Recruiting-Bonus: Nachhaltige Arbeitgeber sind gefragt

von in HR am Freitag, 30. Oktober 2015 um 11:36

Nachhaltigkeit ist gefragt – bei Konsumgütern, Dienstleistungen oder der Wahl des Arbeitgebers. Wie ein Unternehmen mit der Umwelt oder seinen Arbeitnehmern umgeht, ist vielen Bewerbern nicht egal. An gelebter Nachhaltigkeit führt auch im Recruiting und bei der Arbeit an der Employer Brand kein Weg vorbei. Ein neues Gütesiegel macht Maßnahmen rund um CSR (Corporate Social Responsibility) jetzt auch messbar.

Umweltverschmutzung, Kinderarbeit und sonstige Sünden sind nicht nur Konsumenten zunehmend ein Dorn im Auge. Auch Bewerber legen immer mehr Wert auf einen „grünen Arbeitgeber“. Dass Nachhaltigkeit bei der Jobsuche eine große Rolle spielt, hat eine Studie durch Bain & Company aus dem Jahr 2013 festgestellt. Ein paar Fakten aus der Untersuchung:

  • 15 Prozent der Angestellten in Industrie- und Schwellenländern verzichten auf höheres Gehalt, um dafür für ein „grünes“ Unternehmen zu arbeiten.
  • Mehr als die Hälfte der unter 40-jährigen Jobsuchenden legt bei der Wahl eines Arbeitgebers Wert auf eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie. Am wichtigsten sind ihnen der Verzicht auf Kinderarbeit, Senkung der Emissionen sowie umweltgerechtes Verhalten im Alltag.
  • Faire Arbeitsbedingungen und die Schonung der Umwelt liegen 70 Prozent der Beschäftigten am Herzen.
  • Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Schlüssel für erfolgreiches Personalmanagement.

An gelebter Nachhaltigkeit führt über kurz oder lang kein Weg vorbei, das bestätigen Brunhilde Schram vom CSR-Dialogforum und Werner Schrangl, Geschäftsführer Job-World. Die Bedeutung von nachhaltigem Agieren war Ausgangspunkt für die Entwicklung des neuen Qualitätssiegels Ecco22. Es bewertet die ökologische und gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe. „Will ein Unternehmen zukünftig am Markt erfolgreich sein, ist CSR im Personalmanagement unverzichtbar. Eine steigende Anzahl an Unternehmen, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen, zeigt die Wichtigkeit der Integration von CSR in der heutigen Zeit. Somit handelt es sich um keinen kurzfristigen Trend, sondern um ein Must have für Unternehmen, die zukunftsfähig sein wollen“, so die CSR-Experten.

Nachhaltigkeit CSR im Recruiting

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit in der Personalarbeit stellt sich nicht nur die Frage nach dem, was Arbeitnehmer sich von einem „guten“ Arbeitgeber wünschen, Schram und Schrangl ergänzen noch um folgende Aspekte:

  1. Welche Kompetenzen müssen Mitarbeiter mitbringen, damit ein Unternehmen agil bleibt und sich weiterentwickeln kann?
  2. Welche Arbeitnehmer werden benötigt, um die gesamte Marktperformance des Arbeitgebers in der Gesellschaft zu stärken?
  3. Wie findet man diese Mitarbeiter und welche Kompetenzen müssen sie erwerben?

„Unternehmen, die in den Bereichen Sustainability und Corporate Responsibility gemeinsam mit ihren Arbeitnehmern systematisch, strategisch und transparent arbeiten, leisten aktives Kosten- und Risikomanagement. Das ermöglicht Innovationen, neue Produkte, Dienstleistungen und liefert Lösungen für gesellschaftliche Problemstellungen“, so Schram.

CSR für Recruiting und Employer Branding

Die Nachfrage nach „guten“ Unternehmen bei Bewerbern steigt.  Kommt der perfekte Arbeitgeber überhaupt noch ohne Nachhaltigkeit aus?

Schrangl: Im Kampf um die besten Köpfe und angesichts des Fachkräftemangels kann unternehmerisches Nachhaltigkeitsengagement wesentlich dazu beitragen, die Arbeitgeberattraktivität bei potentiellen Bewerberinnen zu steigern. Denn ein starkes, positives Unternehmensimage zieht bekanntlich mehr qualifiziertere Bewerber an,  dadurch kann bei der Besetzung von Stellen aus einem größeren Talent-Pool ausgewählt werden. Eine nachhaltige Performance eines Unternehmens wird von potenziellen Kandidaten häufig als Signal für positive Arbeitsbedingungen gesehen und erhöht das Commitment zum Unternehmen. Fazit: Der „perfekte“ Arbeitgeber wird sich langfristig gesehen ohne CSR-Engagement keine Vorteile im Wettbewerb um die Talente verschaffen können.

Welchen Wettbewerbsvorteil verschafft Nachhaltigkeit im Personalmanagement – wie wirkt sich das im Recruiting und auf den Aufbau einer Arbeitgebermarke aus?

Schrangl: Nachhaltige Personalmanagement-Prozesse können auf einem hart umkämpften Markt immense Vorteile wie z. B. Kostenreduktion im Recruiting, hohe Mitarbeiterbindung, niedrigere Fluktuation, nachhaltige Motivation und Steigerung der Produktivität der Mitarbeiter mit sich bringen. Eine gelebte Nachhaltigkeitsstrategie verändert somit zum einen die Employer Brand und zum anderen das Recruiting sehr entscheidend. Vor allem die jungen Talente sind stolz, bei einem Arbeitgeber tätig zu sein, der sich durch die Nachhaltigkeitsorientierung abhebt.

Beispiele für gelebte Nachhaltigkeit im HR-Bereich

  • Flexible Arbeitszeitmodelle (zB. Home-Office-Möglichkeit) zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Individuell zugeschnittene Programme für ältere Arbeitnehmer, die sie dabei unterstützen möglichst lange und gesund ihre berufliche Tätigkeit ausüben zu können
  • Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung: ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Rückentraining, Kurse zur Stressbewältigung etc.
  • Faire und nachhaltige Entlohnung wie z.B. Prämien für außergewöhnliche Leistungen oder Ideen bis hin zur Mitarbeiterbeteiligung
  • Mitgestaltungsmöglichkeit und Einbeziehung der Mitarbeiter bei Innovationsprozessen im Unternehmen

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.