29. März 2018 · HR · von

Obstkorb, Smartphone, Fitnesscenter: Sind Benefits nur Firlefanz?

Eine Frage, drei Antworten: Zum Thema Benefits haben wir bei drei verschiedenen Arbeitgebern nachgehakt und gefragt, wie sie das Thema Zusatzleistungen für Arbeitnehmer handhaben. Welchen Stellenwert haben Benefits wirklich, wenn es um Recruiting und Mitarbeiterzufriedenheit geht?

Ohne Benefits geht im Recruiting nichts mehr und Arbeitgeber setzen längst auf „Zuckerl“ zum Gehalt: Gratis Mittagessen, Home-Office, Reisegutschein, Fitnesscenter – darfs ein bisschen mehr sein? Wir haben bei drei Unternehmen nachgefragt: Welchen Stellenwert nehmen Zusatzleistungen im Recruiting und Employer Branding ein? Sind Benefits nur Firlefanz? Eine Frage und drei Antworten darauf:

„Wir schätzen Aufgaben mit Gestaltungsspielraum“ – Veronika Badics, HOFER KG

Veronika Badics; Leiterin Human Resources, HOFER KG

Ein Job bei HOFER steht nicht nur für spannende Aufgaben und ein hohes Gehalt, auch attraktive Benefits kommen nicht zu kurz. Uns ist es besonders wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter bei uns wohlfühlen. Daher werden sie nicht nur von den vielen Vorteilen wie Gratis-Obst oder zahlreichen Vergünstigungen bei Partnerunternehmen motiviert, sondern vor allem von den abwechslungsreichen Aufgaben. Teamwork und Zusammenarbeit spielen auch hinsichtlich unserer Benefits eine große Rolle. Denn Teamspirit wird bei uns groß geschrieben und Mitarbeiter wachsen so gemeinsam über sich hinaus. Wie wir das fördern? Zum Beispiel durch Corporate Volunteering-Initiativen im Team oder durch die Übernahme der Teilnahmegebühren bei Sportveranstaltungen. Beim Vienna Business Run haben zum Beispiel 1.300 HOFER-Mitarbeiter aus ganz Österreich gezeigt, was Teamgeist in der Praxis heißt.

Flexible Arbeitszeitmodelle sind für uns alle – nicht nur für die stark umkämpften Millennials – von großer Bedeutung. Aus diesem Grund werden wir weiterhin Maßnahmen setzen, um die Rahmenbedingungen für unsere Mitarbeiter so ideal wie möglich zu gestalten. Weiterentwicklung, Flexibilität und Work-Life-Balance – hier setzen wir an. Darüber hinaus schätzen wir Aufgaben mit Gestaltungsspielraum, abteilungsübergreifende Projektarbeit und wertschätzende Kommunikation als wesentliche Faktoren, die unsere Mitarbeiter und auch HOFER als Unternehmen weiterbringen.

„Wer mit Bananen zahlt, darf sich nicht wundern, wenn er Affen bekommt“ – Ino Karning, Agentur Fredmansky

Ino Karning Fredmansky

Ino Karning; Geschäftsführer Fredmansky

Neben dem ganzen „War of Benefits“ sollte man sich als Bewerber, aber vor allem auch als Arbeitgeber, wieder einmal auf das Wesentliche besinnen: Was macht denn wirklich „zufrieden“? Ist ein Mitarbeiter tatsächlich zufriedener, weil es einen Obstkorb, ein Mittagessen oder regelmäßige Massagen gibt? Zufrieden muss vor allem die Tätigkeit selbst machen. Weil sie sinnvoll ist. Weil sie Spaß macht. Darüber hinaus versuchen wir über flexible Arbeitszeitmodelle und Strukturen besser auf individuelle Wünsche bzw. aktuelle Lebenssituationen einzelner Mitarbeiter einzugehen.

Benefits sollen bei uns keine Lockangebote für potenzielle Mitarbeiter sein. Da halten wir den Ball flach. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gute und selbstmotivierte Mitarbeiter nicht wegen ein paar Bananen oder einem gratis Frühstück kommen. Eine Zusatzleistung soll etwas Besonderes sein. Und zu etwas Besonderem wird sie, wenn sie nicht selbstverständlich ist. Klar, im Bewerbungsprozess entscheidet zwischen gleichwertigen Positionen im Zweifel das „Zuckerl“. Aber das nehmen wir in Kauf. Denn wir möchten auch keine Kultur aufbauen, in der Mitarbeiter nur der Benefits wegen bei uns arbeiten.

„Die Möglichkeit, sinnhaft zu arbeiten, als größtes Benefit“-  Markus Stelzmann, TELE

Markus Stelzmann ist Regisseur bei TELE und außerdem: Blitzdenker, Plaudertasche, Umsetzer

„Meines Erachtens sind Benefits kein Firlefanz, aber absolut überbewertet. Das „Grundsetting“ eines Unternehmens bzw. einer Organisation sollte so gestaltet sein, dass es die Mitarbeiter als fördernd erkennen. Bei TELE geht das für den Mitarbeiter über das Mitsprache- und Entscheidungsrecht bei allen Fragen, über absolute Transparenz, ein eigenes Gehaltsmodell bis hin zu freiem Kaffee, Getränken und Obst. Die Möglichkeit, sinnhaft zu arbeiten, stellt meiner Meinung nach den größten Benefit der Arbeit für TELE Haase dar. Natürlich muss das sowohl der bestehende Mitarbeiter, als auch alle Zukünftigen als Benefit erkennen. Hier geht es darum, dass sich in Zukunft nicht nur Unternehmen, sondern auch die Mitarbeiter verändern.

In klassischen Unternehmen stellen Benefits die „Karotte vor der Nase“ dar, weil es dem Mitarbeiter nicht möglich ist, sich sinnhaft in die Organisation einzubringen. Getreu dem Motto: „…you need to know“ wird unreflektiert abgearbeitet, und ein Benefit dient nur dazu, den Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Heute ist es nicht nur wichtig sicherzustellen, dass der Mitarbeiter überwiegend zufrieden mit sich und seiner Aufgabe im Unternehmen nach Hause geht. Es ist viel wichtiger, dass der Mitarbeiter sich und seine Leistung im Gesamtgefüge einer Organisation bewerten und erkennen kann und er die Möglichkeit hat, bei Ungleichgewicht – egal wo – zu intervenieren und das Gleichgewicht wiederherzustellen.“

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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