Traumjob gesucht: Macht doch alle, was ihr wollt!

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Montag, 16. November 2015 um 20:47

Wozu steht man morgens eigentlich auf? Und mit wie viel Elan und Lust macht man sich auf den Weg zur Arbeit? Wer öfters denkt „Eigentlich möchte ich lieber was ganz anderes machen“ ist damit nicht alleine. Laut aktueller karriere.at-Online-Umfrage leben die wenigsten ihren beruflichen Traum. Tipps für den Weg zum Traumjob gibt Karrierecoach Uta Glaubitz und ein Beispiel für radikalen Laufbahnwechsel zeigt, was alles möglich ist.

So (un)zufrieden macht der Job

Arbeitet man, um zu leben – oder ist es doch umgekehrt? Wir haben nachgefragt, wie zufrieden die Österreicher mit ihrem Job sind. 427 Teilnehmer an unserem Online-Stimmungsbild beantworten die Frage nach der Freude am Beruf so: 33 Prozent finden, es ziemlich gut erwischt zu haben. Es ginge beruflich aber noch besser. Mehr als ein Viertel bewertet ihren Job neutral – er ist weder besonders gut, noch besonders schlecht. Praktische Gründe sprechen dafür, den aktuellen Beruf auszuüben. Fast genauso viele Arbeitnehmer sagen über ihren Job aber: „Horror. Geld ist mein einziger Antrieb.“ Den Traumjob haben laut Umfrage nur zwölf Prozent ergattert.

Umfrage Traumjob

Das sagt der Chef zu den Karriereplänen

Warum einige Arbeitnehmer so unzufrieden mit ihrem Job sind, kann zwei Gründe haben: Entweder, ihr Beruf enspricht nicht ihren Interessen und Neigungen oder es liegt nicht am Job, es liegt am Unternehmen. Der Traumjob liegt vielleicht nur eine Abteilung weiter entfernt, man klebt selbst aber schon seit Jahren am selben Schreibtisch. Im Rahmen der Online-Umfrage wurden auch 137 Unternehmensvertreter befragt. Wissen HR-Manager und Führungskräfte überhaupt, welche Karriereziele ihre Mitarbeiter verfolgen? 43 Prozent sagen, dass sie aktiv nach den Wünschen fragen müssen. 41 Prozent berichten, dass sie von Karriereplänen nur im Mitarbeitergespräch erfahren würden. Für acht Prozent ist die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter generell kein Thema. Ebenso viele Führungskräfte kennen die Entwicklungswünsche ihrer Arbeitnehmer aber genau.

Traumjob gesucht

Jobwechsel: Von der Krankenstation auf ein Schiff

„Das kann nicht alles gewesen sein!“ denkt sich Beate. Sie ist 35 und hat bisher als Krankenschwester gearbeitet. Es war der Berufswunsch ihrer Mutter, nicht ihr eigener. Aus verschiedenen Gründen hat sich dieser Berufsweg trotzdem für sie ergeben – glücklich ist sie nicht. Ihr Traumjob sieht eigentlich ganz anders aus. Ein Artikel über die ersten deutschen Kapitäninnen, den sie seit ihrem 15. Lebensjahr aufbewahrt hat, geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie entscheidet sich, diesem Traum nachzugehen. Vom Job der Krankenschwester verabschiedet sie sich und schlägt die Laufbahn zur Kapitänin ein. Der radikale Laufbahnwechsel hält jede Menge Schwierigkeiten bereit und wirbelt ihr gesamtes Leben durcheinander. Und er hat sich gelohnt: Heute fährt Beate ihr Kapitänspatent zwischen Deutschland, Südafrika und Asien.

Auf dem Weg zum Traumjob

Uta Glaubitz

Uta Glaubitz

Mit diesem radikalen Laufbahnwechsel ist Beate nicht alleine. Sie ist nur einer von vielen Fällen, die Uta Glaubitz in ihrer täglichen Arbeit begegnet sind. Die Autorin und Berufsberaterin hat sich ganz der individuellen Berufsfindung verschrieben und weiß, welche Hürden auf dem Weg zum Traumjob lauern. „Manche kommen mit einem Plan, den sie überprüfen und diskutieren möchten. Die meisten Teilnehmer aber wollen etwas Neues machen und haben keinen blassen Schimmer, was das sein könnte“, erzählt Glaubitz. Für uns hat sie die wichtigsten Fragen rund um die Suche nach der eigenen Berufung beantwortet:

„Larifariziele entwickeln keine Kraft.“

Wie erkennt man, dass es wirklich an der Zeit für einen Berufswechsel ist?

Glaubitz: Man macht sich klar: Mit einem neuen Beruf wird auch nicht gleich alles besser. Schwierige Kollegen, schwierige Chefs – das gibt es überall. Wenn man dann aber immer noch davon überzeugt ist „Ich will etwas anderes machen“ – dann ist der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen.

Wie konkret muss ein Berufswunsch bzw. ein Ziel formuliert sein?

Glaubitz: Das Ziel muss ganz klar formuliert sein: Ich werde Zahnarzt. Ich werde Oldtimerrestaurator. Ich werde Winzer. Larifariziele entwickeln keine Kraft. Im Übrigen könnte man aus einem Satz wie „ich will was mit Medien machen“ ja gar nicht ableiten, welche Schritte dorthin führen. Besser ist es, man fällt eine Entscheidung für einen Beruf: Was will ich werden? Ein guter Beruf hat natürlich immer etwas mit einem zu tun. Also: Wer sich nicht für Architektur interessiert, sollte nicht Architekt werden. Wer sich nicht für Mode interessiert, sollte nicht Modedesignerin werden. Wenn man sich aber für Sport und Natur interessiert, könnten Lehrer für Sport und Bio oder Förster oder Bootsbauer oder Sportreporter eine Option sein.

Was entgegnet man Bedenken von Freunden oder der Familie?

Glaubitz: Wenn einem gesagt wird, dass man von einem Beruf nicht wird leben können, muss man herausfinden, ob das stimmt. Wenn es zum Beispiel niemanden gibt, der mit Yogaunterricht seinen Lebensunterhalt verdient, dann ist es vielleicht wirklich keine gute Idee, daraus einen Beruf zu machen. Meistens aber sind solche Sätze unreflektierter Quatsch. Wenn ich höre „Als Friseurin verdient man kein Geld“  – da muss ich nur auf meine eigene Friseurrechnung kucken und sehen: Damit kann man durchaus gutes Geld verdienen.

Sollte man die Angehörigen in seine Pläne vielleicht nicht zu schnell einweihen?

Glaubitz: Das ist schon mal eine sehr gute Idee: Man erzählt einfach niemandem davon. Das macht es gerade am Anfang leichter. Aber natürlich ist es wichtig zu überlegen, ob man die Power und die Kragenweite hat, sich selbstständig zu machen. Oder ob Kapitän oder Staatsanwältin nicht besser wären. Die gibt’s aber nur angestellt.

Wie viele Menschen bleiben, vielleicht aus finanziellen Gründen, im alten Job und bauen sich parallel dazu eine neue Existenz im Traumjob auf? Wie lange kann man diese Zweigleisigkeit durchhalten – oder wäre ein klarer Schnitt manchmal besser?

Glaubitz: In aller Regel klappt zweigleisig nicht lange. Das ist ja so, als sei man mit dem einen Mann noch aus finanziellen Gründen verheiratet, aber auch mit dem neuen schon zusammen. Am Ende funktioniert dann alles nicht mehr. Also: Irgendwann muss man einen klaren Schnitt machen: „Ich will das nicht mehr. Ich beende meinen bisherigen Beruf. Ich werde XX, Folgendes sind meine ersten Schritte dazu: A, B, C.“

Wer sich dafür interessiert, wie Beate den Weg von der Krankenschwester zur Kapitänin Schritt für Schritt gemeistert hat, kann ihre detaillierte Geschichte hier nachlesen.

Bildnachweis: tomertu/Shutterstock; D. Stratenschule (Portrait Glaubitz), Jacob Lund/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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