Arbeitnehmerschutz neu: Was schadet uns im Job?

von in Arbeitsrecht, HR am Freitag, 15. März 2013 um 11:48

Schärfere Gesetze gegen Stress im Job soll sie wie bereits berichtet bringen, mit 1. Jänner 2013 ist die Novelle zum Arbeitnehmerschutzgesetz (ASchG) wirklich in Kraft getreten. Was die Gesetzesänderung für Arbeitnehmer aber auch für Arbeitgeber bedeutet und was nicht, wurde gestern beim Expertenforum des Netzwerk Humanressourcen in Linz diskutiert. Der einstimmige Appell der Experten an die Arbeitgeber lautete: Habt keine Angst vor möglichen Folgekosten – denn der Benefit, der zurückkommt, ist um ein Vielfaches höher.

Nicht Zufriedenheit oder Burnout sind Thema

Martina Molnar

Kern der Novelle ist, dass nun physische und psychische Belastungen als Gesundheitsgefahren verstanden werden. Aber welche psychischen Belastungen sind damit eigentlich gemeint? Wie die Arbeits- und Gesundheitspsychologin Martina Molnar, Geschäftsführerin von humanware, erklärt, geht es dabei um Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken. „Es geht bei der Evaluierung neu NICHT um die Auswirkungen der Arbeit, wie etwa die Zufriedenheit eines Menschen oder ob er an Erkrankungen wie Burnout leidet. Evaluiert werden lediglich die Einwirkungsfaktoren im Betrieb.“

Was ist psychisch gesund und was ungesund?

Die Frage lautet: Welche Einflüsse in der Arbeit sind darunter zu verstehen? Was sind positive oder negative Einwirkungen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Ziel der Evaluierung ist es, solche Belastungen zu erheben und Maßnahmen zu entwickeln, wie diese verringert werden können“, erklärt Molnar. Die Folgen von dauerhaften Fehlbeanspruchungen sind enorm und haben Auswirkungen sowohl auf die körperliche als auch die geistige Gesundheit eines Menschen. „Auch die Auswirkungen auf den Betrieb sind groß, denn das Verarbeiten von Fehlbelastungen bindet viel Energie.“

Ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen betroffen

In Österreich sind ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen negativen psychischen Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt, diese steigern übrigens das Krankheitsrisiko um 50 Prozent. „Es geht bei der Evaluierung darum, eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu schaffen“, erklärt Molnar. Die typischen Verfahren für die Evaluierung sind die standardisierte schriftliche Befragung, Interviews oder aber auch Beobachtungen, „meist werden diese Dinge kombiniert.“

Keine Angst vor den Kosten

Von der Idee über die Planung bis hin zur Durchführung einer solchen Evaluierung – sei es „freiwillig“ oder durch das Arbeitsinspektorat aufgetragen – dauert es in der Regel ein bis zwei Jahre, die investierte Zeit lohnt sich jedoch und auch vor den Kosten sollten sich Unternehmen nicht scheuen. Denn diese sind, wie Molnar betont, überschaubar. „Wie die bereits durchgeführten Evaluierungen zeigen, sind 85 Prozent der angesprochenen Probleme Kleinigkeiten die ohne zusätzliche Kosten behoben werden können. Nur 15 Prozent erfordern zur Behebung bauliche Maßnahmen, wie etwa besseren Schallschutz.“

„Manches war doch sehr überraschend“

Ins selbe Horn stoßen auch Birgit Espernberger vom ASZ Linz und Johann Neubauer vom Institut Hartheim. Das Institut ist eines der wenigen Unternehmen, welche bereits einen Evaluierungsprozess durchgeführt haben und darüber berichten können. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die ersten Maßnahmen gesetzt werden konnten. Es wurde eine Vollbefragung per Fragebogen durchgeführt, „natürlich völlig anonym“, betont Neubauer. Derzeit laufen die Auswertungen und auch die wichtige Kommunikation an die rund 600 Mitarbeiter. Ein erstes Fazit hat Neubauer verraten: „Vieles, wie etwa den Wunsch nach mehr Personal, hat man erwartet. Manches war aber doch sehr überraschend“.

Bildnachweis: Charles B. Ming Onn / Quelle Shutterstock, humanware

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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