Konflikte und emotionaler Stress: Der Beruf als Depressionsfalle

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 2. Oktober 2014 um 10:41

„Die Hölle sind die anderen?“ Diese Frage stellten sich Forscher der Leuphana Universität Lüneburg und untersuchten den Zusammenhang von Depressionen und Beruf. Die Ergebnisse wurden in einer Studie veröffentlicht und zeigen, dass bestimmte Berufe die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Erkrankung beeinflussen können. Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer, die im Job von Konflikten betroffen sind oder sich ständig auf wechselnde Gesprächspartnern einstellen müssen. Frauen scheinen aber bessere Strategien im Umgang mit Emotionen zu haben, als Männer.

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Deprimierende Berufe – schuld sind die anderen

Depression Beruf„Hell Is Other People?“ Das stimmt, wenn man der Studie der Leuphana Universität Lüneburg zum Thema Depression und Beruf Glauben schenkt. Ein Forscher-Team hat Daten von 76.000 Personen ausgewertet und dabei erstmals Berufsmerkmale, Geschlecht und die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, miteinander in Bezug gesetzt. Ihr Ergebnis: Die Berufe, in denen Personen vor einer depressionsbedingten Reha-Maßnahme arbeiteten, scheinen einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit zu haben, psychisch zu erkranken. Auch wenn die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit komplex sind, lassen die Ergebnisse Schlüsse auf den Zusammenhang zwischen Belastungen im Job und Gesundheitsbeeinträchtigung zu. „Inwieweit das Arbeitsumfeld das Entstehen von psychischen Krankheiten wie Depressionen unterstützt, war eine bisher unbeantwortete Frage, die zurzeit kontrovers diskutiert wird“, erklärt Studienleiter Professor Wulf Rössler, Seniorprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg und Professor für klinische Psychologie an der Universität Zürich, die Bedeutung der Ergebnisse.

Depression: Frauen erwischt es öfter

Frauen und Männer sind laut Studie unterschiedlich stark von Depressionen betroffen. 64 Prozent der Reha-Patienten, bei denen Depressionen diagnostiziert wurden, sind weiblich, nur 36 Prozent männlich. Wissenschaftler beschäftigte die Frage, wie Berufsmerkmale mit der Wahrscheinlichkeit von Depressions-Diagnosen in Zusammenhang stehen. Sie fanden heraus, dass u.a. Konflikte am Arbeitsplatz das Risiko, seelisch zu erkranken, erhöhen.

Nährboden für Depressionen: Konflikte und ständig neue Gesprächspartner

Arbeit Depression KonflikteAuch emotionale Stressfaktoren spielen eine Rolle. Etwa, wenn man sich häufig auf wechselnde Gesprächspartner einstellen und mit deren Emotionen umgehen muss. Konflikte am Arbeitsplatz erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Depressionsdiagnosen – für beide Geschlechter. Bei emotional schwächeren Stressoren klaffen die Ergebnisse zwischen Männer und Frauen auseinander. Das immer wieder neue Einstellen auf neue Gesprächspartner, wie es z.B. Verkäufer, Journalisten oder Krankenpfleger erleben, stecken Frauen gut weg – es verringert sogar die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken. Bei Männern steigt hingegen das Risiko einer Erkrankung. Forscher schließen daraus, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit emotionalen Stressfaktoren umgehen. Situationen, die ein Höchstmaß an Strategien zum Umgang mit Emotionen benötigen, führen bei Frauen in geringerem Maße zu Depressionen, als für Männer. Scheinbar haben Frauen bessere Strategien zum Umgang mit Emotionen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wird jetzt weitergeforscht. Vor allem die Frage, wie seelischer Belastung in bestimmten Berufen vorgebeugt werden kann, wird die Wissenschaftler weiter beschäftigen.

Bildnachweis: KieferPix /Shutterstock; Ollyy /Shutterstock; Dmitry Melnikov /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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