Mit tiefer Stimme zu mehr Gehalt

von in Arbeitsleben, Gehalt am Montag, 2. September 2013 um 11:05

Geschäftsführer mit tiefer Stimme leiten größere Unternehmen und verdienen auch mehr Geld. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus den USA, für die knapp 800 Stimmproben untersucht wurden. Es gibt ihn tatsächlich, den Zusammenhang zwischen Stimme und beruflichem Erfolg, weiß auch Stimmtrainerin Petra Falk. Im Interview erklärt sie unter anderem, warum es ganz hohe Frauenstimmen eigentlich nicht gibt und wie man sich selbst trainieren kann.

Stimme und Erfolg: „Es ist ein Kreislauf“

Petra Falk

Petra Falk

Die Studienergebnisse der Duke University in North Carolina sprechen eine deutliche Sprache: Tiefere Stimmen gehen mit einem höheren Firmenwert, mehr Einkommen sowie einer längeren Dienstzeit einher. Die Wiener Sprech- und Stimmtrainerin Petra Falk überraschen die Forschungsergebnisse aus den USA nicht. „Wer erfolgreich ist, ist selbstbewusster, extrovertierter und verfügt über eine aufrechte Körperhaltung, die als Basis für eine gute stimmliche Resonanz gilt. Lautstärke, Tonhöhe und Stimmlage sind bekanntermaßen viel zentraler als der Inhalt des Gesagten selbst. Man hört angenehmen Stimmen lieber zu und schenkt ihnen mehr Glauben. Dies wirkt sich wieder positiv auf den beruflichen Erfolg aus. Ein Kreislauf also“, erklärt Falk.

„Die ganz hohen Frauenstimmen gibt es eigentlich nicht“

leise_frauHaben es Frauen also grundsätzlich schwerer als Männer? Das kommt auf die Stimmlage an. Falk: „Wir haben herausgefunden, dass Frauen, die eine tiefere Stimme sprechen, bezüglich Bildungsniveau, Einkommen und Kompetenz höher eingeschätzt werden als jene, die sehr hoch sprechen.“ Doch jede Frau und jeder Mann, so Falk, kann die eigene Stimme trainieren – und somit auch „tiefer legen“. Denn die ganz hohen Frauenstimmen, so Falk, gibt es eigentlich nicht.

Falsches Stimmideal aus der Kindheit

maedchen„Bei Frauen ist es häufig so, dass sie aus der Kind- und Jugenzeit ein falsches hohes Stimmideal mit in die Erwachsenenzeit nehmen. Irgendwann vergessen viele Frauen, dass das eine Strategie ist und glauben, sie klingen tatsächlich so. Man kann die Stimme aber professionell trainieren und verändern.“ Die Verhaltensänderung, die eine tiefere Stimme mit sich bringt, dauert etwa drei bis vier Monate – die Erfolge, so Falk, sprechen für sich.

Hilfe kommt vom Weihnachtsmann

Was kann man aber selbst tun, um die Stimme zu trainieren? „Ganz wichtig ist es, die Stimme aufzuwärmen. Am besten man summt mit einem möglichst tiefen M-Ton. Was auch gut hilft ist, wenn man vor einem wichtigen Termin wie etwa einer Gehaltsverhandlung übt, tief wie der Weihanchtsmann  ,Hohoho‘ zu rufen.“ Denn danach wird einem ein sehr hohes Sprechen vermutlich selbst unangebracht vorkommen.

Mäuschen vs. Löwe: Man muss an sich glauben

Wie eingangs erwähnt, spielen Faktoren wie Körperhaltung und Selbstbewusstsein eine große Rolle. „Die innere Haltung wirkt sich extrem auf die Stimme aus. Ich kann nicht brüllen wie ein Löwe, wenn ich mich fühle wie ein Mäuschen“, erklärt Falk, dass die Festigkeit der Stimme auch etwas mit innerer Festigkeit zu tun hat. „Es hilft, sich etwa immer wieder vorzusagen: Ich bin tough, ich kann das“, rät Falk. Auch das Absenken der Stimme am Satzende ist ganz wichtig. „Ein hoher Satzabschluss ist immer eine Form des sich Kleinmachens.“

Sich selbst hören: Tut anfangs vielleicht weh aber hilft

aufnahme_hoerenHilft es für das eigene Training, sich beim Sprechen aufzunehmen?“ Ich würde das absolut raten, denn sich selbst einmal zu hören, schafft ein ganz anderes Bewusstsein für die eigene Stimmwirkung. Die ersten zwei, drei Mal ist das meist unangenehm, danach wird es jedoch besser“, weiß Falk. Übrigens – wer meint, die eigene Stimme klingt am Tonband höher als in „echt“, der irrt. Tatsächlich hört man sich selbst (ohne Tonband) sogar tiefer, als man eigentlich klingt. Eine Aufnahme kommt der eigenen Stimme also am nächsten.

Zur Person: Petra Falk

Die ausgebildete Sprach- und Stimmtrainerin war als Nachrichtensprecherin, Redakteurin und Sprechtrainerin bei Welle1, 88.6, Kronehit und dem ORF Niederösterreich tätig. In Einzel- und Gruppentrainings bereitet Falk mit ihrem Sprech- und Stimmtraining ihre Teilnehmer auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vor.

Bildnachweis: stimmtraining.at, Yevhen Vitte / Quelle Shutterstock, Warren Goldswain / Quelle Shutterstock, Svitlana-va / Quelle Shutterstock, racorn / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren