Recruiting: Es geht nicht ohne Werte

von in Arbeitsmarkt, HR am Donnerstag, 19. Februar 2015 um 11:23

Neben Qualifikationen und Soft Skills gibt es noch eine andere Einheit, die bei Recruitingprozessen immer mehr in den Fokus rückt: Die Werte. Denn wenn sich die Werte eines Bewerbes nicht mit jenen des Arbeitgebers decken, sieht es für die gemeinsame Zukunft eher düster aus. Unternehmensentwickler Christian Vieira dos Santos über die Bedeutung von Werten, Vertrauen und ob diese Variablen überhaupt messbar sind.

Sind meine Werte auch deine Werte?

Ehrlichkeit, Fairness, Zusammenhalt – solche und ähnliche Werte haben viele Arbeitgeber und sie kommunizieren sie unterschiedlich stark nach außen. Für Bewerber, die sich auf Jobsuche begeben, ist es wichtig zu erfahren, wie ein Unternehmen tickt: Konservativer Laden mit strengen Hierarchien oder doch auf Du und Du mit der Geschäftsführung – die Türen zum Chefbüro immer offen? Es zahlt sich also aus, Bewerber bereits im Recruitingprozess mit Infos zu Werten zu versorgen. Und davor die eigenen Wertvorstellungen natürlich einer strengen Prüfung zu unterziehen. Lebt man auch, was man sich auf die Fahnen heftet?

Werte bereits im Recruitingprozess kommunizieren

„Wertegeführte Unternehmen richten ihre gesamte Organisation an den gemeinsamen Werten aus. Diese Unternehmen gestalten dann oftmals auch den Rekrutierungsprozess werteorientiert. Die Bedeutung eines werteorientierten Rekrutierungsprozesses ist nicht ohne. Denn wenn die Werte des neuen Mitarbeiters nicht zu den Werten des Unternehmens passen, dann können Qualifikation und Erfahrung noch so gut sein, es werden auf Dauer weder der Mitarbeiter noch der Arbeitgeber sonderlich glücklich sein“, erklärt Christian Vieira dos Santos von Symbios.

Handshake

Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet: Nicht nur Arbeitgeber checken die Soft Skills eines Kandidaten, auch Bewerber nehmen Arbeitgeber genau unter die Lupe und möchten wissen, welche Kultur in einem Unternehmen gelebt wird. Was den Wertecheck betrifft, besteht aber noch etwas Aufholbedarf. „Ohne hier genaue Zahlen und Daten zu kennen, würde ich schätzen, dass der überwiegende Teil der Arbeitgeber nach wie vor vorwiegend auf Aspekte wie Qualifikation, Erfahrung und Soft-Skills der Bewerber achtet und die Werte wenn, dann nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen“, so Vieira dos Santos.

Ohne Vertrauen keine zufriedenen Mitarbeiter

Neben Spaß an der Arbeit und gutem Gehalt soll das ideale Jobumfeld laut Erkenntnissen der Neurowissenschaften vor allem einen Wert bieten: Vertrauen. Das Bedürfnis danach ist zutiefst menschlich und wird es erfüllt, erhält man dafür auch eine Belohnung: Oxytocin ist ein Hormon das der Körper auch dann produziert, wenn er sich in einem vertrauensvollen Umfeld aufhält. Oxytocin macht glücklich, motiviert, hält gesund und erhöht die Leistungsfähigkeit. Und wer möchte das nicht? Aber kann man Werte wie Vertrauen in einem Unternehmen messen?

Maßband

Sind Werte wie Vertrauen messbar?

„Die Werte eines Menschen, eines Teams oder einer Organisation zu messen, ist nicht sonderlich schwierig. Was ist mir etwas wert? Was ist uns als Team wichtig? So etwas zu erfragen, ist methodisch gesehen keine große Hexerei. Selbstverständlich trennt bei der Wahl der Messinstrumente aber auch hier schnell einmal die Spreu vom Weizen. Aber ganz generell betrachtet, ist das nicht sehr schwer. Etwas komplizierter wird es, wenn man den Wert Vertrauen herauspickt und genau wissen will, wie stark das Vertrauen zwischen den Menschen eines Teams oder innerhalb einer Organisation ausgeprägt ist“, erklärt Christian Vieira dos Santos.

Oxytocin macht Mitarbeiter glücklich

Was es mit Oxytocin im Zusammenhang mit Unternehmen auf sich hat, hat der kalifornische Wissenschafter Paul J. Zak genauer untersucht. Er konnte beweisen, dass eine vitale, auf Vertrauen basierende Unternehmenskultur einhergeht mit einem Anstieg der Oxytocin-Werte bei den Mitarbeitern. Mit positiven Auswirkungen, nicht nur auf das Wohlbefinden und der Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch auf deren Engagement und Motivation sowie auf Produktivität und Geschäftserfolg des Unternehmens. „Das bahnbrechende an seinen Studien: Ihm gelang es auch, jene Führungspraktiken zu identifizieren, die zu diesen positiven Effekten führen“, sagt Vieira dos Santos.

Die Suche nach dem perfekten Arbeitgeber

Mit welchen Fragestellungen Bewerber den Werten und Soft Skills eines Arbeitgebers auf den Grund gehen kann, verraten wir in diesem Beitrag.

Bildnachweis: marekuliasz / Shutterstock; Ismagilov / Shutterstock; MJTH / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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