Erstellt am 16. Dezember 2019 · Arbeitsleben · von

Frust im Studium: Was tun, wenn die Luft raus ist?

Lesezeit: 5 Minuten

Es gab und gibt Phasen während meines Studiums, da hats mich – ganz salopp formuliert – einfach nicht „gezaht“. Und obwohl mein Weg an den Campus keine fünf Minuten beansprucht, setze ich ihn in meinem Kopf manchmal mit einer mehrstündigen Wanderung gleich – und bleib zu Hause. „Was für ein Unsinn“, wird sich der ein oder andere Leser vielleicht denken. Aber lasst mich erklären …

Ich bin einer dieser Menschen, der bei mangelnder Motivation nur schwer in die Gänge kommt. Besonders, wenn die Professoren der von mir gewählten Kurse es mit der Anwesenheitspflicht nicht ganz so streng nehmen. Doch auch, wenn ich freie Vormittage oder den erzwungenen „Ausfall“ einer Vorlesung, die spät am Abend stattfindet, nur begrüßen kann … Ein schlechtes Gewissen drängt sich mir mitunter schon auf, weil ich grundsätzlich gerne und interessiert studiere. Und dann natürlich das Vergnügen habe, den verpassten Stoff im Nachhinein alleine aufzuarbeiten. Wobei das mitunter sogar als Vorteil durchgehen kann, weil ich mich in der Folge intensiver mit den Inhalten auseinandersetzen muss.

Ich weiß aber aus Erfahrung und dem Austausch mit Kommilitonen, dass ich nicht die Einzige bin, die sich mit Motivationsproblemen herumschlagen muss und dem Universitätsgelände aus diesem Grund fern bleibt. „Ich hab grad keinen Kopf für Uni“, hab ich schon oft gehört und aus vollstem Herzen nachvollziehen können. Glücklicherweise bietet ein Universitätsstudium in der Regel aber genügend Freiraum, um solche Leistungseinbrüche ohne nennenswerte Konsequenzen wegzustecken. Und wenns gar nicht anders geht, wiederholt man den Kurs einfach im nächsten Semester.

Unlust, woher kommst du, wohin gehst du?

Die Quelle des Unlust-Übels lässt sich meist nicht eindeutig identifizieren. Oftmals ist es ja auch eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Gerate ich während des Semesters ins Stocken, steckt meist einer der folgenden Gründe dahinter:

Ein ungeliebter Kurs

Ich zähle mit meinem Studium der Kulturwissenschaften zu jenen Glücklichen, die sich den Großteil ihrer Studieninhalte nach eigenem Interesse und gewünschtem Schwerpunkt aus einem breiten Angebot unterschiedlicher Themenbereiche zusammenschustern können. Gewissen Kursen kann ich mich aber trotzdem nicht entziehen, zum Beispiel, wenn sie verpflichtend sind. Besonders happig wirds, wenn mangelndes Interesse und verinnerlichte Ablehnung sich zusammentun. Bei manchen Vorlesungen und Seminaren kann ich nicht anders, als mich davor zu sträuben wie eine Katze beim Anblick einer vollen Badewanne. Das einzige, das mich dann noch in den Hörsaal bringt, ist die Aussicht auf 3 ECTS-Punkte, die mich meinem Abschluss näherbringen.

Winter blues at its best

Klingt vielleicht wie eine faule Ausrede, aber meine Leistungsbereitschaft orientiert sich merklich am Verlauf der Jahreszeiten. Und obwohl ich den Winter von einem ästhetischen (und essensbezogenen, weil Kekse) Standpunkt am liebsten mag, bietet er nicht unbedingt die Rahmenbedingungen, die eine motivierte und produktive Grundeinstellung fördert. Wenig Sonnenlicht und kurze Tage begleitet von einer unterschwelligen, melancholischen Note … Definitiv kein Rezept, das mich zu Höchstleistungen antreibt. Und wenn ich die Wahl zwischen einem ungemütlichen Sitzplatz im zu stark beheizten Hörsaal und meiner Couch inklusive Kuscheldecke habe, dann weiß ich ganz genau, wofür ich mich entscheide. Tipps gegen das gefürchtete Wintertief gibts übrigens hier nachzulesen.

Viel zu viel zu tun

Neben meinem Vollzeitstudium arbeite ich fünfzehn Stunden bei karriere.at. In meiner Freizeit bereite ich Texte für die Uni vor, erledige Alltagskram, treibe Sport und versuche, so viel wie möglich zu lesen. Dazwischen werden Zeitfenster für Freunde freigeschaufelt, was ab einem gewissen Alter ganz schön schwierig sein kann. So nach dem Motto „Schön, dich gekannt zu haben“ sieht man sich ob Arbeitszeit und anderen Verpflichtungen einmal alle zwei Wochen. Oder einmal im Monat. Und dann wär da noch meine Familie, die ja auch nicht ganz vernachlässigt werden sollte. Es mag zwar ein totales Klischee sein, aber: Es gibt Tage, da reichen 24 Stunden einfach nicht aus. Zwangsläufig wird dann bei meiner Tagesplanung priorisiert, wobei bestimmte Kurse nicht immer ganz oben in der Liste zu finden sind.

Wenns in anderen Lebensbereichen kriselt …

… dann hat das unweigerlich Auswirkungen auf meine studentische Leistung. Ob das jetzt eine Krankheit ist, die sich nur schleppend auskurieren lässt, Familien- oder Beziehungsprobleme oder die Tatsache, dass ich für Freunde nicht in dem Ausmaß da sein kann, in dem ich gerne möchte. Ist Frust einmal da, zieht er sich durch alle Lebensbereiche. Leider entbehre ich oft der moralischen Größe oder Reife, mich davon nicht runterziehen zu lassen.

Zeiteinteilung mit Journals

Du hast Probleme mit Zeiteinteilung? Ein Journal kann helfen.

Frustriert hoch zehn? Das kannst du tun:

Die gute Nachricht ist: Frust hat ein Ablaufdatum. Zumindest ist das bei mir der Fall. Durststrecken, die mangelnder Motivation geschuldet sind, dauern bei mir in der Regel nicht länger als einen Monat. Damit ich aber nicht Gefahr laufe, im Stoff zu weit zurückzufallen, habe ich mir (mehr oder weniger) klare Grenzen gesetzt und ergreife auch die Initiative, um den inneren Schweinehund auszutricksen.

1. Kapitulieren, Kräfte sammeln, angreifen

Wird der betroffene Kurs nicht ganz so streng gehandhabt, bin ich eher gewillt, ihn ein paar Mal sausen zu lassen. Will ich das Schwänzen schönreden? Nein. Es hilft aber und mindert bei mir persönlich den Druck, alle Aspekte meines Lebens unter einen (viel zu kleinen) Hut stopfen zu wollen. Allerdings setze ich mir klare, auf den Kurs abgestimmte Grenzen gesetzt, was das Ausmaß meines Fehlens betrifft und halte diese auch ein. Worauf ich ebenfalls großen Wert lege: Abgabefristen von Essays, Exzerpten und Seminararbeiten werden eingehalten, ganz egal, wie wenig Lust ich darauf habe, sie zu schreiben. Die durchs Blaumachen gewonnene Freizeit nutze ich dann bewusst für mich, oder um andere liegengebliebene Aufgaben, ob unibezogen oder nicht, aufzuholen. Nach einem Tag ausgeprägter Self Care lässt sich der nächste Vorlesungstermin gleich viel entspannter bewältigen. Und wenns gar nicht anders geht: Einen Kurs fallenzulassen, kratzt mittlerweile auch nicht mehr an meinem Ehrgefühl.

2. Aufs Positive besinnen

Wie oben bereits erwähnt, studiere ich grundsätzlich gerne. Und jedes Semester gibt es Kurse, die mich wirklich begeistern und daran erinnern, warum ich mich überhaupt für ein Studium entschieden habe: Weil es wahnsinnig viel Spaß macht, Neues zu lernen und das Wissen aus unterschiedlichen Rubriken miteinander zu verknüpfen. Auch ein wesentlicher Motivationsfaktor ist für mich die Aussicht, bald meinen Abschluss in der Tasche und damit einen weiteren Lebensabschnitt bewältigt zu haben. Und wenn mich all das gute Zureden doch nicht wieder nach vorne bringt, dann gibt es immer noch die Aussicht, nach Vorlesungsende gemeinsam mit Kommilitonen auf ein wohlverdientes Bier ins Unibeisl zu pilgern. ;)

3. Routine, Routine, Routine

Ein Allheilmittel, das jeder self help guru und Produktivitätsfanatiker propagiert: Eine persönliche Routine, in der Fixtermine wie z.B. Vorlesungen verbindlich festgehalten sind. Meinen eigenen Zeitplan nehme ich – zugegebenermaßen – in letzter Zeit nicht ganz so ernst, sondern orientiere ihn entlang meiner aktuellen Befindlichkeit. Die Konsequenz daraus ist, dass ich immer wieder Dinge schleifen lasse, die mir wichtig sind oder die eine gewisse Dringlichkeit haben. Und das nervt mich nicht nur, sondern verursacht unnötigen Stress (den du mit diesen Tipps bekämpfen kannst). Eine Routine erhöht nicht nur meine Produktivität, sondern ermöglicht mir meinen Alltag so zu gestalten, dass er zu meinem Wohlbefinden beiträgt. Was dabei nicht vergessen werden darf: Zeit für sich selbst und andere reservieren. Hobbys, Freunde und Familie dürfen auch in der Klausurenzeit nicht zu kurz kommen. Übrigens: Ein hilfreiches Mittel für Zeiteinteilung und Reflexion ist das Journal, das Kreativität und Nutzen miteinander verbindet.

4. Augen zu und durch

Eine Plattitüde sei mir zum Abschluss noch erlaubt: Das Leben ist kein Ponyhof! Manche Phasen der Lustlosigkeit lassen sich weder mit Self Care Days noch mit strukturierten Tagesplänen oder schönen Gedanken eindämmen. Da, so meine Erfahrung, hilft dann nur die Augen-zu-und-durch-Methode. Am Ende des Tages wird sich meine Situation durch ausgelassenes Sudern nicht verbessern. Motivationseinbrüche gehören dazu, unabhängig davon, ob man mitten im Studium oder bereits im Arbeitsleben steht. Sie zu überwinden kann eine Herkulesaufgabe sein, macht sich aber auf lange Sicht bezahlt.

 

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.