Facebook in der Arbeitszeit – Unternehmen verlieren Milliarden

von in Social am Montag, 9. Januar 2012 um 13:44

Was sagt die Facebook-Timeline? Zumindest so viel: Dass ein ziemlich großer Teil meiner Kontakte gerade in der Arbeit sitzt und – trotz Job – auf Facebook präsent ist. Nun ist es nicht so, dass sich im Freundeskreis ausschließlich Social-Media-Manager und Online-Jobber befinden. Irgendwie müssen sie also einen (funktionierenden?) Kompromiss Facebook-Arbeitszeit geschlossen haben, der allerdings für die Chefs dieses Landes nicht immer positiv ist. Denn laut einer deutschen Studie verlieren Firmen Milliarden durch Job-Facebooker.

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Jeder vierte deutsche Arbeitnehmer loggt sich während der Arbeitszeit auf Facebook ein. Im Schnitt zweieinhalb Stunden pro Woche. Das ergab eine Untersuchung der deutschen Kreativagentur youCom, über die futurezone.at diese Tage berichtete. Umgelegt auf Durchschnitts-Stundenlohn und die Gesamtzahl der Erwerbstätigen im größten Nachbarland verursacht Facebook einen Schaden von 26,8 Milliarden Euro pro Jahr. Auf Österreich umgelegt wahrscheinlich entsprechend weniger, aber dennoch eine Menge Geld.

Der Konflikt Arbeitsvertrag-Social Media ist so alt wie die sozialen Netzwerke selbst. Und auch die Probleme sind bekannt. Eine US-Studie, über die wir im Frühling 2011 berichtet haben, beschäftigte sich bereits mit der Thematik und brachte unter anderem folgende Fakten zutage:

  • 60 Prozent aller Arbeitsunterbrechungen werden durch Social Networks, Minigames oder Chats versursacht.
  • Knapp jeder zweite Arbeitnehmer (45 Prozent) kann sich nicht länger als eine Viertelstunde durchgehend auf seine Arbeit konzentrieren.

Dass diese Fakten bei Unternehmern und Führungskräften nicht unbedingt für Freude sorgen, ist klar. Interessant ist hingegen, dass die österreichischen Führungskräfte laut karriere.at-Umfrage trotzdem eine relativ tolerante Linie in puncto Social-Media-Nutzung während der Arbeitszeit haben. In lediglich jeder fünften Firma sind Facebook und Konsorten generell verboten, jede zehnte erlaubt ausgewählte Seiten. Aber insgesamt fast jeder zweite Chef (49 Prozent) sagt, dass seine Mitarbeiter „alles“ dürfen, solange sie ihre Arbeit schaffen.

Facebook-Freak Chef?

Die Facebook-Minuten rinnen nur so durch die Finger , wenn man eigentlich etwas zu arbeiten hätte, das weiß jeder. Schließlich offeriert die Timeline ja ein spezifisch zusammengestelltes Angebot, das in der Regel die eigenen Interessen abdeckt und in dem die geteilten Themen in der Regel auch meist gewisse (berufliche und/oder private) Relevanz haben.

Hausverstand statt Paragraphendschungel

Aber können Verbote oder Sperren funktionieren? In Zeiten, in denen jedes Kind ein Smartphone in der Tasche hat, sind Sperren von einzelnen Social-Networks oder Free-Mail-Anbietern zugunsten der Produktiviät wohl eher zahnlos. Klar ist auch, dass die Außenwahrnehmung von Unternehmen – also auch die Employer Brand – immer stärker von der Kommunikation geprägt wird, die im Social Web stattfindet. Und dass diese Kommunikation auf alle Fälle stattfindet, ist auch klar – selbst wenn Seiten am Arbeitsplatz gesperrt sind.

Wirklich funktionieren kann also nur ein Ansatz, der auf Eigenverantwortung der Arbeitnehmer basiert: Regeln definieren und den Mitarbeitern kommunizieren, die einerseits die quantitative private Nutzung von Social Networks zum Inhalt haben. Und andererseits auch thematisieren, was im Web über das eigene Unternehmen gesprochen wird. Auch hier gilt: Weniger ist mehr. Hausverstand statt Paragraphendschungel.

Dass bei ver-facebookten Milliardenbeträgen bei der Unternehmerschaft die Alarmglocken schrillen, ist natürlich klar. Auf der Strecke bleibt allerdings die Frage, ob die sozial netzwerkenden Arbeitnehmer vor ihrer Zeit auf Facebook produktiver waren, oder ob sie sich einfach anders von ihren eigentlichen Aufgaben ablenken ließen. Der Effekt ist derselbe – die Kosten auch.

Bildnachweis: colourbox.com, Grafik: karriere.at

Redaktion

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