Bewerbungsgespräch im Sommer: Der perfekte Hitze-Dresscode

von in Bewerbung, Jobsuche am Dienstag, 15. Mai 2012 um 07:44

Beworben wird immer. Und setzt der gewünschte Erfolg – sprich die Einladung zum Bewerbungsgespräch – ein, geht nicht selten das große Schwitzen los. Sind die Außentemperaturen sommerlich, wird die Frage „Was ziehe ich bloß an?“ zum brandheißen Thema. Stil- und Imageberaterin Elisabeth Motsch weiß, worauf es ankommt und erklärt, weshalb eine Strumpfhose Makeup für die Beine genannt wird und warum Kleidung nicht abwerten darf.

Zwischen Kreislaufkollaps und Freizügigkeit

Stilberaterin Elisabeth Motsch

Stilberaterin Elisabeth Motsch

Heiße Sommertage lassen nicht selten den Wunsch aufkommen, mit Flipflops, Shorts und Trägershirt ins Büro zu gehen. Hängt die Kleidung freilich von vielen Faktoren – Unternehmen, Dresscode, etc. – ab, gilt es bei einem speziellen Termin, nämlich dem Vorstellungsgespräch, keine Kompromisse einzugehen. Stilexpertin Elisabeth Motsch weiß, was Frau und Mann tragen sollte, und gibt Tipps, wie man peinlichen Schweißflecken vorbeugen kann, auch ohne einen Kreislaufkollaps zu erleiden.

Schon bei der Terminvereinbarung nach dem Dresscode fragen

Als erstes rät Motsch, schon bei der Terminvereinbarung für das Bewerbungsgespräch nach dem Dresscode des Unternehmens – sofern man ihn nicht kennt – zu fragen. „Mit dieser Frage zeigt man, dass einem etwas an der Sache liegt, man das Gespräch und das Unternehmen ernst nimmt und wertschätzt. Es zeigt zudem, dass man selbstbewusst ist, deshalb sollte niemand vor der Frage nach einem Dresscode zurückschrecken.“ Auch bei Feiern oder anderen Festlichkeiten stehe schließlich nicht selten ein Dresscode bzw. die vom Gastgeber gewünschte Kleidung auf der Einladung.

Die Frau: von Blazer bis sportlich

Gab es eine Auskunft bzw. kennt man den Dresscode, sollte man sich unbedingt nach diesem richten. Für die Arbeit in einer Bank etwa ist ein Blazer für die Frau sowieso Pflicht, geht es hingegen um eine Stelle in einem sportlichen Büro, ist die Entscheidung freier. „Ich sage den Leuten immer, dass sie grundsätzlich natürlich gerne das anziehen können, was sie wollen. Sie müssen nur dann damit leben können, einen Job eventuell aufgrund ihrer Kleiderwahl nicht bekommen zu haben“, so Motsch. Von Kostüm über Hosenanzug bis hin zur Bluse ist vieles erlaubt – „wichtig ist, dass man sich in seiner Kleidung wohl fühlt und dass diese auch gut sitzt.“

„Eine Frau darf nie nackt aussehen“

„Egal wie heiß es ist, eine Frau darf nie nackt aussehen. Deshalb sollten der Ausschnitt nicht zu tief und der Rock nicht zu kurz sein. Generell kann man sagen, dass weniger nackte Haut in der Arbeitswelt einfach mehr ist“, erklärt Motsch eine der wichtigsten Grundregeln. Ein weiteres heikles Thema – gerade im Sommer – ist die Frage: Strumpfhose ja oder nein?

„Generell gilt: für den Business-Look ist eine Strumpfhose Pflicht. Das „Makeup für die Beine“ kaschiert und lässt einen ordentlicher wirken. Auch deshalb sind Schuhe, die im Zehenbereich offen sind, für Frauen und Männer tabu.

Ein Mann mit Sakko wirkt ordentlich und kompetent

Männer haben es hinsichtlich der Kleiderwahl für ein Vorstellungsgespräch bzw. im Büro generell einfacher. „Mit einem Sakko macht ein Mann in vielen Bereichen nichts falsch. Das wirkt ordentlich und vermittelt das Gefühl, dass derjenige auch ordentliche Arbeit abliefert“, erklärt Motsch. Egal wie heiß es ist, eine lange Hose ist bei Männern im Sommer ein Muss. Die Schuhe sollten geschlossen sein, „sportliche Modelle sind in Ordnung, es sollten jedoch keine abgenutzten Turnschuhe sein.“ Die Farben des Hemdes sollten dem Typ entsprechend gewählt werden – hinsichtlich der hitzebedingten Schweißbildung kann man sich durch die richtige Farb- und Materialwahl das Leben jedoch leichter – bzw. auch schwerer machen.

Unbedingt auf Polyester & Co. verzichten

Jeder, oder zumindest jeder, der von Mutter Natur mit ordentlich funktionierenden Schweißdrüsen ausgestattet wurde, kennt das: Schweißflecken genau dann, wenn man sie nicht braucht. Ein wichtiger Termin ist so ein Fall. Mit ein paar einfachen Tricks und guter Vorbereitung kann man gegen dieses Problem ankämpfen. Vor dem wichtigen Termin sollte man versuchen, einen möglichst kühlen Ort aufzusuchen. Das hält Körper und Geist frisch. „Da Hitze und Nervosität sehr schweißtreibend sein können, sollte man unbedingt auf Polyester verzichten und leichte Naturmaterialien wählen“, so die Stilexpertin.

Ersatzkleidung bewahrt vor Peinlichkeiten

Es hat sich auch bewährt, mit anderer Kleidung – etwa einem kühlen T-Shirt – zu dem Gespräch zu fahren und sich dann frisch umzuziehen“, weiß Motsch, dass vor allem die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Hitzefahrt werden kann. „Man sollte weiters immer Deodorant-Tücher bei sich haben. Taschentücher sowie ein kühlender Erfrischungsspray helfen, sich frisch zu machen bzw. frisch zu fühlen“, weiß Motsch. „Es ist einfach eine Tatsache dass jene, die sich gut vorbereiten, tatsächlich weniger ins Schwitzen kommen.“ Weiters sollte kurz vor einem Gespräch kein Kaffee mehr getrunken bzw. auf eine Zigarette verzichtet werden – denn der erste Eindruck ist entscheidend und neutraler Geruch dabei ein wichtiger Punkt.

Die Farbe gibt den Ton an

Bezüglich der Farbwahl sollte man natürlich darauf achten, was zu einem passt bzw. Farben wählen, die schmeicheln. Helle Typen sollten Farben meiden, die sie blass wirken lassen. Wer rasch rot wird, sollte diese Farbe bei der Kleiderwahl meiden. „Ich tendiere immer zu mittleren Farben, welches Outfit am besten passt, hängt jedoch erneut von dem Unternehmen bzw. der angestrebten Position ab. Für einen Führungsposten würde ich von zu hellen Farben abraten, das wirkt kraftlos. Schwarz hingegen wirkt schnell distanziert und sollte daher, wenn es um Teamfähigkeit geht, gemieden werden. Ein Kontrast in der Kleidung ist immer gut, zu leuchtend sollte das Gesamtoutfit jedoch nicht sein“, so Motsch.

Kleider machen Leute

Kleidung, so Motsch, ist ein wichtiges Instrument, welches auch für die eigene Karriere genutzt werden kann – und sollte. „Mit Kleidung kann man sich hervorheben, als kompetent und ordentlich darstellen und somit auch besser verkaufen. Andererseits kann man mit Kleidung auch dazu beitragen, nicht ernst genommen oder respektiert zu werden“, berichtet Motsch, dass gerade Frauen, die sich unter Wert kleiden, weniger respektiert werden als ihre männlichen Kollegen. „Man sollte sich nie durch Kleidung herabsetzen, das Ziel von guter Businesskleidung ist, dass man sich darüber keine Gedanken machen muss sondern sich stattdessen ganz auf die Arbeit konzentrieren kann.“

Nach dem Bewerbungsgespräch ist vor dem Bewerbungsgespräch

„Ganz gleich, wofür man sich entscheidet, es ist immer wichtig, seinem Typ treu zu bleiben. Das bedeutet auch, dass man jenes Bild, das man beim Bewerbungsgespräch abgibt, auch halten muss. Denn der Dresscode gilt auch nach der Einstellung. Wer plötzlich Businesskleidung braucht, sollte jedoch nicht verzweifeln. Für fünf Tage kombinierbare Kleidung, das reicht für den Anfang“, gibt Motsch abschließend noch den Tipp darauf zu achten, dass das Bewerbungsfoto, die Unterlagen sowie das Auftreten beim Gespräch möglichst eine Einheit bilden sollten.

Fotonachweis: Maisevich Alexey / Shutterstock; Motsch

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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