Aktualisiert am 30. Juli 2019 · Arbeitsleben · von

Freundschaft im Büro: „Quatscht ihr nur oder arbeitet ihr auch?“

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„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt!“ Mit der Lobeshymne auf die Freundschaft der Comedian Harmonists in den Ohren arbeitet es sich gleich viel leichter. Hat man neben sich noch dazu Kollegen sitzen, die man mehr als bloß gut riechen kann, fühlt man sich gleich doppelt glücklich. Ja, Freundschaften im Büro sind wunderbar – und doch können sie auch zu Problemen führen.

Wie sehr darf das Privatleben mit dem Beruf verschwimmen? Die Geister scheiden sich an dieser Frage. „Kollegen sind keine Freunde!“ und „Privates ist privat!“ sind sich die einen sicher. Andere wiederum sehen die Grenzen fließend – Stichwort „Work-Life-Blending“. Warum also nicht auch Freundschaften am Arbeitsplatz zulassen? Immerhin verbringt man mit den Kollegen in der Regel mehr Zeit als mit den BFFs.

Freundschaft im Büro: wichtig fürs Wohlbefinden

Auf gleicher Ebene, sprich unter Kollegen, kommen echte Freundschaften am Arbeitsplatz häufig vor – und das ist gut so. Wer viele Kilometer vom Wohnort entfernt arbeitet oder sogar nur am Wochenende nach Hause kommt, für den sind Freundschaften in der Arbeit besonders wichtig, um nicht zu vereinsamen. Aber auch für Menschen, die Familie und Arbeit in der gleichen Stadt haben, ist es empfehlenswert, nach der Arbeit etwas gemeinsam mit den Kollegen zu unternehmen und die beruflichen Freundschaften zu festigen. Schließlich verbringen wir im Schnitt mehr als 41 Stunden pro Woche mit unseren Kollegen. Wenn man sich gut versteht und enge Bindungen zulässt, kann das sehr zur Motivation beitragen. Zudem erlebt das Arbeitsumfeld im Normalfall auch private Höhen und Tiefen mit. Kommt es zu einer Notsituation, so unterstützt man seine Arbeitsfreunde sicherlich lieber als Kollegen, die man kaum kennt.

„Quatscht ihr nur oder arbeitet ihr auch?“

Wenn Kollegen zu besten Freunden werden, ist das prinzipiell etwas Schönes. Aufpassen sollte man jedoch, wie die Freundschaft auf andere wirkt. Andere Kollegen können sich schnell ausgegrenzt fühlen, wenn die privaten Erzählungen in der Teeküche allzu detailliert werden und die BFFs vergessen, dass sie eigentlich gerade in der Arbeit sind. Mit ernsten oder sehr intimen Gesprächen sollte man bis nach Dienstschluss warten und darauf achten, dass der Arbeitsplatz nicht zu sehr durch die Freundschaft geprägt ist. Dies kommt auch dann zum Tragen, wenn es mal dunkle Wolken am Freundschaftshimmel gibt – die Rede ist von Streit. Im Extremfall kann ein großer Krach dazu führen, dass einer der beiden Buddys kündigt – im schlimmsten Fall beide.

Wenn der Freund zum Vorgesetzen wird

Derlei dunkle Wolken ziehen am Beziehungshorizont eventuell dann auf, wenn einer der beiden Freunde befördert wird und plötzlich Chef des anderen ist. Dass eine Freundschaft auf verschiedenen Ebenen sehr schwierig wird, liegt auf der Hand. Dennoch muss sie nicht zum Scheitern verurteilt werden. Hier hilft eben eine gesunde Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben. Während die enge Freundschaft bei gleichrangigen Kollegen noch eher unproblematisch ist, sollte bei Kollegen aus unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen die professionelle Beziehung Vorrang haben. Besonders schwer ist der Wechsel vom Kollegen zum Vorgesetzten dann, wenn es zu unangenehmen Situationen kommt. Was, wenn der der neue Vorgesetzte seinen guten Freund und ehemaligen Kollegen entlassen muss?

Freunde nicht nur in der Arbeit suchen

Es gibt jedoch auch andere Situationen, die eine Bürofreundschaft an ihre Grenzen bringen können. Was ist, wenn der Lieblingskollege kündigt? In so einem Fall fühlt sich der verbleibende Freund unter Umständen verlassen, im Stich gelassen, ist enttäuscht und reagiert mit Aussagen wie: „Ich bin doch nur wegen dir so lang geblieben.“

Umso schlimmer ist dieses Gefühl, wenn man außerhalb der Arbeit kaum soziale Kontakte hat. Es ist also nicht ratsam, die gesamte Herzensenergie in die Arbeit beziehungsweise Arbeitskollegen zu stecken. Auch im privaten Umfeld sollte man enge Freundschaften pflegen.

„Ich möchte nicht dein ganzes Leben mitkriegen“

Unter dem Motto „Freunde kann man sich aussuchen, Kollegen nicht“ wird man wohl naturgemäß nur wenige engere Kontakte im Arbeitsumfeld haben. Mit jedem kann und sollte man auch gar nicht „best friend“ sein. Hat man einen Kollegen oder eine Kollegin, der oder die ungefragt zu viel Intimes preisgibt, sollte man dies ruhig auch sagen können. So kann man beispielsweise freundlich darum bitten, dass private Telefongespräche nicht im Großraumbüro geführt werden. Immerhin will man nicht von jedem Kollegen das gesamte Leben mitbekommen.

Empfehlungs-Recruiting: Den besten Freund in die Firma holen

Manche Freundschaften bestehen schon vor der Zusammenarbeit. Wird der Kumpel dann zum Kollegen, kann das sehr gut funktionieren. Schließlich kennt man einander und weiß, ob man gut zusammen und zur Firma passt. Einen Freund anzuwerben birgt aber auch ein emotionales Risiko: Gefällt dem Freund die vorgeschwärmte Stelle doch nicht oder stellt er sich als wenig geeignet heraus, kommt man als Vermittler schnell unter Druck. Entweder fühlt sich der Freund oder der Arbeitgeber getäuscht – beides kann böse enden. Empfehlungs-Recruiting sollte also mit Vorsicht genossen werden. In manchen Fällen gilt halt doch: Wir können ja Freunde bleiben.

Auf die Freundschaft? Feierabend mit den Kollegen

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Redaktion