agileres Arbeiten soll Top-down-Unternehmensführung ersetzen.

Was uns erwartet:

  • mehr Vernetzung
  • weniger Hierarchien
  • Chef ohne Cheftitel und Mitarbeiter, die nur machen, was sie für richtig halten
  • virtuelle Führung“: Mitarbeiter kommen nicht mehr jeden Tag ins ein Büro, arbeiten flexibel von zuhause oder wo auch immer aus (v. a. im IT-Bereich)

Wenn die Mitarbeiter nicht mehr an einem Ort versammelt sind und nicht mehr „kontrolliert“ werden können, braucht es vor allem eines: Vertrauen! Ohne ein großes Maß an Vertrauen sind neue Arbeitswelten nicht möglich. Vertrauensarbeitszeit, Home Office – das geht nur, wenn zwischen Führungskräften und Arbeitnehmern die Basis stimmt und dies auch von der Unternehmenskultur unterstützt wird.

Paradigmenwechsel: Von der Präsenzkultur zur Ergebniskultur.

Dafür braucht es beide Seiten: Arbeitnehmer müssen verantwortungsvoll mit den eigenen Ressourcen und ihrer Flexibilität umgehen. Führungskräfte müssen Arbeitnehmern dafür das nötige Vertrauen entgegenbringen und ergebnisorientiert führen.

 Flexibilisierung

Mitarbeiter wünschen sich laut Umfragen vor allem eines: Arbeit muss flexibler werden. Das betrifft in erster Linie die Arbeitszeit.

Zukunft der Arbeit: flexible Arbeitszeit

1. Arbeitszeit

Jeder Dritte erwartet lt. einer aktuellen Studie, dass in 15 Jahren das Modell der Vier-Tage-Woche in Unternehmen die Regel sein kann.

Zukunft: 4-Tage-Woche
Um 1900 hat man in Europa von Montag bis Samstag etwa 60 Stunden gearbeitet, erst seit Ende der 50er-Jahre gibt es in Österreich die fünf-Tage-Woche. Die Arbeitszeit wurde bis in die 1970er immer weniger, seitdem stagniert sie. Momentan stehen wir wieder vor einer Arbeitszeiterhöhung – Stichwort: 12-Stunden-Arbeitstag.

Höhere Produktivität = geringere Arbeitszeit bei gleichem Einkommen. Eine Milchmädchenrechnung?

Mit der Arbeitszeit haben sich schon viele Theoretiker beschäftigt (z. B. der Ökonom John Meynard Keynes). Prinzipiell ist die Rechnung recht einfach: Wenn die Produktivität steigt, sollte die Arbeitszeit bei gleichem Einkommen sinken. Nur muss sich die Gesellschaft organisieren und das ist dabei die große Herausforderung.

Die viel diskutierte 30-Stunden-Woche wird von Arbeitnehmern oft bejubelt, von Wirtschaftsvertretern vielmehr gefürchtet. Gewerkschaften fordern immer wieder eine kürzere Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich, schließlich gibt es viele negative Indikatoren einer langen Arbeitswoche: Wer viele Überstunden macht, ist nachweislich unzufriedener und auch öfter krank. Zahlreiche Studien bestätigen auch: Wer kürzer arbeitet, schafft mehr. Tatsächlich sitzen viele Arbeitnehmer zahlreiche Stunden in der regulären Arbeitswoche einfach nur ab.

Das Gegenargument von Interessensvertretern der Unternehmen: Nicht kürzer, vielmehr flexibler müsse die Arbeitszeit gestaltet werden, um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbessern zu können. Kürzere Arbeitszeiten würden die Industrie aus Österreich vertreiben und in weiterer Folge den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze bedeuten.

Was ändert sich mit den Generationen?

Der Generation Y, die zwischen 1980 und 2000 Geborenen, ist die Work-Life-Balance so wichtig wie vielen Generationen davor nicht. Das heißt nicht, dass es sich dabei um eine faule oder demotivierte Altersgruppe handelt – im Gegenteil. Lediglich die Prioritäten sind anders gewichtet: Verwirklichung im Job und dabei ein ausgewogenes Privatleben sind, was man anstrebt. Damit einher geht oftmals der Wunsch nach mehr Lebens- und weniger Arbeitszeit. Die darauffolgende Generation Z soll sogar noch disruptiver werden: Diese soll Work-Life-Separation, also die Trennung von Arbeit und Freizeit, wieder mehr forcieren.

Testballon 6-Stunden-Arbeitstag

Immer wieder werden weltweit Arbeitszeitmodelle jenseits der Normen ausprobiert. Dabei gibt es Erfolge wie auch Misserfolge zu verbuchen. Ein Negativbeispiel zeigte etwa Frankreich auf: Nach Einführung der 35-Stunden-Woche im Jahr 2000 haben sich die Personalkosten extrem erhöht, was Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und die Arbeitslosenquote hatte.

Dagegen zeigt Schweden, wie´s gehen kann: In Göteborg wagte man 2016 den Modellversuch zum sechs-Stunden-Arbeitstag bei vollen Bezügen mit dem erfreulichen Ergebnis von weniger Krankenständen, verminderten Überstunden und zufriedeneren Menschen. Negativer Beigeschmack davon: nach zwei Jahren Testlauf wurde auch hier der 6-h-Tag eingestellt: zu teuer, sogar für das reiche Schweden.

Zukunft Arbeitszeiten

Das Problem momentan: Fixe Strukturen und komplexe Hierarchien, gepaart mit dem Anspruch auf flexibles Arbeiten? Das geht nicht lange gut. Organisationen benötigen also höchst flexible Strukturen, müssen dezentral organisiert sein und die Abkehr von der Formalisierung wagen – hier muss noch einiges passieren.

Was Flexibilisierung außerdem heißt: Mehr Fluktuation. Momentan rechnen wir im Fachkräftebereich mit einem durchschnittlichen Jobwechsel alle 4 Jahre – diese Zeitspanne wird sich vermutlich verkürzen. Nur jedes dritte Unternehmen bindet seine Mitarbeiter momentan kommunikativ in den Transformationsprozess zum Arbeitsplatz der Zukunft ein. Mitarbeiter könnten den Wandel nicht verstehen, sich übergangen fühlen und schließlich gehen. Mit der Flexibilisierung geht auch der Trend zu mehr freischaffender Projektarbeit einher. Als Freelancer zu arbeiten bringt mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung – dem stehen viele deshalb mit gemischten Gefühlen gegenüber.

Die Digitalisierung hat außerdem zur Folge, dass zunehmend ständige Verfügbarkeit und eine höhere Arbeitsbelastung verlangt wird – das kann auf Dauer sehr belastend sein. Das wiederum lässt aber einen positiven Aspekt wachsen: das Bewusstsein für kognitive Hygiene, für mehr Pausen und eben auch geringere Arbeitsstunden. Die Generation Z (1997 bis 2012 Geborene), die nach X und Y folgt, soll aber laut Trendforschung wieder mehr auf die Trennung von Arbeit und Freizeit setzen und werden dem entgegenarbeiten. Arbeitgeber müssen in Zukunft vermehrt in die Gesundheit der Mitarbeiter investieren, um diese gesund zu erhalten – und dazu sind sie lt. aktuellen Studien auch bereit. Das heißt also: der Wuzler wird weniger interessant, Büroarchitektur und Benefits, die geistige und emotionales Wohlbefinden fördern, treten in den Vordergrund.

Warum sollten Arbeitgeber eine verkürzte Arbeitszeit gutheißen?

Weil man daran glaubt, dass unter idealen Arbeitsbedingungen die Produktivität steigt: Mitarbeiter sollen mit weniger Aufwand mehr schaffen. Wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Mitarbeiter zwei Stunden pro Tag unproduktiv ist, hat eine 30-h-Woche mit konkreten Regeln wirklich Potenzial und absolute Berechtigung. Und das beweisen momentan bereits erfolgreich umgesetzte Vorreiter-Unternehmen in Österreich wie Bike Citizens in Graz oder emagnetix in Oberösterreich.

„Das drei-Tage-Wochenende soll ein neues Mindset für die Arbeit schaffen!“ Daniel Kofler, CEO Bike Citizens

2. Telearbeit

Auch der Ort, an dem wir arbeiten, wird in Zukunft flexibler werden: Ob mobiles Arbeiten, Home Office oder virtuelle Teams – hier tut sich einiges.

Für drei Viertel der Unternehmen ist laut einer aktuellen Studie klar:

„In 15 Jahren werden Mitarbeiter überwiegend virtuell zusammenarbeiten.“ (XING Trendbook Studie 2018)

Tatsächlich wurde bei unseren deutschen Nachbarn schon über ein „Recht auf Home Office“ diskutiert. Immerhin sind wir lt. einer Studie (IDG Arbeitsplatz der Zukunft 2018) durchschnittlich nur etwa fünf Stunden pro Arbeitstag an unserem Schreibtisch im Unternehmen – die restlichen drei Stunden verbringen wir bei Meetings, unterwegs oder eben im Home Office. 42 Prozent arbeiten bereits mindestens einen Tag pro Woche außerhalb ihres Büros: Zu Hause, im Café, der Bibliothek, in einem Office Space oder einer Business Lounge. 8 von 10 Österreichern gaben außerdem an, dass durch flexibles Arbeiten ihre Zufriedenheit im Job steigt (Studie International Workplace Group 2018).

Das Home Office ist tot – lang lebe das Home Office!

Microsoft hat 2014 die Büropflicht generell abgeschafft – Home Office sollte jederzeit möglich sein. Das nahm man aber nach wenigen Jahren wieder zurück. Warum? Es braucht auch Teamkontakt, denn effektives Arbeiten ist alleine dann doch nicht immer uneingeschränkt möglich. Unternehmen investieren wieder in attraktive Headquarter und holen die Mitarbeiter zurück ins Büro – und das macht Sinn: Neue Ideen generieren und Innovationen schaffen, das geht nur gemeinsam in der Gruppe – und zwar persönlich, nicht über E-Mails. Und noch eine weitere Gefahr besteht: Die soziale Isolation, Einsamkeit als große Zivilisationskrankheit der Zukunft, ist auch in der Arbeit ein Thema.

Dennoch ist der Trend hin zu einer gemischten Form von Telearbeit erkennbar. Je kleiner das Unternehmen, desto eher ist Heimarbeit möglich. Was viele Unternehmen jedenfalls von bekannten Vorzeigebüros á la Google bereits umgesetzt haben, sind sogenannte Creative Spaces, also durch Ausstattung und Ambiente inspirierende Räume zur Unterstützung kreativer Prozesse. Was es dazu braucht: Devices (Laptop) und eine Kultur mit Regeln dazu; Rahmenbedingungen hierfür sollten jedenfalls schriftlich in einer Vereinbarung festgehalten werden.

Auch Co-Working – die zeitlich flexible Zusammenarbeit in Teams aus Freelancern, Kreativen und kleinen Unternehmen – Job Sharing bzw. Tandem Jobs (zwei Teilzeitmitarbeiter teilen sich einen Vollzeit-Job) ist für viele ein Thema und macht somit auch Teilzeit für Führungskräfte relevanter.

Skills der Zukunft

Welche Fähigkeiten werden wir in Zukunft brauchen, was ist gefragt und was wird essentiell sein, um auch in der Zukunft eine umworbene Fachkraft zu sein?

  1. Viele sagen: Coding ist die Zukunft – schon Kinder sollten mit dem Programmieren zumindest in Berührung kommen.
  2. Was uns definitiv begleiten wird: Lifelong Learning. Weiterbildung wird noch viel wichtiger, als sie jetzt bereits ist: Was wir gestern gelernt haben, kann morgen schon wieder überholt sein. Dazu müssen Unternehmen einiges nachholen, um Mitarbeiter fit für die Zukunft der Arbeit zu machen und natürlich müssen wir alle uns dazu bereit erklären, da auch mitzumachen und mitzuhalten.
  3. Selbstkompetenz: Moderne Formen der Arbeit sind komplex und verlangen allen Beteiligten viel ab. Mitarbeiter müssen daher hohe soziale Kompetenz mitbringen, mit Stress umgehen können und sich mit dem Unternehmen stark identifizieren.

Schlussendlich wird es wieder mehr um den Menschen gehen: Auf die Frage, welche Fähigkeiten Führungskräfte in Zukunft mitbringen sollen, sind die Antworten: soziale Kompetenz, Empathie, Vertrauen und Menschlichkeit.

Digitalisierung, oder: Wird mir ein Roboter meinen Job wegnehmen?

Immer öfter hören wir in letzter Zeit, dass in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren viele Berufe vollständig von Robotern ausgeführt werden.

Lt. Institut für Höhere Studien sind mittelfristig rund 9 Prozent der Arbeitsplätze in Österreich in Gefahr, weil sie durch die Digitalisierung wegfallen. (vgl. Institut für Höhere Studien 2017) Können mehr als 70 Prozent eines Jobs durch maschinelle Prozesse übernommen werden, gilt der Arbeitsplatz mittelfristig als gefährdet.

Was aber genau sind die Jobs, die von der Digitalisierung bedroht sind?

Roboter_Zukunft der Arbeit

Prognostiziert wird jedenfalls, dass manuelle Routinetätigkeiten zurückgehen werden. Kognitive, analytische und interaktive Tätigkeiten sollen hingegen eher zunehmen.
Das betrifft übrigens nicht nur – und das ist ein häufiger Fehlglaube – Fabrikarbeiter, sondern auch Steuerfachgehilfen und Versicherungssachbearbeiter. Aber auch Rechtsanwälte, die ihr Geld beispielsweise mit Mandaten verdienen, welche im Prinzip nur eine Variation von Standards darstellen.

Jeder Bereich, in dem menschliche Kreativität gefragt ist und wo Lösungen individuell angepasst werden müssen, lässt sich (zumindest de facto) schwer standardisieren. Der kreative Ingenieur, der Projektleiter auf dem Bau oder der Verkäufer, der Kunden vor allem über empathische Fähigkeiten an sich bindet, all diese Jobs werden nicht so leicht ersetzt werden können. Die Tätigkeiten von Führungskräften, Akademikern und Technikern sind ebenfalls kaum oder gar nicht bedroht.

Im Sinne von New Work ist die Digitalisierung eine Befreiung – von lästigen Routinetätigkeiten!

Manche Arbeitsplätze werden durch die Digitalisierung und generell die Entwicklung hin zum Arbeitsplatz der Zukunft sehr wahrscheinlich verschwinden – davon gehen laut einer aktuellen Studie 41 Prozent der befragten Unternehmen aus (IDG Arbeitsplatz der Zukunft 2018). Arbeitnehmer, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, sind von der digitalisierten Arbeitswelt am stärksten betroffen: Rund 30 Prozent der Jobs für Hilfsarbeitskräfte werden wegfallen. 18 Prozent der Maschinenbediener und 19 Prozent der Handwerker wird die Digitalisierung ebenfalls treffen.

Jobs werden also definitiv wegfallen, dafür werden aber neue Arbeitsplätze entstehen. Die Anforderungen und Tätigkeiten werden sich allerdings verändern. Damit die Digitalisierung letztendlich aber mehr Jobs schafft, als diese zu eliminieren, sind Qualifikationsprogramme notwendig sowie ein Bildungssystem, das sich auf die Digitalisierung einstellt. Wichtig ist, sich selbst für neue Tätigkeitsbereiche zu öffnen und Qualifikationen zu sammeln (Stichwort: Lifelong Learning!). Was uns lt. KI-Experten Sepp Hochreiter von der JKU karrieretechnisch jedenfalls in nicht allzu ferner Zukunft erwartet, sind völlig veränderte Bewerbungsverfahren – dank der Digitalisierung.

Der Trend für die Zukunft der Arbeit geht schlussendlich in diese durchaus positive Richtung: Der Mensch steht im Mittelpunkt! Das Arbeitsumfeld muss zukunftsfähig und lebenswert zugleich werden! Darin liegt die große Chance der Digitalisierung (neben den zweifelsohne großen Herausforderungen): Arbeitsumfelder zu schaffen, die Organisationen erfolgreich machen, ohne dass dies auf Kosten der Mitarbeiter geht.

Wie werden wir in Zukunft arbeiten: Ängste & Chancen

Chancen & Risiken der Zukunft der ArbeitFragt man bei Arbeitnehmern nach, was sie sich von der Zukunft der Arbeit erhoffen und was man eher skeptisch beäugt, fällt das Resümée recht ausgeglichen aus:

 Ängste

  • Abhängigkeit von digitalen Prozessen / IT
  • permanente Verfügbarkeit als Erwartungshaltung der Kunden
  • daraus resultiert auch größere Arbeitsbelastung
  • hohe Fluktuation und Unsicherheit
  • KI als Bedrohung: durch zu wenig Information und Weiterbildung in geforderten Bereichen und als Konkurrenz am Arbeitsmarkt

Chancen

  • FREIHEIT: zeitlich, räumlich, inhaltlich; wirklich das machen, was man will: flexibel und selbst einteilen können, wo und wann man arbeitet und in welchem Arbeitsverhältnis (angestellt, freiberuflich)
  • Aus der zunehmenden Arbeitsbelastung erwachsen auch Chancen: mehr Bewusstsein für Psychohygiene, geringere Wochenstunden und Pausenkultur.
  • Gen Z mit ihrem Motto „weniger Stress – mehr Leben!“: Arbeitgeber müssen mehr auf Work-Life-Separation und Gesundheitsangebote achten
  • Cultural Fit geht über Qualifikation – Quereinsteiger werden es in Zukunft nicht mehr so schwer haben wie momentan. Die Werte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern müssen zusammenpassen – das steht noch vor den Skills.
  • Mehr Diversität: Teams können im Sinne von New Work nur gut sein, wenn sie divers sind.
  • KI als Chance für Arbeitsentlastung in Bereichen, die repetitiv und menschenunwürdig sind.

 

Webinar über die Zukunft der Arbeit zum Nachhören

Alles zum Nachhören inklusive visuellem Input gibts hier:

Bildnachweis: Gorodenkoff/Disobey Art/dotshock/Phonlamai Photo – Shutterstock; Grafiken: karriere.at

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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