Ja zu Kind und Karriere: Drei erfolgreiche Frauen im Portrait

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Montag, 7. Januar 2013 um 11:28

„Ich wollte nach der Karenz wieder in meinem Bereich einsteigen. Aber dann hat mich die Realität eingeholt.“ Mit dieser Aussage spricht Katrin Mayrhofer-Schmirl wohl vielen Frauen aus der Seele. Für die einen Jobs war die Betriebswirtin und Mutter zweier Kinder (4, 6) überqualifiziert. Für andere fehlte der 34-Jährigen – ist auch klar – die praktische Erfahrung. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, nahm sie ihr berufliches Schicksal selbst in die Hand. Und führt seit Juli ihr eigenes Unternehmen. So wie auch beanie-Macherin Susanne Kerbler und Christina Pramhas-Dietscher von pureandgreen.at.

„Ich bin ein Organisationstalent und schaffe alles“

Katrin Mayrhofer-Schirl

Katrin Mayrhofer-Schmirl

„Das Kochen war schon immer meine Leidenschaft. Ich bin nun mit meinem eigenen Unternehmen einen Weg gegangen, den ich nie bereut habe.“ Katrin Mayrhofer-Schmirl hat vor einem halben Jahr den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Im Juli 2012 gründete sie Katrins Kulinarik, kocht seitdem nicht nur für ihre Familie, sondern auch für die Familien anderer. „Zu Beginn stand die Idee, als Köchin im privaten Kreis bei anderen zu kochen. Ich kaufe ein, koche vor Ort, serviere die Speisen, räume zusammen und fahre wieder nach Hause. Nun hat sich das Geschäftsfeld aber erweitert. Fingerfood für Veranstaltungen wurde zum Standbein, daneben biete ich auch Kochkurse an und richte Feiern aus.“ Zweifel? Nie. „Ich bin ein Organisationstalent und schaffe alles“, freut sich Mayrhofer-Schmirl über ihren dynamischen Betrieb der so viele neue Möglichkeiten bietet.

Von Anfang an auf professionellen Beinen

Damit dieser von Anfang an auf professionellen Beinen steht, hat die studierte Betriebswirtin Anfang des Jahres die Lehrabschlussprüfung als Köchin nachgeholt. „Das spannende an der Lehrausbildung war, dass sehr unterschiedliche Menschen zusammengekommen sind. Eine andere Betriebswirtin war ebenso dabei, wie ein Informatiker. Eine bunt gemischte Gruppe also mit Mut zur Veränderung und einer Leidenschaft fürs Kochen.“ Seit Juli 2012 läuft das ‚Katrins‘ – und zwar gut. „Der Dezember ist enorm stark, generell hat meine Tätigkeit jetzt mit dem ursprünglichen Teilzeitgedanken nichts mehr zu tun. Im Schnitt komme ich auf mindestens 30 Wochenstunden“, so die zweifache Mutter. An ihrem Job mag sie nicht nur, dass er vielfältig ist, sondern auch, dass er sich so gut mit ihrer Familie vereinbaren lässt. „Am Vormittag bereite ich viel vor, gehe einkaufen. Nachmittags habe ich dann Zeit für meine Kinder und Abends gibt es tolle Großeltern, meinen Mann und Babysitter.“

Aus dem Hobby wurde Ernst

Susanne Kerbler mit Sohn Benni

Susanne Kerbler mit Sohn Benni

Die Familie hat auch für Susanne Kerbler einen großen Stellenwert – und dies in mehrfacher Weise. Vor vier Jahren hat die junge Frau aus dem Salzkammergut begonnen, für ihre Familienmitglieder und Freunde Hauben zu häkeln. Mittlerweile ist aus dem Hobby der privaten Geschenke-Produktion „Ernst“ geworden: heute produziert das Unternehmen beanie.at Hauben im großen Stil. „Heuer haben wir bisher rund 300 Hauben verschickt – nicht mitgezählt sind dabei jene, die etwa bei Adventmärkten verkauft werden.“ Die Website, über die die Beanies gestaltet und bestellt werden können, stammt aus der Tastatur von Kerblers Lebensgefährten, über diese werden die handgemachten Merino-Mützen in alle Welt verschickt. Fast unglaublich ist es, wer die Hauben häkelt. „Aktuell sind wir zu viert: Meine 80-jährige Oma, meine Mutter, eine gute Freundin und ich“, berichtet die Jungmutter eines 14 Monate alten Buben.

„Jetzt ist gerade eine starke Zeit“

Besonders die Oma hat eine Riesenfreude, dass sie gebraucht wird und sich selbst verwirklichen kann. Aber auch Kerbler selbst kann die Finger nicht von den Beanies lassen: „Wenn ich mich einen ganzen Tag nur um den Postversand kümmere, ist es einfach gut, Abends selbst noch etwas zu häkeln.“ Noch bis Februar haben die vier Frauen Hauptsaison, derzeit kommt die „beanie-Chefin“ auf bis zu 50 Wochenstunden. Wenn sie nicht häkelt oder Hauben verschickt, unterrichtet die Wirtschaftsabsolventin an einer HLW. „Aber nur mit halber Lehrverpflichtung.“ Läuft das Geschäft mit den Hauben allerdings weiterhin so gut, braucht das Quartett weitere Häklerinnen. Wird ihr das nicht alles manchmal zu viel? Susanne Kerbler sagt nein. „Jetzt ist schon eine starke Zeit, trotzdem funktioniert alles recht gut. Ich kann Abends viel erledigen und trotz der vielen Arbeit macht es einfach Freude, wenn man dann die Leute mit unseren Hauben beim Skilift sieht.“

Die eigenen Kinder als Insprationsquelle

Christina Pramhas-Dietscher Foto: Hermann Wakolbinger

Es waren ihre eigenen Kinder (heute fünf und sieben Jahre alt), die Christina Pramhas-Dietscher auf die Idee zum Onlineshop pureandgreen.at gebracht haben. „Ich habe mir seit der Geburt der Kinder Gedanken darüber gemacht, ob die Produkte, die ich für sie kaufe, unbedenklich sind. Ich wollte eben Dinge wie Trinkflaschen oder Jausenboxen, die nicht aus Plastik sind. Also habe ich viel im Internet recherchiert und auch einige tolle Produkte gefunden. Wenig davon gibt es jedoch bei uns und so kam mir die Idee, die Shops zu einem zu bündeln.“ Nach der Karenz stieg sie zwar Teilzeit wieder in ihren alten Marketing-Job ein, der eigene Online-Shop ist jedoch eine gute Ergänzung. „Die Gründungsphase heuer im September war schon turbulent, jetzt läuft es aber ganz gut und mir bleibt genügend Zeit für die Familie,“ würde Pramhas-Dietscher den Schritt in die Selbständigkeit jederzeit wieder wagen.

Weg von der Wegwerfgesellschaft

Die Idee hinter pure and green ist schnell erklärt: „Der Gedanke ist es, Schadstofffreiheit und Nachhaltigkeit zu bündeln. Ich will einfach Weg von dieser Wegwerfgesellschaft und meinen Kindern dies auch mitgeben“, so die Jungunternehmerin. Und diesen Weg gehen immer mehr Menschen mit, „die Nachfrage ist da, das Thema erhält auch medial immer mehr Aufmerksamkeit.“

Bildnachweis: time. / Quelle Photocase, Wakolbinger, Kerbler

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.