3. Mai 2018 · HR · von

„Die beste Lösung kommt nur zustande, wenn man keine Angst vor Fehlern hat.“

Der deutsche Outdoor-Ausrüster VAUDE geht als Unternehmen nachhaltige Wege. Geschäftsführerin Antje von Dewitz hat das Unternehmen von ihrem Vater übernommen und erzählt im Interview, was VAUDE als Arbeitgeber anders macht und wie das Recruiting im ländlichen Raum funktioniert:

Antje von Dewitz

Antje von Dewitz

„Hierarchieübergreifend die beste Lösung finden“

Kinderbetreuung, ein transparentes Gehaltssystem und gelebte Vertrauenskultur: Das deutsche Unternehmen VAUDE lässt sich als Arbeitgeber gerne in die Karten schauen. Im Juni 2018 auf der Freiräume (Un)Conference in Graz und vorab bereits auch hier im Blog. Geschäftsführerin Antje von Dewitz über Recruiting im ländlichen Raum und wie Arbeiten auf Augenhöhe trotz Hierarchien funktionieren kann:

Wie viele Mitarbeiter gibt es im Unternehmen und wie organisiert sich VAUDE über Führungsebenen und Teams hinweg?

Von Dewitz: VAUDE hat 500 Mitarbeiter. Wir haben einerseits eine klare hierarchische Führungsstruktur. Andererseits spannen wir vor allem in den letzten Jahren zunehmend bereichs- und hierarchieübergreifende Netzwerke, in denen sich die Mitarbeiter organisieren wie z.B. Gremien, Kampagnen, Projekte oder Steuerkreise.

Sie haben bei VAUDE das „Konzept der selbstwirksamen Organisation“ entwickelt, das Selbstverantwortung fördert. Wie sieht das in der Praxis aus?

Von Dewitz: Wir haben festgestellt, dass die komplexen, nachhaltigen, dynamischen Herausforderungen unserer Zeit mit den bisherigen Organisationsformen nicht zu bewältigen sind. Daher setzen wir auf das Prinzip der Augenhöhe. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die Verantwortung für sich selbst und für ein Thema übernehmen und Entscheidungen treffen möchten. Sie sollten die Bereitschaft und die Kompetenz haben, dies auch wahrzunehmen, um ein gemeinsames Ringen um die beste Lösung zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, veranstalten wir viele Schulungen für unsere Mitarbeiter, in denen es darum geht, wie man Verantwortung übernimmt und wie man hierarchieübergreifend die beste Lösung findet.

Damit verändert sich die Rolle der Führungskraft, die nicht mehr inhaltlicher Entscheidungsträger ist, sondern den Rahmen gestaltet. Ebenso verändert sich die Rolle der Mitarbeiter, die mehr Verantwortung übernehmen und stärker mitgestalten.

Was geschieht, wenn einzelne Mitarbeiter nicht bereit sind, Verantwortung zu übernehmen?

Von Dewitz: Jeder Mitarbeiter ist gefordert Verantwortung zu übernehmen. Die Kompetenz und Bereitschaft dafür sind natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Darauf müssen unsere Führungskräfte eingehen. Grundsätzlich sollte man als Mitarbeiter offen für dafür sein und auch bereit, sich darauf einzulassen.

„Die beste Lösung kommt nur zustande, wenn man keine Angst vor Fehlern hat.“

VAUDE setzt voll und ganz auf Nachhaltigkeit. Wie zeichnet sich das in Ihrer Verantwortung als Arbeitgeber ab?

Von Dewitz: Wir engagieren uns für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und lebenswerte Arbeitswelten. Dazu gehören schöne, gesunde Arbeitsplätze mit viel Licht, eine Bio-Kantine, ein betriebseigenes Kinderhaus, eine Vertrauenskultur, eine transparente Gehaltssystematik und ein betriebliches Gesundheitsmanagement mit vielen Sportkursen für unsere Mitarbeiter.

Wie geht VAUDE als Organisation mit Fehlern um?

Von Dewitz: Wir haben ein positives Menschenbild und gehen davon aus, dass unsere Mitarbeiter gerne hier arbeiten und das Beste fürs Unternehmen möchten. Entsprechend trainieren wir auch unsere Führungskräfte. Im Rahmen dieses Verständnisses sind Fehler nicht als mutwillig anzusehen. Eine Vertrauenskultur und ein Umgang auf Augenhöhe setzen eine Fehlerkultur voraus. Anstatt Fehler zu verdammen, sehen wir sie als Chance. Denn die beste Lösung kommt nur zustande, wenn man keine Angst vor Fehlern hat. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um auch neue, mutige Wege zu gehen.

Die VAUDE-Zentrale liegt ja auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“. Viele Arbeitgeber im ländlichen Bereich haben Schwierigkeiten, passende Mitarbeiter zu finden. Worauf setzen Sie im Recruiting und als Arbeitgeber, um die richtigen Teammitglieder zu finden und zu halten?

Von Dewitz: Obwohl in unserer Region Vollbeschäftigung herrscht und es eine florierende Industrie am Bodensee gibt, haben wir keine Probleme, gute Mitarbeiter zu finden. Die meisten Stellen schreiben wir nur über unsere eigenen Kanäle, vor allem unsere Website, aus. In speziellen Bereichen wie IT, Produktion oder Zoll setzen wir auch auf kreative Social-Media-Kampagnen, um Mitarbeiter zu finden.

Wir profitieren davon, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind, der vielfältige Angebote für Mitarbeiter bereithält und ein werteorientiertes Arbeiten ermöglicht. Nach unseren Erfahrungen gibt es immer mehr Menschen, die gerne sinnerfüllt arbeiten möchten und Wert auf eine gute Work-Life-Balance legen.

Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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