Tipps für richtiges Netzwerken: Raus aus der „Buffetfalle“!

von in Arbeitsleben am Montag, 15. Februar 2016 um 11:34

Bei der letzten Networking-Veranstaltung wieder keine neuen Kontakte geknüpft und das heimliche Highlight waren die Roastbeef-Brötchen? Networking ist für die Karriere wichtig, das Knüpfen von Kontakten fällt aber manchmal schwer. Wie richtiges Netzwerken funktioniert und warum Offline-Kontakte durch kein Online-Netzwerk der Welt ersetzt werden können – wir haben uns darüber mit Michael Mayer, Nationaldirektor des Business Network International (BNI) unterhalten.

Kleine Anleitung zum Netzwerken

Für Introvertierte und Ungeübte ist Netzwerken oft eine lästige Verpflichtung. Ein Raum voller Menschen, die man nicht kennt, Phrasen und Floskeln – da liegt die Flucht zu bekannten Gesichtern nahe. Und wozu überhaupt Handshakes und Small Talk in einer Welt, die digital total vernetzt ist? Erübrigt sich persönliches Kennenlernen nicht gänzlich? Dass persönliches Netzwerken auch in Zukunft für die eigene Karriere ausschlaggebend ist, davon ist Michael Mayer überzeugt. Er ist Nationaldirektor von BNI Österreich, einem weltweiten Unternehmensnetzwerk für Geschäftsempfehlungen und Netzwerker aus Leidenschaft.

Warum erübrigt sich der persönliche Kontakt in Zeiten von Social Media nicht?

Mayer: Es gibt einen großen Unterschied zwischen online und offline netzwerken. Online-Networking ermöglicht mir erhöhte Sichtbarkeit, was ich dabei aber leider nicht sehen kann, sind Persönlichkeit und Charakter meines Gegenübers. Offline kann ich jemandem die Hand geben, ihm in die Augen schauen, ich sehe seine Mimik und Gestik – das macht einen Riesenunterschied wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen. Ich persönlich nutze Online-Netzwerke, um sichtbar zu sein und hier überwiegend Facebook, weil es dort nicht nur um’s Geschäft geht sondern auch emotionale Inhalte Platz haben. Allerdings bin ich großer Fan des Offline-Netzwerkens, weil Menschen dort einfach greifbarer sind.

„Beim Networking ist Zeit die Währung. Vertrauen kann nur entstehen, wenn ich Zeit investiere.“

Stichwort Vertrauen knüpfen – warum ist das ausschlaggebend?

Mayer: Jeder, der ein Online-Profil hat, kennt die unzähligen Eventeinladungen oder Verkaufsangebote, die täglich eintreffen. Oft von Personen, die man nicht einmal kennt. Es ist zwar einfach, etwas online an viele Empfänger zu schicken, die Reaktion auf solche „Kalteinladungen“ wird wahrscheinlich gering ausfallen. Ganz anders, wenn ich jemanden persönlich kenne und ihn vielleicht sogar weiterempfehle. Das ist der Vorteil eines Netzwerkes: Man wickelt Geschäfte ab, spricht sich gegenseitig Empfehlungen aus oder lernt voneinander. Man kommt immer wieder ins Gespräch: Bei welcher Bank bist du? Wer ist dein Steuerberater? Wo versicherst du deine Firmenautos? Je regelmäßiger man sich trifft, desto offener wird man und lernt dazu.

Was ist für gutes Networking unerlässlich?

Mayer: Beim Networking ist die Währung Zeit. Vertrauen kann nur entstehen, wenn ich Zeit investiere – da gibt es keine Abkürzung: Sich persönlich treffen, Zusagen einhalten, Qualität liefern. In gutes Netzwerken muss man nach wie vor Zeit investieren, das hat sich über all die Jahre nicht geändert. Denkt man einmal an das eigene Netzwerk und an die fünf Personen, denen man am meisten vertraut: Wie viel Zeit hat man gemeinsam bereits verbracht, was hat man alles erlebt? Ich bin überzeugt davon, dass unter diesen fünf Menschen niemand ist, mit dem man nicht schon viel Zeit verbracht hätte. Wer erfolgreich sein möchte, benötigt Glaubwürdigkeit und die bekommt man nur, wenn man mit anderen Zeit verbringt und Gutes tut. Das funktioniert nur im realen Leben. Online netzwerken kann man natürlich noch zusätzlich.

Tipps: Richtig netzwerken

Wie gelingt effizientes Netzwerken?

Mayer: Wer erfolgreich netzwerken möchte, muss andere Menschen mögen und gerne mit ihnen zu tun haben. Im Wort „networking“ steckt „working“ drin – ja, es ist mit Arbeit verbunden, aber macht sich langfristig bezahlt. Manche stehen morgens auf, fahren in die Arbeit, fahren wieder nach Hause und verbringen dort den restlichen Tag. So wird es natürlich nicht funktionieren, ein gutes Netzwerk aufzubauen. Welche Kontakte man pflegt, ändert sich natürlich über die Jahre. Ich war früher Landwirt mit einem Netzwerk an Menschen, die ich noch von der Schule kannte. Heute habe ich Kontakte in aller Welt – allerdings bin ich auch schon seit zwölf Jahren aktiver Netzwerker. Wie gesagt – gutes Networking braucht Zeit, langfristig profitiert man aber von seinen Kontakten. Ich bin überzeugt davon, dass erfolgreiche Menschen zuerst anderen geholfen haben, ohne gleich etwas zurück zu erwarten. Von irgendeiner Seite kommt es als Chance dann wieder zurück.

Macht es Sinn, beim Knüpfen von Kontakten ein konkretes Ziel zu verfolgen?

Mayer: Unbedingt! Mit einem vollen Terminplan muss man ohnehin auswählen, wo man hingeht, was man mit dem Besuch einer Veranstaltung überhaupt erreichen möchte und dementsprechend vorher Recherche betreiben. Networking ist besonders wichtig für alle, die selbstständig sind. Jungunternehmer arbeiten oft an Broschüren, der Website, ihren Visitenkarten etc. und brauchen zu allererst aber Kunden. Und Kunden sind Kontakte. Klar, eine Website ist für ein Unternehmen auch wichtig, auch Werbemittel haben ihre Berechtigung. Meine Erfahrung ist aber die, dass sich Geschäftsleute lieber mit Tätigkeiten aufhalten, die keinen Umsatz bringen. Netzwerken und neue Menschen ansprechen, das kann zu Beginn auch unangenehm sein. Das ist der Grund dafür, warum sich manche lieber mit anderen Arbeiten beschäftigen.

Networking-Tipps für die eigene Karriere

Wie kann man sich auf eine Networking-Veranstaltung optimal vorbereiten?

Mayer: Im Rahmen des Netzwerkens habe ich im Lauf der Jahre selbst gelernt, wie man richtig netzwerkt. Wenn ich früher auf eine Veranstaltung ging, dachte ich mir immer: Hoffentlich ist dort jemand, den ich kenne! Alleine wohin stellen, das ist doch peinlich. Da gibt es ein paar Tipps, die einen Unterschied ausmachen. Wenn ich schon Netzwerken gehe, dann soll mehr dabei herausschauen als nur ein Schnitzel beim Buffet.

  • Unbedingt vor der Veranstaltung überprüfen, welche Kultur dort vorherrscht: Trifft man sich, um gleich ins Geschäft zu kommen oder geht es um andere Dinge? Es ist ausschlaggebend, ob sich z.B. die Rotarier treffen, Unternehmer oder Teilnehmer einer Non-Profit-Organisation. Bei den Rotariern geht es primär nicht um das Geschäft, sondern darum, der Gesellschaft weiterzuhelfen. Beim Forum der Ein-Personen-Unternehmen kann ich schon direkter sein, bei BNI geht es klar ums Geschäft. Wenn ich das vorher weiß, kann ich mein Verhalten anpassen und Fettnäpfchen vermeiden.
  • Verhalte dich wie ein Gastgeber, auch wenn es nicht deine Veranstaltung ist. Begrüße andere in der Nähe des Eingangs und frage, ob du ihnen helfen kannst – so kommt man sofort ins Gespräch.
  • Die Teilnehmerliste vorab sichten und überprüfen, wer noch vor Ort ist: Wer könnte für mich interessant sein, wer könnte für meine Kollegen interessant sein? Bei vielen Veranstaltungen gibt es Namensschilder, so kann man diese Personen dann auch direkt ansprechen. Man kann Kontakte auch vorab anschreiben: Ich nehme ebenfalls an dieser Veranstaltung teil und würde Sie gerne treffen.
  • Zu Akquisezwecken netzwerken oder als introvertierte Persönlichkeit frische Kontakte zu knüpfen, das kann unangenehm sein. Raus aus der Komfortzone – mit der Zeit wird es auch einfacher!

Bildnachweis: Gapchuk Lesia / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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