Zeit statt Geld bevorzugt – aber: Keine Gehaltserhöhung frustriert Arbeitnehmer

von in Arbeitsleben, Gehalt am Dienstag, 7. Oktober 2014 um 10:18

Ist eine Gehaltsprämie wirklich für alle reizvoll, warum suchen Arbeitnehmer um Gehaltserhöhungen an und was passiert, wenn sie diese nicht bekommen? Personalistin Geraldine Hofstetter hat im Rahmen ihrer Studie Bewerber auch zu Themen rund ums liebe Geld, Überstunden und Arbeitszeit befragt. Das Resultat: Ein flexibles Arbeitsumfeld ist wichtiger denn je und: Geld ist nicht alles. Eine nicht genehmigte Gehaltserhöhung frustiert trotzdem den Großteil der Befragten. Wer sein Gehalt verhandeln möchte, für den haben wir ein paar Tipps zusammengestellt.

Gehalt: Freizeit lässt sich nicht kaufen

Geraldine Hofstetter

Geraldine Hofstetter, JOB bowl

Rund ums Thema Gehalt, Überstunden und Arbeitszeit drehen sich heute Fragen, die wir anhand der Studie von Geraldine Hofstetter analysieren. Im ersten Beitrag ging bereits hervor, dass das, was Mitarbeiter wirklich zufrieden stellt, nicht viel kostet. Und auch beim Thema Gehalt können Arbeitgeber aufatmen: Geld ist für Arbeitnehmer nicht alles, flexible Arbeitszeiten oder Zeitausgleich stehen in der Gunst der Mitarbeiter viel höher.

Fixes Gehalt vs. Grundgehalt plus Prämien

Stellt man Befragte vor die Wahl, bleiben diese lieber auf der sicheren Seite: 68 Prozent bevorzugen ein Fixum. Die Kombination aus geringerem Grundgehalt und Erfolgsprämie reizt gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nur 32 Prozent. Damit können sich aber vor allem ältere Arbeitnehmer anfreunden. „Je älter, desto größer ist der Anreiz. Ältere Mitarbeiter scheinen sich generell mehr zuzutrauen“, so Hofstetter. Ist ein gewisses Grundgehalt vorhanden, fällt es leichter, aus dem stressigen Hamsterrad und der Jagd nach Prämien auszubrechen. „Das wollen die Leute nicht mehr, sie sind viel vorsichtiger geworden – vor allem die Generation Y“, stellt Hofstetter fest.

Überstunden? Ältere Arbeitnehmer sind flexibler als gedacht

ÜberstundenÄltere Arbeitnehmer sind Überstundenkaiser: Laut Studie sind rund 35 Prozent der Befragten über 40 Jahre bereit, mehr als 20 Überstunden monatlich zu leisten. Die Generation Y sieht ihre Grenze bei maximal 10 bzw. 15 Stunden monatlich. „Es stimmt also nicht, dass ältere Arbeitnehmer unflexibel oder teuer sind. Die Bereitschaft zu dieser Überstundenleistung könnte mit der starken Identifizierung älterer Mitarbeiter mit ihrem Job liegen“, so Hofstetter. Dass jüngere Arbeitnehmer weniger Überstunden leisten möchten, habe aber nichts mit Unwillen oder Faulheit zu tun. Die Generation Y ticke einfach anders, was Work-Life-Balance und die Identifikation mit dem Job betrifft. „Deshalb ist in einem Unternehmen die richtige Mischung aus älteren und jüngeren Arbeitnehmern so wichtig“, sagt Hofstetter.

Überraschung: Zeitausgleich wird absolut bevorzugt

Überstunden BezahlungAuch die bevorzugte Art der Abgeltung von Überstunden wurde im Rahmen der Studie erfragt. Zeitausgleich steht auf der Wunschliste ganz oben. 56 Prozent der Jobsuchenden bevorzugen Zeitausgleich, eine Pauschale reizt nur 5 Prozent, über ausbezahlte Überstunden würden sich 39 Prozent freuen. „Hier sollte es vielleicht noch zu einem Umdenken in der Arbeitnehmerlandschaft kommen, denn die Überstundenpauschale ist immer noch die am häufigsten angebotene Variante – kommt bei Arbeitnehmern aber gar nicht gut an. Auch wenn es nur wenige schwarze Schafe gibt, die Mitarbeiter auf diese Art und Weise ausnutzen, ist sie dennoch sehr unbeliebt. Also vielleicht doch besser zurück zum Zeitausgleich, der weitaus mehr motiviert?“ gibt Hofstetter zu denken. Was die Personalistin besonders überraschte: Auch angesichts schwieriger wirtschaftlicher Zeiten bevorzugen Arbeitnehmer Zeitausgleich vor Ausbezahlung.

Arbeitnehmer wünschen sich flexible Arbeitszeiten

Großes Thema für Arbeitnehmer ist auch die Arbeitszeit. Dass Flexibilität ein wichtiger Punkt ist, ging bereits aus der Befragung nach Präferenzen im Job hervor. Flexible Arbeitszeit mit Kernzeitregelung ist für 48 Prozent erstrebenswert, absolut flexible Arbeitszeiten wünschen sich 25 Prozent. Home Office ist für nur 15 Prozent der befragten Bewerber ein Thema und wird überwiegend von jüngeren Mitarbeitern gewünscht.

Gehaltserhöhung – warum?

Warum suchen Arbeitnehmer um eine Gehaltserhöhung an? Bis zu drei Gründe konnten in der Umfrage angegeben werden. Top-Grund für die Frage nach mehr Geld: Wer Zielvereinbarungen nicht nur einhält, sondern sogar übertrifft, dem steht ein höheres Gehalt zu. Diesen Standpunkt vertreten 75 Prozent der Befragten und sehen in überdurchschnittlicher Performance einen Grund, um nach mehr Gehalt zu fragen. Keine Gehalterhöhung nach längerer Zeit? 61 Prozent würden sich dann auf den Weg zum Chef machen, um nach mehr Geld zu fragen. Dass ein anderer Arbeitgeber mehr Gehalt zahlen würde, bringen nur 43 Prozent der Befragten als Argument ins Spiel.

Wenn der Chef kein Geld locker macht

Nichtgewährte GehaltserhöhungMan hat sich aufgerafft, Argumente zurecht gelegt und trotzdem: Laut Chef ist mehr Gehalt derzeit nicht drin. 70 Prozent demotiviert das Nichtgewähren der Gehaltserhöhung. Fast die Hälfte der Befragten hat angegeben, sich dann auf Jobsuche zu begeben. Besonders Arbeitnehmer zwischen 18 und 28 Jahren sehen sich dann nach einer neuen Stelle um. „Der Prozentsatz ist hier doppelt so hoch, wie bei älteren Mitarbeitern“, so Hofstetter. Ein Drittel gibt an, dass sie einen Gang runterschalten und im Job weniger Einsatz bringen, wenn der Ruf nach mehr Geld ungehört bleibt.

Ich will mehr Geld! Drei Fragen an den Gehaltscoach

Martin Wehrle

Martin Wehrle

Was tun, wenn der Chef keine Gehaltserhöhung genehmigt oder statt angemessener Erhöhung nur ein finanzielles Trostpflaster anbietet? Das wollten wir von Gehaltscoach Martin Wehrle wissen. Der Experte und Buchautor („Geheime Tricks für mehr Gehalt“) weiß, wie man argumentieren kann, wenn der Chef bei der Frage nach mehr Geld blockiert. 

„Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“

Darf ich dem Chef mitteilen, dass mich das Nichtgewähren einer Gehaltserhöhung enttäuscht, ohne in ‚Erpressung‘ abzurutschen?

Martin Wehrle: Ich würde es umgekehrt tun: Aufzeigen, welche positiven Effekte die Gehaltserhöhung hätte. Zum Beispiel kann man argumentieren: „Ich halte es für loyal, dass ich Sie anspreche, weil ich mich in dieser Firma wohlfühle und viel leiste. Andere hätten vielleicht die Fühler am Markt ausgestreckt und Sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Mir ist es wichtig, dass wir in einem Boot sitzen und eine Lösung finden, die sich für beide Seiten gut anfühlt. Ein Gehaltsanpassung hätte für Sie den Vorteil, dass Sie mich dauerhaft binden – und ich würde dann mit Sicherheit weiterhin …“ Da schwingt dieselbe Botschaft mit, es klingt aber positiver. Der Wurm muss immer dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Wie argumentieren, wenn man den Eindruck hat, der Chef vertröstet nur bzw. will mich hinhalten?

GehaltsverhandlungMartin Wehrle: Erst einmal aufzeigen, dass es wirklich dringend und verdient ist – denn Chefs verschieben so etwas immer gern. Nur wenn das nicht klappt, fragt man nach: Was müsste ich im kommenden Jahr leisten, um dann die angestrebte Erhöhung zu bekommen? Nun muss der Chef einen klaren Weg aufzeigen. Diese Aussagen fasst man in einer Mail als Gesprächsnotiz zusammen, dann bekommen sie verbindlichen Charakter. Man kann allerdings auch zu der Einsicht kommen, dass man in einer Gehaltssackgasse steckt. Dann bleibt nur ein Wechseln.

Der Chef bietet eine Gehaltserhöhung – aber in viel geringerem Ausmaß, als man als Mitarbeiter erwartet hat. Ist es unklug, die geringe Erhöhung abzulehnen und auf seiner ursprünglichen Forderung zu beharren?

Martin Wehrle: Eine Erhöhung verdient ihren Namen erst dann, wenn sie mindestens fünf Prozent beträgt – sonst handelt es sich um einen Inflationsausgleich. Und Vorsicht: Wer 50 Euro pro Monat annimmt, hat seine Gehaltserhöhung aus Sicht des Chefs bekommen und ist für die nächsten 1,5 Jahre stillgestellt. Insofern rate ich zu einem hartnäckigen Nachverhandeln. Meist lässt sich noch etwas bewegen.

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Zur Studie

700 Personen hat die Personalistin Geraldine Hofstetter für ihre Studie seit 2009 befragt, über 500 relevante Fragebögen wurden ausgewertet. Teilgenommen haben Bewerber quer durch alle Altersschichten, Führungsebenen und Branchen. In über 30 Fragen rund um Arbeitsumfeld, Weiterbildung, Kündigungsgründe, Gehalt, Motivation und Arbeitsbedingungen verrieten sie, was ihnen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag wichtig ist.

Bildnachweis: Bacho /Shutterstock; Theresa Schrems (Portraitbild Hofstetter); Serhiy Kobyakov  /Shutterstock; alphaspirit /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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